Ärzte und Pflegekräfte Ameos-Krankenhausmitarbeiter demonstrieren in Magdeburg

Seit Ende Januar wird gestreikt: Ärzte und das Pflegepersonal der Ameos-Kliniken in Aschersleben, Staßfurt, Haldensleben, Schönebeck und Bernburg kämpfen für einen Tarifvertrag. Am Mittwoch haben Hunderte Beschäftigte auf einer Demonstration in Magdeburg ihren Forderungen Nachdruck verliehen. Unterstützt wurde ihr Anliegen von prominenten Rednern.

Menschenmenge auf dem Magdeburger Domplatz mit rotem Banner mit Aufschrift 'Mehr von uns ist besser für alle'
Die Demonstrierenden auf dem Domplatz: "Mehr von ist besser für alle", steht auf dem Transparent. Bildrechte: MDR/Johanna Honsberg

Sie streiken für bessere Arbeitsbedingungen. Rund 750 Beschäftigte der Ameos-Kliniken in Aschersleben, Staßfurt, Haldensleben, Schönebeck und Bernburg sind am Mittwoch laut Organisatoren in Magdeburg zusammengefunden. Die Gewerkschaft Verdi hatte zu einer zentralen Demonstration in der Landeshauptstadt aufgerufen.

Unterstützung aus der Politik

Am Streiktag in Magdeburg waren unter anderem die Vorsitzende der Bundes-SPD, Saskia Esken, und Linken-Chef Bernd Riexinger dabei. Saskia Esken sagte MDR SACHSEN-ANHALT, ihrer Meinung nach gehörten Krankenhäuser in die öffentliche Hand. "Ganz oft sehen wir ja, dass nicht investiert wird, dass nicht saniert wird in den Gebäuden", sagte sie weiter. So werde auf dem Rücken der Beschäftigten Profit gemacht.

Esken wollte mit ihrem Besuch den Streikenden die Solidarität ihrer Partei aussprechen. "Sie sehen sich Drohungen und ungerechtfertigten Kündigungen ausgesetzt, weil sie sich gewerkschaftlich organisieren, sich für gute Arbeit in den Kliniken einsetzen und damit auch für eine gute Gesundheitsversorgung", sagte die Parteichefin am Dienstag.

