Zwei Polizisten führen einen Verdächtigen in Handschellen ab.
Bei der Razzia wurden drei Verdächtige festgenommen. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich

Experte zur Drogenrazzia in Magdeburg "Ein empfindlicher Schlag gegen die organisierte Kriminalität im Land"

Nach einer Razzia am Freitagabend in Magdeburg gibt die Polizei nur wenige Informationen an die Öffentlichkeit heraus. MDR SACHSEN-ANHALT hat deswegen Polizeireporter Matthias Fricke nach seiner Einschätzung gefragt. Schon seit 1991 ist er für die Blaulicht-Themen bei der "Volksstimme" zuständig.

Zwei Polizisten führen einen Verdächtigen in Handschellen ab.
Bei der Razzia wurden drei Verdächtige festgenommen. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich

Am Freitagabend wurden bei einer Drogenrazzia in Magdeburg drei Verdächtige festgenommen. Bei ihnen wurden Drogen im Wert von 150.000 Euro sowie mehrere scharfe Waffen gefunden. Die Polizei hält sich mit Informationen zu den Festnahmen bisher zurück. Matthias Fricke ist seit 1991 Polizeireporter bei der "Volksstimme". Auch über die Drogenrazzia in Magdeburg hat er einen Artikel geschrieben. Nach 28 Jahren im Beruf ist er ein Experte für Blaulicht-Themen. MDR SACHSEN-ANHALT hat ihn nach seiner Einschätzung zu den Ereignissen gefragt.

MDR SACHSEN-ANHALT: Wie haben Sie die Razzia und das Vorgehen der Polizeibeamten bei der Razzia erlebt?

Fricke: Ich war nicht direkt am Freitag beim Zugriff dabei, aber ein Fotograf von uns. Der Entschluss zur Festnahme geschah durch die Ermittler offenbar operativ. Das SEK wartete laut unseren Informationen auf einen günstigen Moment, als der Beschuldigte Abd M. eine als Drogendepot genutzte Wohnung verließ. Bei ihm sollen direkt mehrere Gramm Kokain und zwei Messer gefunden worden sein.

Gibt es eine neue Qualität beim organisierten Verbrechen in Magdeburg?

Ein Mann mit grauen Locken schaut in die Kamera.
Matthias Fricke ist seit 1991 Polizeireporter bei der "Volksstimme". Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT/Matthias Fricke

Den organisierten Drogenhandel gibt es schon seit längerer Zeit in Magdeburg, nur die Akteure ändern sich. Seit einigen Jahren drang, so sind zumindest unsere Informationen aus Ermittlerkreisen, allerdings der Libanese Abd M. immer mehr in den Vordergrund. Er war zwischenzeitlich führendes Mitglied der rockerähnlichen Gruppierung AKC und hatte wohl auch Kontakte zu den Bandidos. Im August 2015 stand er auch unter Verdacht, auf ein Mitglied der Hells Angels geschossen zu haben. Der 37-Jährige erlitt damals einen Bauchschuss, wollte der Polizei gegenüber aber keine Angaben machen. Es gab zwar eine Festnahme. Weil aber die Waffe fehlte und die Aussage des Opfers, wurde das Verfahren eingestellt. Um auf die Frage zurückzukommen: Der Umfang der Sicherstellungen vor allem in Bezug auf die Waffen ist schon eine neue Qualität.

Gibt es in Magdeburg clan-ähnliche Strukturen?

Zumindest treten diese nicht offenkundig auf, wie etwa in Berlin und anderen Großstädten. Im Untergrund soll es aber schon großflächigere Netzwerke geben, wie eben im aktuellen Fall. Dem Libanesen werden familiäre Verbindungen zum Miri-Clan in Bremen und Kontakt zum Abou-Chaka-Clan nachgesagt. Ermittler sprechen deshalb schon vom "Paten von Magdeburg", weil er mit dem hinter ihm stehenden Potenzial großen Einfluss hat. Offiziell will diese Verbindungen aktuell aber niemand bestätigen. Sie sind schließlich Bestandteil des Ermittlungsverfahrens.  

Wie schätzen Sie die Arbeit der Polizei in dem Fall ein?

Sehr gut. Trotz des bestehenden Personalnotstandes ist es in monatelanger Kleinarbeit gelungen, den mutmaßlichen Drogenboss aus den Verkehr zu ziehen.

Was bedeuten die Festnahmen für das organisierte Verbrechen, wie wird es weitergehen?

Die Festnahme ist ein empfindlicher Schlag gegen die organisierte Kriminalität im Land, allerdings bleibt der Drogen-Markt wegen der Nachfrage bestehen. Das Vakuum wird deshalb gefüllt werden.

Woher haben Sie Ihr Wissen über diese kriminellen Strukturen?

Eine konkrete Quelle werde ich natürlich nicht nennen. Da ich aber seit 1991 Polizeireporter bei der Volksstimme bin, konnte ich mir in Gesprächen mit Ermittlern und Fahndern ein gutes Bild von der Entwicklung machen.

Gibt es solche Strukturen auch in anderen Städten Sachsen-Anhalts?

Zumindest sind mir keine konkreten Fälle aktuell bekannt.

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Quelle: MDR/aso

Dieses Thema im Programm: MDR S-ANHALT | MDR SACHSEN-ANHALT | 24. Juni 2019 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Juni 2019, 05:18 Uhr

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20 Kommentare

27.06.2019 11:38 B 20

Das was da steht bezieht sich nicht auf Abd M.
Es ist Rufmord was ihr da über ihn geschrieben habt !
Er wurde nicht da verhaftet ihr habt zwar 4 Personen festgenommen aber Abd M. wurde nicht in irgendeiner Wohnung und auch nicht mit 2 Messer und Drogen verhaftet
Er hat nichts damit zu tun und das wisst ihr!

26.06.2019 19:42 Keine Angst, die wollen nur spielen 19

@ 16 Denkschnecke
"OK, aber wohin schieben wir festgenommene Magdeburger Dorgenhändler ab?"
...............................................
Die steckt man dann am besten in die dann leeren Knäste. Noch Fragen?

26.06.2019 17:50 Bernd L. 18

MDR-Moderation 13:
Doch ist es, denn wenn die Täter nicht ins Land gelassen werden, können sie bei uns auch keine Verbrechen verüben. Also nochmal meine Frage: Weshalb dulden wir ausländische Mitglieder krimineller Gruppen in unserem Land?
Denkschnecke 16:
Immer wieder dieser absurde Vergleich. Ich versuche es mal so: Wenn ein Familienangehöriger ein Straftat begeht, muss man in der Familie darauf reagieren, wenn ein Gast eine begeht, dann wirft ihn der Hausherr raus.

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:
Dazu haben wir Informationen - und das liegt auch in der Hand der Politiker.

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