Europaweite Ermittlungen Dank Polizisten aus Sachsen-Anhalt: Schlag gegen Planenschlitzer in Polen

Planenschlitzer agieren nachts entlang der Autobahnen. Wenn LKW-Fahrer schlafen, schlitzen sie Planen auf und stehlen die Ladung von den Lastern. So entstehen jedes Jahr in Europa Schäden in Milliardenhöhe. Der Polizei ist in dieser Woche ein Schlag gegen eine international agierende Gruppe gelungen. Das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt unterstützt die Ermittlungen.

Annette Schneider-Solis
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

von Annette Schneider-Solis, MDR SACHSEN-ANHALT

Früh um sechs Uhr am Dienstag klickten an verschiedenen Orten um Gorzów Wielkopolski, an der deutsch-polnischen Grenze die Handschellen. Zwei Stunden zuvor hatte die konzertierte Aktion der polnischen Polizei gegen verdächtige Planenschlitzer begonnen. Unterstützt wurde der Schlag gegen das organisierte Verbrechen vom Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt (LKA). Vorangegangen waren monatelange Ermittlungen durch die Projektgruppe CARGO. Die Fäden des EU-geförderten Projekts gegen europaweit agierende Planenschlitzer laufen im LKA Sachsen-Anhalt zusammen.

Planen in Dänemark, Tschechien und Deutschland aufgeschlitzt

Auch die in dieser Woche festgenommenen Verdächtigen waren in mehreren Ländern unterwegs. Ihnen werden 76 Straftaten zur Last gelegt – in Dänemark, Tschechien und Deutschland. 40 Straftaten sollen sie allein an Autobahnen in Deutschland begangen haben, informiert LKA-Sprecher Michael Klocke, der die Aktion in Polen begleitete.

Abzeichen der polnischen Polizei
Auch durch die Zusammenarbeit mit der polnischen Polizei gelang der Schlag gegen die Planenschlitzer. Bildrechte: Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt

Dieser erneute Schlag gegen das organisierte Verbrechen richtete sich gegen eine neue Tätergruppe, der die polnische Polizei auf die Spur gekommen war. Die Erkenntnisse der Ermittler wurden in Magdeburg abgeglichen. Unter anderem war das festgestellte Diebesgut in Gorzów Wielkopolski und Umgebung mit der Datenbank im LKA Sachsen-Anhalt abgeglichen worden. Magdeburger Polizisten unterstützen auch die Vollstreckung von Haftbefehlen in dieser Woche.

Planenschlitzer agierten mal auf Verdacht, mal gezielt

Die nun festgenommenen Verdächtigen sollen selbst als Planenschlitzer in Europa unterwegs gewesen sein. Sie bestritten ihren Lebensunterhalt, indem sie auf Parkplätzen in LKW eindrangen und Ladung stahlen. Fünf Verdächtige saßen bereits in Haft, die anderen wurden am frühen Dienstagmorgen durch polnische Spezialkräfte aus dem Bett geholt. Allen können durch die Ermittlungen der Projektgruppe CARGO Straftaten zugeordnet werden.

"Ladungsdiebstahl ist der organisierten Kriminalität zuzuordnen", weiß LKA-Sprecher Michael Klocke. "Die Täter agieren unterschiedlich. Mal schlitzen sie auf Verdacht parkende LKW auf, mal kundschaften sie Speditionsunternehmen aus und arbeiten zielgerichtet und auf Bestellung."

Nach Ermittlungserfolgen: Taten in Deutschland rückläufig

Gestohlen wird alles, was nicht niet- und nagelfest ist und sich zu Geld machen lässt. Das Geschäft ist durchaus lukrativ: eine LKW-Ladung von Smartphones ist Millionen wert. Erst am vergangenen Freitag wurde ein Fall in Uhrsleben bekannt, bei dem in dieser Woche mehrere Fernseher gestohlen wurden. Im Dezember wurde auf einem Parkplatz an der A2 bei Theeßen ein LKW mit Parfüm leergeräumt. Der Schaden allein dort: 2,1 Millionen Euro.

Europaweit gehen die Schäden durch Ladungsdiebstahl in die Milliarden. Aus diesem Grund wurde zum 1. Juli 2018 die Projektgruppe CARGO gegründet. Ermittler aus ganz Europa bündeln so ihre Kräfte. Koordiniert wird die Gruppe von Magdeburg aus. Hier laufen alle Fälle in einer Datenbank zusammen, werden Erkenntnisse gesammelt und Einsätze koordiniert.

Nach mehreren Ermittlungserfolgen sind die Taten in Deutschland zurückgegangen. Die Täter sind allerdings in andere Länder ausgewichen.

Annette Schneider-Solis
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über die Autorin Annette Schneider-Solis arbeitet seit Mai 1994 für den MDR. Sie ist vor allem als Reporterin für Fernsehen, Hörfunk und Online im Land unterwegs. Ihre Themenpalette ist breit. Annette Schneider-Solis ist in Magdeburg geboren, hat in der Nähe von Stendal Zootechnikerin gelernt, das Abi an der Abendschule gemacht und in Leipzig Journalistik studiert. Seit 1985 arbeitet sie als Journalistin, seit 1994 als Freie, vor allem für den MDR, aber auch für die dpa und ab und zu für verschiedene Zeitungen. Lieblingsorte in Magdeburg hat sie viele - dazu gehören der Stadtpark und der Möllenvogteigarten in Magdeburg und die ländlichen Regionen. Vor allem das weite Grünland in der Altmark und die Felder in der Börde.

Quelle: MDR/sp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 17. Januar 2020 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2020, 17:37 Uhr

4 Kommentare

part vor 11 Wochen

Viel schwerer wiegt der Umstand, das viele Fahrer die in ihrem Fahrzeug schlafen gar nicht merken, wenn ihnen die Ladung vom Anhänger gezogen wird, obwohl das reine Aufschitzen keine großen Erschütterungen verursachen dürfte, wohl aber der Abtransport der Ware. Überlange Fahrzeiten, Aufputschmittel + Schlafmittel, manchmal auch Alkohol oder vielleicht Mitbeteiligung, vieles ist möglich und erschreckend zugleich.

Stealer vor 11 Wochen

In diesem Artikel über den Fahndungserfolg gegen polnische Planenschlitzer eine Karte aus dem Zweiten Weltkrieg mit dem vom Dritten Reich und der Sowjetunion besetzten Polen und Deportationen aus dem Ostteil mit der Unterschrift "Gegen Planenschlitzer arbeiten Ermittler in mehreren EU-Ländern zusammen." zu zeigen, gehört gewiss nicht zu den Meisterleistungen journalistischer Sorgfalt.

Immen weiter verdrehen bis es passt vor 11 Wochen

Was ist dabei? nichts
Wichtiger ist es, das man die Polen gefangen hat.

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