#MDRklärt Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Corona-Ausbruch in Magdeburg

Seit vergangener Woche häufen sich Coronavirus-Neuinfektionen in Magdeburg. Mehrere Schulen und Jugendeinrichtungen mussten deshalb schließen. Inzwischen gibt es zudem Überlegungen, Teile des Stadtteils Neue Neustadt zu sperren. Welche Schritte gegen den Ausbruch unternommen wurden und wie es nun weitergeht: die wichtigsten Fragen und Antworten.

Absperrband hängt um den Moritzplatz in Magdeburg
Auf dem Moritzplatz im Stadtteil Neue Neustadt sollen sich momentan keine Menschen versammeln. Bildrechte: dpa

Welche Schulen und Einrichtungen in Magdeburg sind wegen der Corona-Neuinfektionen geschlossen?

Um das Coronavirus einzudämmen, sind in Magdeburg seit Montag, 15. Juni, mehrere Schulen und Jugendeinrichtungen geschlossen worden. Mittlerweile (Stand: 19. Juni) sind elf Schulen sowie acht Einrichtungen betroffen, die jeweils für 14 Tage schließen.

Die Namen der Schulen und Jugendeinrichtungen können Sie den folgenden zwei Karten entnehmen:

Wie sollen die Corona-Neuinfektionen in Magdeburg eingedämmt werden?

In den besonderes betroffenen Stadtteilen Neue Neustadt und Salbke werden insgesamt 19 Hausaufgänge unter Quarantäne gestellt. Das hat die Stadt am 20. Juni nach einer Krisensitzung von Gesundheitsamt, Sozialdezernat, Oberbürgermeister und der Polizei mitgeteilt. Wer in den betroffenen Hausaufgängen wohnt, darf seine Wohnung demnach nicht verlassen. Mit der Unterstützung von Hilfsorganisationen soll die Versorgung der betroffenen Anwohner mit Lebensmitteln sichergestellt werden, teilte die Stadt mit.

Diese Hausaufgänge werden unter Quarantäne gestellt

Wer in folgenden Hausaufgängen in der Neuen Neustadt wohnt, darf seine Wohnung bzw. das Grundstück des Hauses vorerst nicht verlassen:

  • Charlottenstraße 14a, 15 und 17
  • Haldensleber Straße 8, 9 und 10
  • Umfassungsstraße 18, 20, 21 sowie 22a und 22b
  • Umfassungsweg 1, 2, 3 und 4
  • Wedringer Straße 12, 16 und 17


Im Stadtteil Salbke ist das Gebäude Alt Salbke 93 von der Quarantäne betroffen.

Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) sagte MDR SACHSEN-ANHALT schon am 18. Juni, dass unterbunden werden müsse, dass Menschen aus dem betroffenen Gebiet bei der Arbeit oder in der Schule andere ansteckten. Er werde nicht zuschauen, dass weitere Stadtteile infiziert würden. Im schlimmsten Falle müsse der Stadtteil Neue Neustadt abgeriegelt werden. Der Oberbürgermeister bezeichnete die Abriegelung aber als "letzten Schritt".

Zusätzlich wurden laut Trümper in der rumänischen Gemeinschaft rumänisch-sprachige Audionachrichten verschickt und Zettel verteilt mit dem Aufruf, sich testen zu lassen. Auch Sozialarbeiter seien angehalten, die Menschen anzusprechen. Inzwischen habe man zudem eine Videobotschaft auf Rumänisch produziert. Er hoffe, dass die Auflagen eingehalten werden. Trümper sagte am Donnerstag, er gehe davon aus, dass es keine zweite Welle gebe, wenn man Abstand halte, einen Mund-Nasenschutz trage und nicht in größeren Gruppen zusammenkomme.

Droht ein Lockdown für ganz Magdeburg?