So läuft der Ameos-Streik in Magdeburg

Streikende stehen mit Schildern und Plakaten vor einem Haus
Mitarbeitende der Ameos-Kliniken in Sachsen-Anhalt streiken bereits seit Ende Januar. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe
Streikende stehen mit Schildern und Plakaten vor einem Haus
Mitarbeitende der Ameos-Kliniken in Sachsen-Anhalt streiken bereits seit Ende Januar. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe
Eine streikende Frau mit gelber Warnweste hält ein Schild: Ich bin so sauer. Ich habe sogar ein Schild gebastelt
Sie fordern einen Tarifvertrag – der Ameos-Konzern lehnt das aber ab. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe
Streikende stehen mit Schildern und Plakaten auf der Straße
Die Demonstrierenden basteln Pflegepersonal aus Pappe und schreiben: "Gekündigt trotz Pflegenotstand" und "Wir sind es wert". Bildrechte: MDR/Tom Gräbe
In einem Reisebus sitzen Menschen
Nach Magdeburg fahren die Demonstrierenden gemeinsam im Reisebus. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe
Ein Mann mit einem Megaphon sitzt mit anderen Menschen in einem Bus
Auch Holger Waack fährt nach Magdeburg. Die Ameos-Klinik Aschersleben-Staßfurt hatte den leitenden Oberarzt und Betriebsratsmitglied Holger Waack Anfang Januar freigestellt. Im Interview mit MDR SACHSEN-ANHALT hatte er damals gesagt: "Ich engagiere mich für die Belegschaft – nicht nur für eine bessere Bezahlung, die einen Tarifvertrag mit sich bringen würde. Wenn man ein bisschen weiter schaut, hilft das auch der Zukunft des Krankenhauses. Denn dieses Krankenhaus ist für Neubewerber, neu gelernte Pflegefachkräfte oder auch ärztliches Personal aktuell nicht attraktiv." Bildrechte: MDR/Tom Gräbe
Streikende mit gelben Warnwesten stehen auf einem Busparkplatz
Die Gewerkschaft Verdi hatte zu einer zentralen Demonstration in Magdeburg aufgerufen. Eine Mitreisende erzählte MDR SACHSEN-ANHALT: "Bei uns im Bus ist ordentlich gute Stimmung. Wir haben nochmal die ganzen Ameos-Lieder geprobt, die wir dann natürlich auf dem Markt auch singen werden." Bildrechte: MDR/Tom Gräbe
Menschenmenge auf Parkplatz mit Schildern, Transparenten und einer Fahne
In Magdeburg treffen sich zahlreiche Streikende am Schleinufer. Eine Demonstrantin erklärt: "Wir wollen Aufmerksamkeit erregen und wir wollen endliche eine Antwort von Ameos, dass die sich mit Verdi und dem Marburger Bund an einen Tisch setzen." Bildrechte: MDR/Johanna Honsberg
Drei Frauen mit einem Protestschild mit der Aufschrift 'ich kann gar nicht so schlecht arbeiten wie ich bezahlt werde Wir sind es wert'
Eine andere Demonstrantin sagt: "Wir möchten alle wieder an unsere Arbeit zurück und hoffen, dass das heute was bringt, um die ganze Maßnahme vielleicht einzukürzen." Bildrechte: MDR/Johanna Honsberg
Menschenmenge auf dem Magdeburger Domplatz mit rotem Banner mit Aufschrift 'Mehr von uns ist besser für alle'
Über den Domplatz ziehen die Streikenden zur Kundgebung vor dem Verdi-Gebäude in der Leiterstraße. Ungefähr 750 Menschen haben sich laut Veranstalter zum Streik versammelt. Bildrechte: MDR/Johanna Honsberg
Ameos-Mitarbeitende auf einer Demo auf dem Alten Markt in Magdeburg.
Die Demonstrierenden versammeln sich um die Mittagszeit auf dem Alten Markt in der Magdeburger Innenstadt. Zahlreiche Medienvertreter begleiten die Veranstaltung. Viele Passanten haben sich solidarisch mit den Streikenden gezeigt: "Aus meiner Sicht finde ich das richtig in Ordnung, dass hier auf diese Art und Weise versucht wird, Forderungen durchsetzen", erklärt ein Passant MDR SACHSEN-ANHALT. Bildrechte: MDR/Johanna Honsberg
Ameos-Mitarbeitende auf einer Demo auf dem Alten Markt in Magdeburg.
Von der Gewerkschaft Verdi ist Sylvia Bühler vor Ort, um auf dem Alten Markt eine Rede zu halten. Bildrechte: MDR/Johanna Honsberg
Bernd Riexinger auf einer Demo auf dem Alten Markt in Magdeburg.
Vor dem Alten Rathaus spricht der Linken-Chef Bernd Riexinger. Bildrechte: MDR/Johanna Honsberg
Saskia Esken auf einer Demo auf dem Alten Markt in Magdeburg.
Auch der SPD-Bundesvorsitzende Saskia Esken spricht auf der Demonstration zu den Ameos-Mitarbeitern. Bildrechte: MDR/Johanna Honsberg
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Auch Bernd Riexinger kritisierte den privatwirtschaftlichen Krankenhausbetrieb: "Mit Gesundheit darf kein Profit gemacht werden. Gesundheit, die Pflege von Kranken, ist eine öffentliche Aufgabe. Und was ist das für eine Politik, die nicht mehr diese öffentliche Aufgabe wahrnimmt?" Zudem bezeichnete er es als Skandal, "dass es Krankenhauskonzerne gibt, die nicht einmal den Tarifvertrag bezahlen wollen, die nicht einmal Tarifbedingungen einhalten wollen."

Die Arbeits- und Sozialministerin des Landes, Petra Grimm-Benne (SPD), sagte MDR SACHSEN-ANHALT, dass sie sich über die große Streikbeteiligung freue. "Weil es wichtig ist, auch im Osten zu zeigen: Nach 30 Jahren Wiedervereinigung muss man auch im Osten anständige Löhne zahlen."

Verantwortung der Politik bei der Krankenhausfinanzierung

Verdi-Streikführer Bernd Becker hatte vor der Demonstration die Verantwortung der Politik bei der Finanzierung von Krankenhäusern betont. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT im Interview: "Die Politik spielt eine entscheide Rolle, was die Finanzierung angeht." Man habe in Deutschland eine duale Krankenhausfinanzierung. "Das heißt, alles was Investitionsmittel sind, Gebäude, Geräte, etc. hat das Land zu finanzieren. Das hat man die letzten Jahre schleifen lassen", so Becker. "Man hat hier in Sachsen-Anhalt einen Investitionsstau von 1,5 Milliarden. Der muss abgebaut werden, so dass die Häuser wieder investieren können und die Leute auch das Geld bekommen, was ihnen aus den Fallpauschalen zusteht und somit ordentliche Gehälter bezahlt werden können."

Landespolitiker bei Demo

Auch mehrere Landespolitiker hatten sich am Mittwoch zu den Demonstrationen angemeldet. So hatte sich der parlamentarische Geschäftsführer der Linken-Landtagsfraktion, Stefan Gebhardt, und der CDU-Sprecher für Arbeit, Soziales und Integration, Tobias Krull, für Reden auf dem Domplatz angekündigt.

