Projekt Freiraumlabor Magdeburg belebt vergessene Fußgängerzone neu

Kevin Poweska
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

In vielen Städten ist sie das Zentrum der Innenstadt – die Fußgängerzone. In Magdeburg jedoch ist sie oft menschenleer. Das Projekt Freiraumlabor soll nun den Nordabschnitt am Breiten Weg attraktiver gestalten.

Die leere Fußgängerzone am Nordabschnitt des Breiten Wegs in Magdeburg
So sieht es normalerweise in der Fußgängerzone im Nordabschnitt des Breiten Wegs in Magdeburg aus. Bildrechte: MDR/Kevin Poweska

Fröhlich kreischende Kinder, knisternde Einkaufstüten, Musik, klirrendes Kleingeld oder ein Gemurmel aus unzähligen Gesprächen. So hört es sich eigentlich in den Innenstädten großer Städte an. In Magdeburg ist das etwas anders. Die Fußgängerzone im Nordabschnitt des Breiten Wegs ist eher ruhig. Manchmal fährt lediglich ein Radfahrer hindurch. Nur vereinzelt gibt es Spaziergänger.

Neue Attraktivität für den Nordabschnitt am Breiten Weg

Ein Projekt soll jetzt helfen, das zu ändern. Unter dem Namen "Freiraumlabor" soll der Nordabschnitt des Breiten Weges ab 12. Juni in den Fokus rücken. Eine, die sich seit Monaten überlegt hat, wie das gelingen kann, ist Gina Maria Mund, Projektleiterin der Firma Meta Architektur. Die Firma hatte den Zuschlag für das ausgeschriebene Projekt erhalten. Sie sagt: "Ich glaube, dass hier eine wirklich städtische Kultur fehlt. Die Gestaltung an Sitzmöglichkeiten und Liegeflächen ist nicht stadtgerecht. Durch so etwas könnte man beispielsweise auch wieder ein junges Publikum anziehen. Wir wollen versuchen genau das mit dem Freiraumlabor zu schaffen." Es gehe darum, den Breiten Weg wieder erlebbar zu gestalten und die Magdeburger neugierig zu stimmen, die einzelnen Programmpunkte auch wirklich wahrzunehmen.

Gina Maria Mund, Projektleiterin des Freiraumlabors vor der offenen Bühne
Gina Maria Mund, Projektleiterin des Freiraumlabors vor der offenen Bühne. Bildrechte: MDR/Kevin Poweska

Ich erhoffe mir, dass die Angebote gut angenommen werden und dass die Magdeburger Lust haben den Stadtraum zu entdecken, mitzuwirken und auch mitzugestalten. Dadurch würde hier die Aufenthaltsqualität gestärkt werden.

Gina Maria Mund, Projektleiterin

Das Programm ist eine Gemeinschaftsarbeit. Alle Magdeburger waren aufgerufen ihre eigenen Vorschläge einzureichen. Insgesamt gingen bei dem Team von Gina Maria Mund etwa 60 Bewerbungen ein. Am Ende haben sich de Organisatoren für 45 Projekte entschieden. Diese werden vom 12. Juni bis 12. Juli im Breiten Weg zusehen sein. Eröffnet wird das Freiraumlabor am Freitag um 11 Uhr am Ratswaagehotel. Danach sollen sich die Kreativen der Stadt im Breiten Weg frei austoben dürfen. Über die Wochen verteilt wird es Konzerte, Aufführungen und auch einen deutsch-chinesischen Nachtmarkt und viele Essensstände geben. Entspannung verspricht ein extra mit Sand angehäufter Stadtstrand in der Nähe des Universitätsplatzes. Dort können die Gäste mit den Füßen im Sand auch Konzerten lauschen.

Die offene Bühne steht allen zur Verfügung
Die offene Bühne steht allen Magdeburgern zur Verfügung. Interessierte müssen sich lediglich vorher anmelden. Bildrechte: MDR/Kevin Poweska

Eine offene Bühne soll ein anderer Dreh- und Angelpunkte werden. „Künstler, Unternehmen aber auch jeder Magdeburger wird die Möglichkeit haben, diese zu nutzen“, erklärt Gina Maria Mund. Egal ob jemand dort Musik spielen oder eine Diskussion anregen will, dort ist das öffentlich möglich. Nötig ist lediglich eine Anmeldung drei Tage im voraus. Alle Informationen zur Anmeldung für die offene Bühne gibt es hier.

Das waren die Kriterien bei der Auswahl der Projekte


Was ist logistisch im Projektbereich möglich aufzustellen bzw. zu errichten?

Was führt zu mehr Aufenthaltsqualität?

Was führt zu einer Belebung des Abschnitts? – Was ist der Nutzen des Projekts?

Was stärkt oder schafft Kommunikationsräume?

