Ausbleibende Aufträge Nächster Enercon-Zulieferer aus Magdeburg baut Stellen ab

Kevin Poweska
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Weil die Aufträge von Windradhersteller Enercon fehlen, baut SAM Magdeburg Stellen ab. Der Markt für Windenergie steckt seit 2018 in der Krise. Die Probleme bei SAM sind teils aber hausgemacht, sagt das Wirtschaftsministerium.

Auszubildender beim Schweißen
Enercon Zulieferer SAM Magdeburg muss sich durch ausbleibende Aufträge neu ausrichten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Beim Stahlturm- und Apparaturbauer SAM in Magdeburg werden insgesamt 120 Stellen gestrichen. Das erklärte Geschäftsführer Frank Goerke MDR SACHSEN-ANHALT. Insgesamt arbeiten bei dem Enercon-Zulieferer gut 400 Menschen.

"Hintergrund sind reduzierte Aufträge von dem Windenergie-Anlagenhersteller Enercon, dem Hauptauftraggeber der SAM", sagt Goerke. Aus seiner Sicht sei der deutsche Markt für erneuerbare Energien in den letzten Jahren massiv eingebrochen. "Entsprechend negativ wirkt sich die Marktflaute auch auf uns aus. Eine Besserung der Auftragslage ist auch für die kommenden Jahre nicht in Sicht, so dass wir uns nun auf andere Branchen fokussieren", so Goerke. Zudem würde die Corona-Pandemie die Auftragssituation belasten.

Mit weniger Mitarbeitern wäre das Unternehmen zum einen in der Lage, die Kosten zu reduzieren und auch mit weniger Aufträgen wirtschaftlich zu handeln. Auch eine neue Ausrichtung soll laut Geschäftsführer Goerke helfen: Im kleinen Rahmen sei das Unternehmen aktuell im Bereich des Brückenbau tätig. Dies wolle man nun ausbauen. Bisher bekam SAM seine Aufträge fast ausschließlich von Enercon.

Enercon reduziert Auftragsvolumen in Deutschland

Schriftzug am Unternehmenssitz der Enercon GmbH in Magdeburg
Bildrechte: imago/Torsten Leukert

"SAM Magdeburg ist ein eigenständiges Unternehmen, was nicht zur Enercon-Gruppe gehört", erklärt Enercon-Pressesprecher Felix Rehwald. Die Zusammenarbeit werde in einem geringeren Umfang weiter bestehen bleiben. "Aber nicht mehr in dem Maße wie zu Hochphasen des deutschen Marktes", sagt Rehwald. Ein Grund seien die nicht mehr vorhandenen Möglichkeiten für Windenergie in Deutschland. Enercon muss Rehwald zufolge nun kostengünstiger produzieren. Außerdem würden einige Länder Vorschriften zur Produktion machen. "In manchen Märkten müssen wir vor Ort produzieren, weil der Staat entsprechende Vorgaben macht", erklärt der Pressesprecher.

Am Standort Magdeburg soll laut Rehwald langfristig ein Generator-Kompetenzzentrum etabliert werden. Dabei wolle der Windenergie-Anlagenhersteller auch weiterhin mit den bisherigen Partnern zusammenarbeiten.

Der aktuelle Wandel von Enercon

Enercon sei gerade dabei die Wertschöpfungskette international aufzustellen, sagt Pressesprecher Rehwald. "Deswegen kommt es bei den Produktionspartnern zu einer Anpassung des Auftragsvolums", erklärt Rehwald. In Deutschland werde sich das Unternehmen auf Generatoren, Maschinenhäuser und E-Technik konzentrieren. Der Windanlagenhersteller mit Hauptsitz im niedersächsischen Aurich wolle sich nun "auf das Kerngeschäft Entwicklung und Vertrieb von Onshore-Windenergieanlagen sowie damit unmittelbar zusammenhängende Bereiche" konzentrieren. Dies bedeute aber auch, dass sich Enercon von Geschäftsfeldern, die nicht zum Kerngeschäft gehören, trennen wird.

Wirtschaftsministerium sieht auch hausgemachte Probleme

Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums von Sachsen-Anhalt erklärt, dass Stellenstreichungen, wie jetzt bei SAM in Magdeburg, auch ein Ergebnis der speziellen Unternehmensstruktur bei Enercon seien. Die Enercon-Zulieferer würden ausschließlich Produkte, Komponenten und Leistungen für Enercon erbringen und damit die wirtschaftliche Eigenständigkeit zum großen Teil aufgeben. "Und somit letztendlich auch die Fähigkeit, sich dem freien Wettbewerb stellen zu können", heißt es von Seiten des Ministeriums. Somit seien die Probleme zum Teil hausgemacht.

Auch sei man sich bewusst, dass der deutsche Markt für Windenergieanlagen in der Krise steckt. Diese Situation hätte sich auch aus Sicht des Ministeriums seit knapp drei Jahren immer weiter verschärft.

Gewerkschaft: Schwierige Situation mit Enercon-Betrieben

Mitarbeiter der IG Metall streiken
Streiks durch die Gewerkschafts waren bei SAM Mgadbeurg bisher kein Thema. Bislang gab es keinen Kontakt zwischen Mitarbeitern und Gewerkschaft. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Neben dem Wirtschaftsministerium sieht auch die Gewerkschaft IG Metall die Situation bei Enercon-Zulieferern als schwierig an. Gerade bei SAM in Magdeburg hätte die Gewerkschaft keinen wirklichen Kontaktpartner gehabt, meint Axel Weber von der Geschäftsführung der IG Metall Magdeburg-Schönebeck.

Als einziges Enercon-Unternehmen hätte die WEC Turmbau Magdeburg versucht, etwas mit der IG Metall aufzubauen. Die Firma musste allerdings Mitte 2020 schließen. Dank der IG Metall sei das Ende jedoch wesentlich sozialverträglicher als es ohne gewesen wäre, meint Weber.

Andere Betriebsräte wünschen sich, dass wir dabei sind – bei Enercon-Betriebsräten werden wir außen vor gelassen.

Axel Weber, IG Metall Magdeburg-Schönebeck

Plötzlich Kontakt zur IG Metall

Laut Weber hat sich seit vergangener Woche die Situation rund um SAM Magdeburg geändert. Es gebe plötzlich den Wunsch sich zusammenzusetzen, um zu schauen, inwieweit den Beschäftigten geholfen werden könne. Durch die aktuelle wirtschaftliche Situation des Betriebs seien wohl einige Mitarbeiter aufgewacht.

Kevin Poweska
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Über den Autor Kevin Poweska arbeitet trimedial im Funkhaus von MDR SACHSEN-ANHALT. Aktuell ist er im sechsten Semester seines Bachelor-Studiengangs Journalismus an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Während seines Studiums absolvierte er bereits ein Praktikum bei der Braunschweiger Zeitung. In seiner Freizeit ist Kevin gerne sportlich aktiv: Seine Hauptambitionen liegen in den Sportarten Basketball, Tennis und Fußball – aber auch da probiert er sich gerne immer wieder neu aus. Zudem ist er journalistisch sportlich voll dabei: Kevin führt einen Blog zu den Deutschen Tennisherren und steht dabei mit den Spielern für Postgame-Interviews in regem Kontakt.

Quelle: MDR/pow

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 26. November 2020 | 09:30 Uhr

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