"Eine Stadt für alle" Magdeburg gedenkt digital und vor Ort der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg

Auch in Zeiten von Corona wird mit der Aktionswoche "Eine Stadt für alle" an die Zerstörung Magdeburgs vor 76 Jahren erinnert. Das traditionelle Singen auf dem Marktplatz findet in diesem Jahr aber nur online statt.

"Eine Stadt für alle" – damit wird auch in diesem Jahr an die Zerstörung Magdeburgs im Zweiten Weltkrieg am 16. Januar 1945 erinnert. Das Ganze ist von der Initiative "Weltoffenes Magdeburg" organisiert worden. Die Initiative hat es sich zum Ziel gemacht, für ein friedliches Magdeburg einzutreten.

In der Aktionswoche will sie auf verschiedenen Missstände eingehen. "Uns ist es wichtig, dass wir darstellen und Menschen dazu einladen, für etwas einzutreten", erklärt Birgit Bursee von der Initiative "Weltoffenes Magdeburg". Insgesamt unterstützen knapp 100 Vereine, Verbände und Organisationen die Initiative seit ihrer Gründung im Jahr 2018. In den Jahren zuvor haben ähnliche Aktionen auf der sogenannten "Meile der Demokratie" stattgefunden und auch damals schon Tausende Leute Jahr für Jahr angezogen.

Viele digitale Aktionen in diesem Jahr

Lange Zeit war unklar, ob es überhaupt eine Aktionswoche in diesem Jahr geben kann. Unter Auflagen ist das jetzt aber möglich. So werden einige Veranstaltungen, wie zum Beispiel das traditionelle Singen auf dem Alten Markt, in diesem Jahr nur im Livestream stattfinden.

Oberbürgermeister Lutz Trümper war 2020 Schirmherr für "Eine Stadt für alle" in Magdeburg.
Oberbürgermeister Lutz Trümper war 2020 Schirmherr für "Eine Stadt für alle" in Magdeburg. (Archivbild) Bildrechte: Eine Stadt für alle/Wenzel Oschington

Für Birgit Bursee von der Initiative "Weltoffenes Magdeburg" ist es wichtig, dass dieses historische Datum präsent bleibt und nicht von rechten Kräften vereinnahmt wird. "Das ist für viele Menschen in Magdeburg etwas, das in der Stadtgeschichte und in der Familiengeschichte nachwirkt", erklärt Bursee.

Die Veranstalter fordern alle Magdeburgerinnen und Magdeburger auf, "ein deutliches Signal für Weltoffenheit, Demokratie und Toleranz zu senden". Dazu wird die Auftaktveranstaltung mit den Grußworten von Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper im Livestream auf verschiedenen Kanälen zu sehen sein. Für ein gemeinsames Singen sind die Liedtexte online abrufbar.

Gedenkfeiern und Mahnwachen vor Ort

Neben dem gemeinsamen digitalen Singen finden in diesem Jahr trotz Corona viele Gedenkfeiern und Mahnwachen in Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt statt. "Die Mahnwachen und Gedenkzeiten haben genug Raum, sodass da alle Interessierten ausreichend Abstand halten können", erklärt Birgit Bursee. Für die angekündigten Demos ruft sie dazu auf, sich an die Abstandsgebote und Maskenpflicht zu halten. Auch Lesungen für Kinder und verschiedene Ausstellungen wird es in diesem Jahr geben. Eine Übersicht über alle Termine und Veranstaltungen in der Woche gibt es auf der Homepage der Aktionswoche.

Wem eine Teilnahme vor Ort in diesem Jahr zu unsicher ist, der kann auf digitale Angebote zurückgreifen. "Es ist genauso ein Zeichen, wenn man den Auftakt im Livestream verfolgt und seine Zustimmung in sozialen Netzwerken abgibt und die Veranstaltung unterstützt, auch wenn man das dieses Mal lieber mit Abstand tun möchte", meint Bursee. Über den folgenden Link geht es zum Livestream der diesjährigen Auftaktveranstaltung:

Aktionen von der Zerstörung Magdeburgs bis zum Auschwitz-Gedenktag

Bereits seit zwei Jahren gibt es in Magdeburg jährlich eine Aktionswoche zu der Zerstörung Magdeburgs. Damit wollen die Veranstalter um Birgit Bursee eine breitere Form von Veranstaltungen ermöglichen und für mehr Flexibilität im Umgang mit dem Thema sorgen.

Eine große Menge Menschen singt vor dem Rathaus in Magdeburg für eine weltoffene Stadt.
Bildrechte: Eine Stadt für alle/Wenzel Oschington

Die Aktionswoche geht dabei immer bis zum 27. Januar – dem Tag, an dem im Jahr 1945 das Konzentrationslager Auschwitz befreit wurde. "Uns ist natürlich bewusst, dass es auch gerade am 16. Januar 1945 Opfer in der Zivilbevölkerung gab – an die soll natürlich auch erinnert werden", erklärt Bursee. Ihr sei es aber wichtig, dass dies in den richtigen Zusammenhang gestellt wird. "Das war das Ergebnis des Regimes der Nationalsozialisten", ergänzt Bursee.

In den vergangenen Jahren habe es immer wieder Mahnwachen an verschiedenen historischen Plätzen in Magdeburg gegeben, um an die Verbrechen der Nazis zu erinnern. "Bei vielen dieser Mahnwachen wird explizit auf die Gefahren von Extremismus, von Fanatismus, von rechten Ideologien hingewiesen, weil das natürlich erkennbar ist, dass es da auch eine Tradition gibt bei denen, die sich an rechten Demos beteiligen", sagt Bursee.

Gegen rechte Gruppen

Ein junger Mann steht mit einer Atemschutzmaske und einem Schild mit der Aufschrift "Weltoffenes Magdeburg. Meine Stadt für alle" vor einer grünen Tafel.
"Eine Stadt für alle" – das ist die Mission der Initative die seit 2018 die Aktionswoche zum Gedenken an die Zerstörung Magdeburgs organisiert. Bildrechte: Eine Stadt für alle/Wenzel Oschington

In den vergangenen Jahren ist es aus Sicht von Bursee immer wieder vorgekommen, dass viele Neonazis durch die Stadt marschiert sind und die Geschichte anders erzählt haben. "Ursache und Wirkung der Zerstörung wurden nicht so ganz in den richtigen Zusammenhang gebracht und das haben sie für ihre menschenfeindliche Propaganda genutzt", erklärt sie.

Für Bursee ist es gerade in der aktuellen Situation mit Corona wichtig zu zeigen, dass Aggressionen und Gewalt keine Lösung seien – auch wenn bei vielen aus verschiedenen Gründen die Nerven blank lägen. "Jede und jeder soll sich in Magdeburg wohlfühlen können, soll keine Angst haben müssen vor Diskriminierung, Ausgrenzung, Pöbeleien, Gewalt auf offener Straße", fordert sie.

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Quelle: MDR/pow,ls

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 15. Januar 2021 | 08:30 Uhr

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