Ehrenamtliche Helfer Fahrdienst, Pflege, Festivals: Wo die Johanniter im Alltag helfen

Sachsen-Anhalts ehrenamtliche Helfer leisten viel für die Gesellschaft. Aufmerksamkeit bekommen sie dafür nur selten. In einer Serie stellt MDR SACHSEN-ANHALT fünf Helferinnen und Helfer vor. In Teil 5 geht es um die Johanniter. Sie helfen in fast jeder Lebenslage. So unterschiedlich wie die Einsätze sind auch die Erfahrungen der ehrenamtlichen Retter in Magdeburg.

Nicole Franz
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

von Nicole Franz, MDR SACHSEN-ANHALT

Es ist Donnerstagabend, 18:06 Uhr. Sechs Minuten später als geplant beginnt der Dienstabend der Johanniter Unfallhilfe in Magdeburg. Alle zwei Wochen treffen sich die Ehrenamtlichen im Schulungsraum der Wache. Dort werden die Grundlagen wiederholt, also zum Beispiel, wie man die Funkgeräte benutzt, wie man Erste Hilfe leistet oder wie man die Einsatzfahrzeuge fährt.

Facettenreiche Nebentätigkeit

All das Wissen hat Stephan Diere in seinen elf Jahren bei den Johannitern schon benötigt. Zum Beispiel vergangenes Jahr, als die Elbe so niedriges Wasser hatte, dass im Flussbett alte Weltkriegsbomben gefunden wurden. Um diese zu entschärfen, musste die Umgebung weiträumig evakuiert werden.

Daran beteiligten sich die Ehrenamtlichen des Johanniter-Katastrophenschutzes. Sie brachten Personen in Sicherheit, die sich nicht selbständig aus der Gefahrenzone bringen konnten, etwa Alte oder Kranke. Waren die Personen zudem pflegebedürftig oder benötigten medizinische Hilfe, kümmerten sich die ehrenamtlichen Helfer auch darum. Nach der Entschärfung der Bombe durch ein Spezialteam brachten die Johanniter die Patienten zurück in ihre Wohnungen.

Einsatz bei Konzerten, Festivals und Sportfesten

Das war einer der seltenen Einsätze im Katastrophenschutz, welche die Ehrenamtlichen in Magdeburg leisteten. Viel häufiger sind hingegen sogenannte Sanitätsdienste. Die werden meist bei Messen, Konzerten und Festivals benötigt, aber auch bei kleineren Veranstaltungen wie Sportfesten. Die Sanitäter kümmern sich dann darum, Verletzte zu versorgen und für sie da zu sein, bis der Rettungsdienst kommt.

Johanniter Unfallhilfe in Magdeburg
Stephan Diere ist seit elf Jahren ehrenamtlich bei den Johannitern. Bildrechte: MDR/ Nicole Franz

Auch wenn das Ehrenamt ihm viel abverlangt, macht Stephan Diere seine Arbeit gerne. "Es ist ein befriedigendes Gefühl, dass man weiß, man hat etwas Sinnvolles getan", sagt er. Er selbst ist seit 2008 bei den Johannitern. Ursprünglich kam er als Wehrdienstverweigerer zu dem Verein, blieb dann aber, weil es ihm so gut gefiel. Besonders schätzt er die Gemeinschaft und dass alle das gleiche Ziel antreibt: Menschen zu helfen. Zudem lernte er medizinisch viel dazu. Hauptberuflich arbeitet Diere jedoch in einem ganz anderen Bereich: bei der Agentur für Arbeit.

Vielfältige Aufgaben

Auch wenn der größere Teil der Mitarbeiter in Magdeburg Männer sind, gibt es auch engagierte Frauen. So zum Beispiel Isabell Mund: Die 20-Jährige ist seit anderthalb Jahren dabei. Zuvor hat sie sich jedoch schon zehn Jahre bei der Freiwilligen Feuerwehr in ihrem Heimatort engagiert. Zu den Johannitern kam sie durch einen Studienkollegen.

Johanniter Unfallhilfe in Magdeburg
Bis zu zwölf Stunden pro Tag half Isabell Mund bei einem Festival. Bildrechte: MDR/ Nicole Franz

Bei den Johannitern erfüllt Mund verschiedenste Aufgaben, von der Leitung von Dienstabenden über die Ausgabe von Dienstkleidung bis zu Sanitätsdiensten. Letztere macht sie besonders gerne. Dabei hat sie zum Teil sogar überregionale Einsätze: Ihr persönliches Highlight war dieses Jahr das Deichbrandfestival in Cuxhaven. Gemeinsam mit weiteren ehrenamtlichen Sanitätern hat sie dort drei Tage lang je 12 Stunden gearbeitet.

Die meiste Zeit davon verbrachte sie im Sanitätszelt und kümmerte sich um Patienten. Die Fälle konnten unterschiedlicher nicht sein: von Kreislauf-Zusammenbruch über Verletzungen am Fuß durch Glasscherben bis zu Alkoholmissbrauch. Aber gerade diese vielfältigen Aufgaben machen für Isabell Mund den Reiz aus.

Dankbarkeit keine Selbstverständlichkeit

Bei solchen Festen, bei denen Mund Patienten direkt helfen kann, erlebt sie viel Dankbarkeit. Aber das ist nicht immer so. "Wenn man halt zum Beispiel mit seinem Auto, mit seiner Trage irgendwo im Weg steht, jemandem den Weg blockiert, dann erlebt man natürlich auch sehr viel Hass und Ablehnung. Weil die Menschen wollen genau da durch, aber du bist jetzt eben da und hilfst einem anderen Menschen, das verstehen sehr viele nicht."

Trotz allem verwendet sie gerne Zeit für ihr Ehrenamt, denn sie bekommt auch viel zurück. Besonders die Gemeinschaft weiß sie sehr zu schätzen. Mit den Kameraden sei es immer lustig, so Mund. Diese Gemeinschaft zeigt sich auch nach dem Dienstabend, dann sitzen die Ehrenamtlichen, viele von ihnen Freunde, beisammen, essen und reden.

Nicole Franz
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Über die Autorin Seit August 2019 ist Nicole Franz im Rahmen eines Praktikums beim MDR SACHSEN-ANHALT. Währenddessen hat sie vor allem die Beitragsserie zum "Gemeinwohlatlas" fürs Radio und für die Website umgesetzt. Gebürtig kommt Nicole Franz aus Würzburg, lebt aber seit zwei Jahren in Leipzig. Ihre ersten Erfahrungen in Sachsen-Anhalt gefallen ihr sehr gut: "Ich gehe gerne an der Elbe spazieren oder esse ein Eis in der Magdeburger Innenstadt". Durch ihre Beitragsserie konnte sie auch weitere Teile Sachsen-Anhalts kennenlernen, unter anderem den Harz, die Altmark und den Saalekreis.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 18. Oktober 2019 | 10:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2019, 10:59 Uhr

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