Viel Verkehr wegen Elterntaxis Diskussion um Fahrradverbot an Magdeburger Grundschule

Eine Grundschule in Magdeburg empfahl ihren Erstklässlern, nicht mehr mit dem Fahrrad zur Schule zu kommen. Das "Fahrradverbot" schlug medial hohe Wellen. Das Landesschulamt sagt, ein solches Verbot gebe es gar nicht.

Junge Frau lächelt in Kamera
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

von Vera Siebnich, MDR SACHSEN-ANHALT

Ein Hinweisschild einer Grundschule bei Dunkelheit
Die Grundschule "Am Grenzweg" in Magdeburg empfiehlt Eltern von Erstklässlern, ihre Kinder nicht mehr mit dem Fahrrad zur Schule zu schicken. Bildrechte: MDR/Daniel Tautz

Die Nachricht hatte für Aufsehen gesorgt: Die Schulleitung, Lehrer und Elternvertreter der Grundschule "Am Grenzweg" in Magdeburg empfahlen Eltern von Erstklässlern, ihre Kinder nicht mehr mit dem Fahrrad zur Schule zu schicken. Grund sei die unübersichtliche Verkehrssituation durch "Elterntaxis" – also Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen.

Die Grundschule selbst will sich nicht mehr dazu äußern. Ein Fahrradfahrverbot gebe es nicht, stellte das zuständige Landesschulamt klar. "Es steht daher in der individuellen Verantwortung der Eltern, ob sie es zulassen, dass ihre Kinder mit dem Fahrrad den Schulweg bewältigen", teilte es auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT mit. Aber der Fall schlug schnell hohe mediale Wellen.

Elterntaxis zu verbieten, ist schwierig

Das Hauptproblem für die Kinder sei dabei die unübersichtliche Verkehrslage rund um die Schule, so das Landesschulamt. Auf dem Grenzweg, der Hauptzufahrtsstraße, gibt es keine Gehwege: Es gibt gleichrangige Straßen und Anwohner parken auf beiden Seiten des Hauptzufahrtsweges zum Schulgelände. Kinder, die "oft noch nicht so souverän im Verkehr unterwegs sind", könnten sich in der Straße nicht absolut sicher bewegen, sagt das Landesschulamt.

Elterntaxis komplett verbieten kann die Behörde laut eigener Aussage aber nicht, denn die Zufahrt zur Schule liege im öffentlichen Verkehrsraum der Stadt Magdeburg. "Zufahrtsbeschränkungen oder Halteverbote bedürfen im öffentlichen Verkehrsraum straßenverkehrsbehördliche Anordnungen, für die die Landeshauptstadt Magdeburg zuständig wäre", hieß es vom Landesschulamt.

Die Situation ist teilweise katastrophal

Auch die Stadt Magdeburg kennt das Problem: Beim Ordnungsamt gibt es schon länger Beschwerden über Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen. Dabei sei die Rechtslage eindeutig, sagt der Pressesprecher der Stadt Magdeburg, Michael Reif. Die meisten Grundschulen in Magdeburg lägen näher als zwei Kilometer vom Wohnort der Kinder entfernt. Es sei darüber nachzudenken, ob das Autofahren wirklich notwendig sei. Reif betont, dass es zudem generell wichtig sei, Rücksicht aufeinander zu nehmen.

Schulkinder auf dem Weg zur Schule
Eltern sollten ihr Kind zu Fuß zur Schule bringen, findet eine Mutter. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO

Von den Eltern wird die neue Regelung der Schule unterschiedlich aufgenommen. "Ich finde es schade, weil wir viel mit dem Fahrrad gefahren sind", sagt eine Mutter, deren Kind die erste Klasse besucht. Aber es gibt auch andere Stimmen. Ein Vater kann zwar nicht nachvollziehen, wie die Entscheidung von der Schulleitung begründet wurde. Doch er findet: "Es ist unübersichtlich, wenn die Kinder hier zur Schule kommen. Dann steht man lieber ein Stück weiter weg." Eine andere Mutter schätzt die Situation als teilweise katastrophal ein. Mehr Eltern sollten ihr Kind zu Fuß in die Schule bringen, findet sie. Die Empfehlung gegen das Fahrradfahren findet sie nachvollziehbar, gerade für die Erstklässler. "Dafür sind die Kinder einfach noch zu jung."

Landesschulamt gibt Eltern Empfehlungen für Verkehrssicherheit

Beim Landesschulamt schätzt man die Situation ähnlich ein. Eltern sollten sich fragen, ob das Kind sicher auf dem Fahrrad sei, es die Verkehrsregeln kenne und ob das Rad verkehrssicher sei. Doch auch eine angemessene Ausstattung wie ein Fahrradhelm sei wichtig. Und: Die Eltern müssten den Schulweg mehrfach mit dem Kind üben, auch bei unterschiedlichen Licht- und Witterungsbedingungen. Das deckt sich auch mit der Einschätzung verschiedener Experten.

Am Mittwochmorgen war die Verkehrssituation an der Grundschule übrigens relativ ruhig – die meisten Autos gehörten den anwesenden Reporterteams.


Junge Frau lächelt in Kamera
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über die Autorin Vom Süden Deutschlands über die Schweiz, Franken und Köln zum MDR: Vera Siebnich hat schon sehr viel von Deutschland gesehen. In der letzten Station ihres Volontariats schaut sich die studierte Onlineredakteurin Sachsen-Anhalt genauer an. Bisher kennt sie vor allem die Region Halle, das soll sich nun ändern.

Quelle: MDR/sie

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 15. Januar 2020 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2020, 15:36 Uhr

6 Kommentare

Schenkendorf vor 11 Wochen

Immer diese reißerischen Überschriften auf dem Niveau des Lügenblattes mit vier Buchstaben. Erst wird von Fahrradverbot geredet, das sich bei weiterem Lesen des Artikels, als Empfehlung darstellt. Es ist zu einer Unsitte geworden, selbst die Kindergartenkinder schon mit dem Hausfrauenpanzer, vor die KITA zu karren. Ja keinen Meter zu viel laufen. Dieses Schauspiel erlebe ich jeden morgen vor solch einer Einrichtung, die meiner Wohnung gegenüberliegt. Später haben sich die Sprößlinge an diesen "Service" gewöhnt. Die Folge sind u.a. Übergewicht und Unselbständigkeit. Das Schulamt sollte unablässig Druck auf die Stadt ausüben, die Situation zu ändern. Aber bis der Amtsschimmel in Deutschland reagiert, haben die heutigen Erstklässler vermutlich ihr Abitur gemacht.

part vor 11 Wochen

Einfach nur schlimm die vielen Helikopter- Eltern, die ihren Zöglingen jedes Verantwortungsgefühl abnehmen und dabei noch massiv den normalen Verkehr behindern und erst recht Gefahrensituation vor Schulen schaffen. Früher konnte man mit dem Fahrrad sogar in den Kindergarten fahren, heute sollte dies besser unterbleiben bei den vielen SUV- Fahrern. Auf dem Fuß- oder Radweg sind die Kinder sicher vor dem Schultor herrscht der blanke Terror und manche raffen es einfach nicht...

Normalo vor 11 Wochen

Verstehe sie Aufregung nicht. Die Schule hat empfohlen. Wo ist von ein verbot die Rede?
Interessant wird es wenn etwas passiert. Denn dann wird gefragt warum die Schule nur zulassen konnte...

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