Wahl des neuen Wirtschaftsbeigeordneten Wirbel vor wichtiger Personalentscheidung im Stadtrat von Magdeburg

Er ist quasi der Wirtschaftsminister Magdeburgs: der Beigeordnete für Wirtschaft, Tourismus und regionale Zusammenarbeit. Dieser wichtige Posten wird demnächst neu vergeben. Doch im Zusammenhang mit der Wahl ist ein anonymer Brief aufgetaucht. Es geht um den Vorwurf der Vetternwirtschaft.

Blick in den Plenarsaal mit dem Stadtrat der Landeshauptstadt Magdeburg
In Magdeburg gibt es 56 Stadträte. (Archivbild) Bildrechte: dpa

In der Magdeburger Stadtverwaltung werden in diesem Sommer gleich zwei wichtige Posten neu vergeben. Die Stadt braucht eine/n neue/n Beigeordneten für Wirtschaft, Tourismus und regionale Zusammenarbeit. Außerdem läuft derzeit die Suche nach einem neuen Beigeordnete/-n für Kultur, Schule und Sport. Für beide Jobs enden die Bewerbungsfristen zum Monatsende.

Mitten im Bewerbungsverfahren sorgt allerdings die Suche nach dem neuen Wirtschaftsbeigeordneten bei den Stadträten aktuell für Gesprächsstoff. Grund ist ein anonymer Brief, der sich an die Stadträte richtet und der MDR SACHSEN-ANHALT vorliegt. Darin heißt es, dass ein/e Bewerber/in bereits davon spreche, den Posten zu bekommen. Es gebe eine Abmachung, wonach ein Stadtratsmitglied dafür sorgen werde. Im Gegenzug werde ein Familienmitglied des Stadtratsmitglieds ebenfalls einen hochrangigen Job erhalten.

Anforderungen an den neuen Wirtschaftsbeigeordneten

– Der Beigeordnete wird durch den Stadtrat gewählt, die Stelle ist auf sieben Jahre ausgeschrieben.
– Der Bewerber muss mindestens 21 Jahre alt sein.
– Benötigt wird ein Master-, Diplom, Diplom-FH-, Magister- oder vergleichbarer Abschluss (z.B. Staatsexamen).
– mindestens zweijährige Führungserfahrung in einem Unternehmen oder in der öffentlichen Verwaltung.
– Der Beigeordnete wird Beamter auf Zeit (zunächst Besoldungsgruppe B4, rund 8.800 Euro brutto/Monat).

So läuft das Auswahlverfahren ab

Nach Angaben von Rathaussprecherin Kerstin Kinszorra wird die Verwaltung die Bewerbungen sichten und diejenigen auswählen, die die geforderten Voraussetzungen mitbringen. Das Ergebnis geht an den Verwaltungsausschuss. Die danach bestätigten Bewerber werden zur Entscheidung im Stadtrat zugelassen. Der Stadtrat trifft seine Entscheidung in geheimer Wahl. Es wird eine einfache Mehrheit benötigt.

Der oder die Verfasser/in des Briefes äußert den Vorwurf, dass nicht allen Bewerbern dieselben Chancen auf den Posten eingeräumt werden, obwohl andere Kandidaten vielleicht besser geeignet wären.

Beigeordneter kümmert sich um wirtschaftliche Entwicklung

Rainer Nitsche
Rainer Nitsche ist seit 2009 der Beigeordnete für Wirtschaft in der Landeshauptstadt. Bildrechte: Dirk Mahler

Die Position des Wirtschaftsbeigeordneten ist für die weitere wirtschaftliche Entwicklung Magdeburgs von großer Bedeutung. So kümmerte sich der jetzige Amtsinhaber Rainer Nitsche in den vergangenen Jahren um die Anwerbung neuer Unternehmen, die Wirtschaftsförderung und auch die Entwicklung der Start-Up- und Gründerszene in der Stadt.

In den vergangenen Jahren haben sich beispielsweise im Industriegebiet Rothensee sieben Unternehmen neu angesiedelt. Vorigen September gab es etwa beim österreichischen Lampenhersteller "Eglo" den ersten Spatenstich. 150 Arbeitsplätze sollen entstehen.

Nitsche ist zudem mehrfach nach China gereist, um den Austausch – und damit letztlich die Wirtschaft in Magdeburg – zu stärken. Auch mit Wirtschaftsvertretern des US-Bundesstaats Pennsylvania gab es Gespräche über Kooperationsmöglichkeiten.

Für Nitsches Nachfolger oder Nachfolgerin wird es ebenfalls darum gehen, neue Arbeitsplätze zu schaffen – nicht zuletzt aufgrund der Einschnitte in der Windindustrie und dem Stellenabbau bei Enercon. Zudem kämpft Magdeburg weiterhin mit Leerstand in der Innenstadt.

Rathaus: Bewerbungen werden gleich beurteilt

Rathaussprecherin Kerstin Kinszorra teilte auf Anfrage mit, man äußere sich zu anonymen Briefen grundsätzlich nicht. Alle Bewerbungen würden gleichermaßen nach den darin ausgewiesenen Kriterien beurteilt. Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) hat sich zu dem anonymen Schreiben bislang nicht geäußert.

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Bildrechte: MDR/Viktoria Schackow

Quelle: MDR/kb

Zuletzt aktualisiert: 22. Januar 2020, 19:00 Uhr

5 Kommentare

Fuerst Myschkin vor 3 Wochen

@ Peter, AHA Linksaffin? Diese Partei ist aber die schlechteste Alternative, weil genau so korrupt. Können Sie mir ruhig glauben, schließlich war ich selbst lange Mitglied, wofür ich mich aufrichtig schäme. Im Leben gibt es aber inmmer einen Aha- Effekt sich zu besinnen und anders zu definieren. Dies wünsche ich Ihnen herzlichst. F.M.

Rotti vor 3 Wochen

Bin gespannt, ob der oder die neuen Beigeorneten auch aus Magdeburg oder der Umgebung kommen? Wer kennt denn die Stadt besser, als Leute, die von dort kommen. Oder nicht?

Peter Riesler vor 3 Wochen

Hoppla, der Vorreiter der AfD hat gesprochen. Übrigens als der einzige und wahre Vertreter der Opposition ...

Opposition ist nicht, nicht an der Regierung nicht beteiligt zu sein. Opposition ist, in Landesfragen (außer in Thüringen) gegen Ausbeutung, Bildungsnotstand, Chancenungleichheit, Hass, Hetze etc. zu sein. Und da gibt es nur eine Partei im hiesigen Parlament. Dies werden Sie doch nicht abstreiten, oder?

Der Filz betrifft SPD und in erster Linie CDU. Da sind wir uns einig. Man stelle sich vor, ein >Gott sei Dank< vom christlichen Unglauben befreites Bundesland wählt die Christen in die Regierung. Geht doch gar nicht ... Doch, in Sachsen Anhalt.

Und die handeln dann eben ... christlich! Postenschacher, Manipulation (mehr darf ich hier nicht schrieben, ich meine Dessau O..y J....h.

Aber fleissig Meinung machen Fuerst Myschkin, es gibt immer mehr Dumme, nicht nur landesweit.

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