Windanlagen-Hersteller Enercon: Fragen und Antworten zum Stellenabbau

Der angekündigte Stellenabbau und Werk-Schließungen beim Windanlagen-Hersteller Enercon in Magdeburg trafen Belegschaft und Politik überraschend. Fragen und Antworten dazu, wie Politik und Gewerkschaft auf die Maßnahmen reagieren wollen und wie es jetzt weitergeht.

Schriftzug am Unternehmenssitz der Enercon GmbH in Magdeburg
Bildrechte: imago/Torsten Leukert

Wie viele Stellen sind betroffen und welche Betriebe sollen schließen?

Am härtesten ist von den Maßnahmen bei Enercon der Standort Magdeburg betroffen. Hier sollen bis zu 1.600 Stellen abgebaut werden. Deutschlandweit sollen knapp 3.000 Stellen gestrichen werden, wie aus Branchenkreisen zu hören ist. Betroffen sind in Magdeburg laut Enercon:

  • Rothenseer Rotorblattfertigung: 402 Mitarbeiter, der Betrieb soll nach Informationen der Gewerkschaft IG Metall geschlossen werden
  • Groß-Rotorblattfertigung: 475 Mitarbeiter, auch dieser Betrieb soll nach Informationen von IG Metall geschlossen werden
  • Rothenseer Generatorenfertigung: 110 Mitarbeiter
  • Zentrale Verwaltung: 40 Mitarbeiter
  • 600 Leiharbeiter


Welche Gründe nennt Enercon?

Das Windkraft-Unternehmen begründet den geplanten Stellenabbau mit dem drastischen Einbruch des Windenergiemarktes. Obwohl man die Entscheidung bedauere, sei sie alternativlos, wie die Firma mitteilte.


Was will das Land tun?

Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) setzt auf Gespräche mit Enercon. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT, man müsse erst einmal die Situation und die geplante Umstrukturierung erfassen. Konkret könne man neben den Gesprächen aber wenig tun – finanzielle Hilfen für die Windenergie, wie sie schon für die Braunkohleregionen geplant sind, seien nicht möglich. "Wir haben kaum unmittelbare Eingriffsmöglichkeiten", so der Wirtschaftsminister. Allerdings könnte man weiterhin Hilfe über Forschungs- und Entwicklungsförderungen leisten. Dort hätte sich Willingmann mehr Anfragen von Seiten Enercons gewünscht.

Nach dem angekündigten Stellenabbau kam es zu einem Treffen zwischen Enercon-Chef Hans-Dieter Kettwig, Armin Willingman, seinem niedersächsischen Kollegen Bernd Althusmann (CDU) und dem Ministerpräsidenten von Niedersachen, Stephan Weil (SPD), in Hannover. Enercon hielt dabei an den geplanten Stellenstreichungen fest: Mögliche Hilfen der Bundesregierung gegen den Stellenabbau kämen bereits zu spät. Es soll in den kommenden Wochen weitere Krisengespräche geben.


Wie reagiert die Stadt Magdeburg?

Mit insgesamt 1.600 Stellen, die in Magdeburg wegfallen sollen, wäre die Landeshauptstadt von der geplanten Maßnahme am stärksten betroffen. Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) sieht Gründe für die Entscheidung auch bei Verfehlungen der Bundesregierung. Was in Berlin "verzapft" wurde, sei "politisch eine ganz große Katastrophe", so Trümper gegenüber MDR SACHSEN-ANHALT. Er fordert Hilfe vom Bund und plädiert dazu, Magdeburg nicht hängen zu lassen. Der Rathauschef kündigte an, dass sich die Stadt erkundigen wolle, wie den Mitarbeitern geholfen werden kann. Dazu sollen auch Gespräche mit dem Jobcenter und der Arbeitsagentur geführt werden.


Was fordert die Gewerkschaft?

Axel Weber von der IG-Metall Magdeburg-Schönebeck sieht die Schuld auch beim Unternehmen selbst. Gegenüber dem MDR sagte er, Enercon beklage zwar Probleme bei den Zulieferern, dabei handele es sich jedoch um Tochterfirmen des Windanlagen-Herstellers. Die Gewerkschaft sieht den Konzern in der Pflicht, Konzepte mit den betroffenen Unternehmen zu entwickeln, um so viel Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten. Falls das nicht gelinge, fordert die IG Metall, die Tochtergesellschaften soweit mit finanziellen Mitteln auszustatten, dass Sozialmaßnahmen und entsprechende Abfindungen finanziert werden können.


Wie steht es um die Windenergie im Land?

Seit Jahren gehen in Sachsen-Anhalt immer weniger Winkraftanlagen ans Netz. Zwischen 2015 und 2018 wurden insgesamt 233 Windenergieanlagen neu gebaut. Im ersten Halbjahr 2019 waren es nur noch lediglich 17 Anlagen. Nach Angaben des Bundesverbandes Windenergie seien es vor allem die komplexen Genehmigungsprozesse, die für den schwächelnden Windenergieausbau verantwortlich seien. Auch Wirtschaftsminister Willingmann und Oberbürgermeister Trümper sehen darin die Gründe für die stagnierende Windenergiebranche.

Das Unternehmen Enercon

Der deutschlandweit größte Windernergieanlagen-Hersteller Enercon wurde im Jahr 1984 gegründet. Seinen Hauptsitz hat das Unternehmen im niedersächsischen Aurich. Im Jahr 1998 baute Enercon einen Produktionsstandort in Magdeburg auf, 2001 folgte eine neue Fertigungsanlage in Magdeburg-Rothensee. Zu Hochzeiten beschäftigte das Unternehmen 5.000 Menschen am Standort Magdeburg. 2009 nahm Enercon ein Wasserkraftwerk in Raguhn im Landkreis Anhalt-Bitterfeld in Betrieb.

Insgesamt hat Enercon weltweit 45 Service-Gesellschaften, mit mehr 20.000 Mitarbeitern.

Quelle: MDR/fl

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 11. November 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. November 2019, 04:04 Uhr

8 Kommentare

Rain Man vor 4 Wochen

Lärm von Windrädern macht krank, das hat erst vor kurzem die Weltgesundheitsorganisation WHO festgestellt. Das interessiert die Windkraftindustrie natürlich herzlich wenig, also möchte man die lärmenden Windradmonster noch näher an Wohnsiedlungen heranrücken, um noch mehr Milliarden zu scheffeln. Die Rechnung bezahlt der Bürger: Durch massive Lärmbelästigungen und noch höhere Strompreise!

Wenzel vor 4 Wochen

Upps! Sprudeln die staatlichen Subventionen nicht mehr? Steuern wurden eh in Aurich entrichtet? Clever das ganze Unternehmen in kleine GmbHs auszulagern? Spart den Betriebsrat? Und wenn doch mal einer aufmuckte ... gleich rausgeschmissen? Super erneuerbare Energien ... haben sich an Subventionen eine Goldene Nase verdient und machen sich jetzt vom Acker? Wir bezahlen das alles mit der allerneusten Stromsteuer? Ekelhaft? Ich habe keine Fragen mehr?

MD77 vor 4 Wochen

Sollte...Sollte...

Ich empfehle mal nach den Panoramabericht über die Enerconfirmenstruktur zu googeln. ;)

Viel Glück damit bei Firmen mit Sitz im Ausland inländisches Recht anzuwenden.

Vom Sessel lässt sich ganz wunderbar über die Fähigkeiten anderer Leute lästern, aber nur mal so als Denkanstoß, diese Firmenstruktur hat sicher auch kein Jurastudent im ersten Semester geschaffen.

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