Graffitikünstler in der Innenstadt

Der Grafitikünstler Vidam aus Berlin beim sprayen
Der Grafitikünstler Vidam aus Berlin beim Sprayen am Nordabschnitt des Breiten Weges in Magdeburg. Bildrechte: MDR/Kevin Poweska

Bis zum 12. Juli werden auch etliche Künstler nach Magdeburg kommen. Laut Gina Maria Mund werden lokale aber auch internationale Graffitikünstler erwartet, die Wandelemente live vor Ort künstlerisch besprühen. Schon vor der eigentlichen Eröffnung war der Graffitikünstler Vidam aus Berlin nach Magdeburg gekommen und zeigte sein Können. Der 36-jährige freut sich sehr über die Möglichkeit, sein Werk mitten in der Innenstadt, vor Publikum, legal sprayen zu dürfen. "Ich war noch nie vorher in Magdeburg und für mich ist eine Ehre mit dabei zu sein. Wir Graffiti-Sprayer wollen natürlich immer, dass möglichst viele Menschen sich an unseren Bildern erfreuen – und dafür haben wir hier natürlich optimale Bedingungen."

150.000 Euro für das Freiraumlabor

Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper findet die Idee gut, den Nordabschnitt am Breiten Weg wieder mehr zu beleben. In einem früheren Interview sagte er MDR SACHSEN-ANHALT, der Nordabschnitt solle ja nicht nur eine Durchfahrtstrecke für Radfahrer sein. Wenn sich dort viele Menschen aufhielten, dann würde das immer zur Attraktivität beitragen. Das solle mit diesem Projekt getestet werden.
Zu DDR-Zeiten war der Nordabschnitt am Breiten Weg ein wahrer Hotspot. Dort hat man unter anderem beim Kinderkaufhaus, Exquisit-Laden und etlichen Gaststätten seine Freizeit verbracht. Um sich diesem Zustand wieder etwas anzunähern, stellte die Stadt Magdeburg für das Projekt rund 150.000 Euro zur Verfügung.

Kevin Poweska
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Kevin Poweska arbeitet trimedial im Funkhaus von MDR SACHSEN-ANHALT. Aktuell ist er im sechsten Semester seines Bachelor-Studiengangs Journalismus an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Während seines Studiums absolvierte er bereits ein Praktikum bei der Braunschweiger Zeitung.

In seiner Freizeit ist er gerne sportlich aktiv: Seine Hauptambitionen liegen in den Sportarten Basketball, Tennis und Fußball - aber auch da probiert er sich gerne immer wieder neu aus. Zudem ist er journalistisch sportlich voll dabei: Kevin Poweska führt einen Blog zu den Deutschen Tennisherren und steht dabei mit den Spielern für Postgame-Interviews in regem Kontakt.

Quelle: MDR/pow

MDR SACHSEN-ANHALT

2 Kommentare

zoony vor 36 Wochen

Hey,

Tolles Ding, aber Problem war nie der Nordabschnitt, sondern dass die Fußgängerzone keine Kulturelle Schätze bietet und in maximal 10 Minuten durchgelaufen ist. Man sollte den Bereich von Opernhaus bis Domplatz für normalen Strassenverkehr verbieten und zu Fußgänger, Lieferverkehr und öv-zone erklären, sodass man im Nordabschnitt Künstler machen lässt und Südabschnitt hat man DOM und das Hundertwasserhaus und andere zahlreiche kulturelle Erlebnisse.

In Magdeburg war ich nie schlendern, sondern man fährt irgendwo gezielt hin und das ist nicht das Niveau einer Landeshauptstadt.

Besonders die Gewerbefläche zwischen Allee center und Domplatz werden dankbar sein.

wolter108 vor 36 Wochen

Hochachtung, tolle Idee die Imagekampagne
und jetzt der Laden, Klasse!!!

In Stadtfeld haben wir durch den Tunnelbau genau
die gleichen Probleme, nur unser steuerfinanziertes
Geschäftsstraßenmanagement
(Stadtplanungsamtes der LH Magdeburg) kümmert
sich lieber um eigene Projekt wie Meta-Architekten,
Freiraumlabor, Magdeburg 2025 etc. Dabei nimmt
der Leerstand nicht nur von Ladengeschäfte immer
mehr zu und durch eine verfehlte Werbekampagne
„Mein Kiez“ (Graffiti/Dreck/Leerstand etc.) wird dieses
noch forciert. Des Weiteren spricht man auch nur ein
gewisses Klientel an, das Ergebnis sieht man leider.

Das schönste Haus in Stadtfeld ist die wunderschöne
Villa wo unser steuerfinanziertes Geschäftsstraßen-
management residiert.

Durch Missmanagement seit 2016 haben wir den
Anschluß an andere Stadtteile verpaßt, vielleicht
ist an diese Stelle mal ein Wechsel nötig.

Super Idee, Buckau!!!

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