Sowohl Oberbürgermeister Trümper als auch die Gesundheitsministerin von Sachsen-Anhalt, Petra Grimm-Benne (ebenfalls SPD), schlossen am Donnerstag, den 18. Juni aus, dass es einen Lockdown für die gesamte Stadt Magdeburg geben könnte. Das Gesundheitsministerium hat ein Ampel-Warnsystem für Corona eingeführt. Ab 30 neuen Fällen auf 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche sind demnach in Sachsen-Anhalt "Maßnahmen einer großräumigen Eindämmung" möglich. Magdeburg liegt Stand 19. Juni bei etwa 31 Fällen auf 100.000 Einwohner – und somit knapp über dieser Grenze.

Wird der Stadtteil Neue Neustadt zur Coronavirus-Eindämmung abgeriegelt?

Magdeburg hat die höchste Stufe im Ampel-Warnsystem des Landes Sachsen-Anhalt erreicht. Am kommenden Montag (22. Juni) will die Stadt Magdeburg gemeinsam mit den Ordnungsbehörden beraten, ob es neben der angeordneten Quarantäne für 19 Hausaufgänge in der Neuen Neustadt und Salbke weitere Maßnahmen braucht. Das teilte die Stadt am Sonnabend mit.

Noch am Freitag hatte Oberbürgermeister Trümper MDR SACHSEN-ANHALT gesagt, sollten sich die Betroffenen am Wochenende ohnehin an die Quarantäne halten und zu Hause bleiben, müsse der Stadtteil auch nicht abgeriegelt werden.

Zwar gebe es auch Corona-Neuinfektionen außerhalb der Neuen Neustadt, so Trümper. Von den etwa 120 neuen Fällen seit dem 8. Juni lebten allerdings 100 Betroffene in der Neuen Neustadt. Im Falle einer Sperrung kämen die Infizierten aus dem Stadtteil nicht mehr hinein oder hinaus. Nicht-Betroffene könnten dagegen weiterhin arbeiten gehen.

Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper auf einer Pressekonferenz.
Trümper: "Eine Absperrung braucht eine Vorbereitungszeit und eine Strategie." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bei einer möglichen Sperrung des Stadtteils soll laut Trümper differenziert vorgegangen werden. Es wird demnach erwägt, mehrere Straßenzüge zu sperren. Dem Oberbürgermeister zufolge betreffen die Neuinfektonen etwa die Charlottenstraße, Hundisburger Straße, den Umfassungsweg, die Umfassungsstraße und Wedringer Straße. Doch auch dort leben insgesamt einige Hundert Menschen.

Chronik: Wie hat sich der Coronavirus-Ausbruch in Magdeburg entwickelt?

11. Juni – Starker Anstieg der Fälle

Die Zahl der Corona-Fälle in Magdeburg steigt seit vergangener Woche. Am Donnerstag, 11. Juni, hieß es vom Sozialministerium, dass seit Beginn der Woche mehr als zehn Personen positiv auf das neue Coronavirus getestet worden seien – der stärkste Anstieg innerhalb kurzer Zeit seit fast einem Monat. Vom 30. April bis zum 3. Juni wurde in der Stadt gar kein neuer Fall festgestellt.

Wegen der vielen Neuinfektionen wurden am Mittwoch, den 10. Juni, auch Kinder an der Grundschule "Am Umfassungsweg" getestet. Bei einem Kind und seiner Mutter bestätigte der Test eine Infektion. Daher wurde sowohl die Grundschule als auch der Hort im Magdeburger Stadtteil Neue Neustadt vom Freitag, den 12. Juni, bis zum 26. Juni geschlossen. Weitere Coronavirus-Tests waren nach Angaben der Stadt Magdeburg nicht geplant.

14. Juni – Infektionskette nicht mehr nachvollziehbar

Am Sonntag, den 14. Juni, teilte die Stadt mit, dass ab Montag, den 15. Juni, fünf weitere Schulen, zwei Jugendeinrichtungen und drei Spielplätze wegen der Corona-Fälle für zwei Wochen geschlossen werden. Die Begründung für die zusätzlichen Schließungen: Die Infektionskette sei nicht mehr nachvollziehbar. Von Freitag bis Sonntag sind laut Stadt 32 weitere Menschen positiv auf das Virus getestet worden.