Für SPD und Grüne äußerten sich jeweils Fraktionsvorsitzende aus dem Landtag: Katja Pähle von der SPD und Cornelia Lüddemann von den Grünen, sowie Ricarda Lang, die stellvertretende Bundesvorsitzende und frauenpolitische Sprecherin von der Grünen. Außerdem waren Reden von Verdi-Bundesvorstand Sylvia Bühler und der Vize-Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Elke Hannack, geplant.

Streit um Tariflöhne

Ameos hat sich gegen den Vorwurf gewehrt, seine Mitarbeiter schlecht zu bezahlen. Vorstandschef Axel Paeger sagte in der MDR-Sendung "Fakt ist": "Es ist eine Mär, dass bei uns weniger bezahlt würde." Man bezahle die Fachkräfte wie anderswo auch. "Sonst wären sie ja weg", so Paeger.

Die Gewerkschaft Verdi wirft Ameos vor, monatlich bis zu 500 Euro weniger zu bezahlen als andere Krankenhaus-Betreiber. Diese Differenz erklärte Paeger mit einer freiwilligen Reduzierung der Wochenarbeitszeit von 40 auf 35 Stunden. Außerdem betonte Paeger, dass nur sehr wenige an den Streiks teilnehmen würden. "Es sind vier Prozent der Mitarbeiter, die im Moment streiken. 96 Prozent gehen zur Arbeit. Wir reden über 160 von 4.000", sagte der Ameos-Vorstandschef.

Verdi widersprach der Darstellung des Arbeitgebers. "Dass 500 Euro eine Differenz von fünf Stunden Arbeitszeit pro Woche ausmachen, ist Quatsch", sagte Verdi-Streikleiter Bernd Becker der Deutschen Presse-Agentur. Hochgerechnet auf den Monat würde das einen Stundenlohn von 23 Euro und einen Monatslohn von 3.500 bedeuten, rechnete der Gewerkschafter vor. "Dann würden wir nicht streiken."

Auch zur Zahl der Streikenden machte Becker deutlich andere Angaben. Allein am Montag hätten sich 400 Mitarbeiter in die Streiklisten eingetragen.

2016 gab es schon einmal einen Tarifkonflikt zwischen dem Klinikbetreiber Ameos und den Beschäftigten der Ameos-Kliniken im niedersächsischen Hildesheim und in Osnabrück. Hier einigten sich nach elf Streikwochen die Parteien auf ein Verhandlungsergebnis.

Die Demonstration war in Magdeburg vom Schleinufer aus durch die Innenstadt über den Domplatz zur Kundgebung vor dem Verdi-Gebäude in der Leiterstraße gezogen. Die Polizei hatte vor Verkehrsbehinderungen in der Innenstadt gewarnt.

Quelle: dpa,MDR/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 05. Februar 2020 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Februar 2020, 17:15 Uhr

4 Kommentare

Erni01 vor 8 Wochen

Ich verstehe ja den Protest auf dem Domplatz vor dem Landtag, mit den darin sitzenden Verantwortlichen. Aber was wollen die Schönebecker, Staßfurter, Ascherslebener und Bernburger auf dem Alten Markt vor dem Magdeburger Rathaus?

Harri vor 8 Wochen

Nur als Beispiel, die Höppner Regierung, SPD, hat im Rahmen der Enthospitalisierung, 1996,das Landeskrankenhaus Haldensleben an ein Börsen Unternehmen verschenkt und noch 6 Millionen mitgegeben für kleinste Modernisierungen, das Geld verschwand dann und konnte nicht mehr eingesetzt werden, der Name des Konzerns wechselte ständig seinen Namen und versucht bis heute alte Arbeitsverträge in schlechtere umzuwandeln, warum sollte jetzt ein Wandel kommen. Es ist ein Börsenunternehmen. Gewinne gehen da leider nur über Personaleinsparung, Lohnkürzungen, Überstunden und interne Zeitarbeitsfirmen. Aber das ist doch jedem bekannt, daß Gewinne überall nur mit schlechter Pflege machbar sind. Die Politik hat dafür die Weichen seit 1986 gestellt und vorbereitet, ansonsten wär kein Unternehmen bereit sich mit dem Pflegesektor zu beschäftigen. Dennoch ist es über die Jahre gesehen ein schweres Milliardengeschäft und Koruption und Seilschaften gehören genauso dazu wie das ewige gejammer roter Zahlen.

Original Taste vor 8 Wochen

Um die Politik wach zu rütteln. Erregt dort eben deutlich mehr Aufmerksamkeit als vorm Rathaus in BBG, SFT, SBK, HDL...

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