Am Montag, den 15. Juni, werden zwei weitere Grundschulen sowie die dazugehörigen Horte geschlossen. Die Schulen befinden sich in Buckau und in der Alten Neustadt. Zum Mittwoch, den 17. Juni, schließt das Gesundheitsamt Magdeburg eine weitere Schule im Stadtteil Neu Olvenstedt.

16. Juni – Gemeindetreffen möglicher Ursprung der Coronavirus-Fälle

In einer Pressekonferenz am Dienstag, 16. Juni, gibt die Stadt Magdeburg weitere Details zu den Fällen bekannt. Laut Oberbürgermeister Trümper treten die Neuinfektionen vor allem innerhalb von Familien auf. Die Quelle der Infektionen ist zu dem Zeitpunkt noch unklar. Es besteht Trümper zufolge aber der Verdacht, dass ein Pfarrer aus Berlin in einer Kirchengemeinde in Schönebeck in Magdeburg lebende Rumänen infiziert haben könnte. Die erste nachvollziehbare Infektion in der Stadt wurde demnach bei einer Patientin bei der Aufnahme ins Krankenhaus nachgewiesen.

Innerhalb einer Woche sind insgesamt rund 50 Corona-Neuinfektionen bestätigt wurden. Etwa 860 Menschen haben sich bereits in der Fieberambulanz der Stadt testen lassen. Allein am Mittwoch, den 17. Juni, verzeichnet die Stadt mehr als 20 neue Coronavirus-Fälle.

18. Juni – Oberbürgermeister Trümper warnt vor Virus-Ausbreitung

Oberbürgermeister Trümper warnt im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT am Donnerstag, 18. Juni, vor einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus in Magdeburg. Bei den meisten der neuen Fälle – Trümper nannte die Zahl 90 – handele es sich bei den Betroffenen um Bewohner im Stadtteil Neue Neustadt. In den betreffenden Wohnblocks lebten etwa 700 Menschen, wo sich einige als Teil einer rumänischsprachigen Community über Treffen in einer Pfingstgemeinde infiziert haben könnten. Um das Virus einzudämmen, könnte im absoluten Notfall der Stadtteil Neue Neustadt abgeriegelt werden.

Trümper gab auch weitere Informationen zur Quelle der Neuinfektionen. Man wisse, dass alle neuen Fälle aus einer Kirchengemeinde kämen. Ob die Gemeinde aber der Ursprung ist, steht laut Trümper nicht fest. Bei den Gottesdiensten sei zudem offenbar gegen Corona-Auflagen verstoßen worden. Teilnehmerlisten seien zum Beispiel nur mit Vornamen geführt worden, obwohl voller Name und Adresse gefordert gewesen seien.

19. Juni – 31 Fälle auf 100.000 Einwohner in Magdeburg

Seit Freitag, den 19. Juni, ist im Magdeburger Stadtteil Westerhüsen eine weitere Grundschule bis 3. Juli geschlossen. Dort wurde ein Reinigungsmitarbeiter positiv getestet. Damit sind in Magdeburg elf Schulen dicht. Auch weitere Jugendeinrichtungen wurden zugemacht.

Von Donnerstag auf Freitag sind 21 neue Coronavirus-Fälle in Magdeburg bestätigt worden. Das Gesundheitsministerium meldet etwa 31 nachgewiesene Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner für die Stadt innerhalb einer Woche. Damit ist die höchste Stufe der Corona-Warnampel erreicht. Die Stadt Magdeburg will am Wochenende entscheiden, ob die betroffenen Straßenzüge in der Neuen Neustadt abgeriegelt werden müssen.

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 18. Juni 2020 | 19:00 Uhr

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