Gebrauchte Straßenbahnen Berliner Tatras bald in Magdeburg unterwegs

Eine junge Frau mit grünem Kopftuch steht vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Susanne Scharfenberg

Acht Berliner Tatra-Bahnen sollen ab Ende August durch Magdeburg fahren. Sie sind eine Übergangslösung, bis neue Bahnen für den Magdeburger Schienenverkehr produziert werden. Bis die Tatras unterwegs sein können, gibt es aber noch einiges zu tun: Nötig sind umfangreiche Sanierungen.

Testfahrt mit einer "neuen" Tatra-Bahn Bildrechte: MVB

Die MVB haben im März acht gebrauchte Tatra-Bahnen der Berliner Verkehrsbetriebe gekauft. Ursprünglich wurden die Bahnen in den 1970er-Jahren in Tschechien produziert. Nachdem sie mehr als 20 Jahre im Linienverkehr in Berlin im Einsatz waren, wurden sie in den 1990er-Jahren umfangreich modernisiert.

Zwar sind nach der Modernisierung nochmal rund 30 Jahre vergangen, aber die acht Tatras des Typs KT4D seien immer noch in einem guten Zustand, berichtet MVB-Sprecher Tim Stein. "Das ist eine gute Qualität, die wir da gekauft haben. Die Bahnen sind sehr leise. Innen sehen sie hell und freundlich aus. Und die Fahrgastsitze sind noch recht modern".

Das Manko an den Tatras ist, dass es Hochflurbahnen sind. Das heißt: Sie sind nicht barrierefrei. Das wird den MVB zufolge im Fahrplan gekennzeichnet.

Details zu den neuen Tatras

  • Baujahr: 1980
  • Typ: KT4D
  • Sitzplätze: 33
  • Stehplätze: 66
  • Max. Geschwindigkeit: 60 km/h

Sanierungsarbeiten

Bevor die Tatra-Bahnen im Magdeburger Verkehr eingesetzt werden können, stehen erneut umfangreche Sanierungsarbeiten an. Folgende Anpassungen soll es geben:

  • Kleine Schäden und verrostete Stellen an der Karosserie werden repariert.
  • Die gelbe Außenfarbe wird durch weiß und grün ersetzt – so wie es für die MVB üblich ist.
  • Das Funksystem wird umgerüstet und neue Bordcomputer werden eingebaut. Die technischen Anpassungen soll es geben, damit die Fahrzeuge dann mit dem Leitsystem kommunizieren können und sich im betrieblichen System anmelden können. Damit ist es möglich, dass sich die Tatras bespielsweise an den Ampelmasten registrieren und Vorfahrten anmelden.
  • Die Schlüsselsysteme werden angepasst.
  • Neue Fahrkartenautomaten und Entwerter werden eingebaut.
  • Zuletzt wird die Zielanzeige umprogrammiert und mit Magdeburger Haltestellen versehen.

In gut vier Wochen einsatzbereit

Ab dem 27. August, mit dem Ende der Sommerferien, soll es den ersten Fahrgasteinsatz geben. Zu diesem Zeitpunkt wird das gesamte Liniennetz in Magdeburg umgestellt, weil die Tunnelbaustelle wieder für den Strassenbahnverkehr freigegeben werden soll. Die sanierten Tatras können ab dann in ganz Magdeburg unterwegs sein. Geplant ist vorerst, dass sie hauptsächlich für die Linien 2, 3 und 5 eingesetzt werden.

Rückblick: Eine Tatra-Bahn während des Transports nach Magdeburg Bildrechte: MVB

Eckdaten MVB

  • 10 Straßenbahnlinien und 15 Buslinien
  • jährlich rund 40 Millionen Fahrgäste
  • 83 Niederflurbahnen Typ NGT8D, 3 Tatrazüge Typ T6A2 und 8 neue Tatrawagen Typ KT4D

Die Historie der Straßenbahnen bei den MVB

TW 23
Eine der ältesten Straßenbahn ist TW 23. Mit dem Baujahr 1899 war TW 23 bis 1991 im Magdeburger Schienenverkehr unterwegs. Bildrechte: IGNah e.V., Ralf Kozica
TW 23
Eine der ältesten Straßenbahn ist TW 23. Mit dem Baujahr 1899 war TW 23 bis 1991 im Magdeburger Schienenverkehr unterwegs. Bildrechte: IGNah e.V., Ralf Kozica
TW 23
Im Jahr 1997 wurde TW 23 zu einem historischen Wagen umgebaut. Bildrechte: IGNah e.V., Ralf Kozica
TW 70
Eine besondere Bahn ist TW 70 vom Jahr 1943. Sie wird auch als Hechtwagen bezeichnet. Den Namen hat die Bahn ihrer kantigen Außenform zu verdanken. Die Wagen-Enden sind nur 40 cm breit. Sie wurde so gebaut, damit sich die Bahnen in engen Kurven beim Vorbeifahren nicht berühren. Bildrechte: IGNah e.V., Ralf Kozica
TW 413
Der Triebwagen 413 war 1966 – 1977 in Magdeburg im Einsatz. Dann war er über 20 Jahre lang in Dessau. Inzwischen ist die Bahn wieder in Magdeburg und wurde zum historischen Fahrzeug aufgearbeitet. Bildrechte: IGNah e.V., Ralf Kozica
T4D
Die Tatrabahn der Bauart T4D wurde von 1969 – 2012 in Magdeburg genutzt. Bildrechte: IGNah e.V., Ralf Kozica
NGT 8 D
Ende der 1990er-Jahre kamen die ersten Niederflurstraßenbahnen bei den MVB an. Die Bahn Typ NGT 8 D wurde lange als "Flüsterbahn" bezeichnet, weil sie im Vergleich zu den Vorgängern sehr leise ist. Bildrechte: IGNah e.V., Ralf Kozica
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300.000 Euro für die Tatras

Eine der Tatra-Bahnen nach der Lackierung in der Werkstatt Bildrechte: MDR/Vesile Özcan

Für die Anschaffung und Sanierung der Tatras wurden 300.000 Euro gezahlt. MVB-Sprecher Stein berichtet, dass die Tatras nur eine Übergangslösung sind und später als Ersatzfahrzeuge eingesetzt werden sollen. Die Investition für diese Übergangslösung sei dennoch wichtig gewesen, da durch die vielen Baustellen in Magdeburg die Linien nicht mehr in einem guten Takt bedient werden konnten. "Die Tunnelbaustelle gibt es jetzt schon seit über drei Jahren. Dadurch mussten drei Linien über den Südring umgeleitet werden. Durch die ganzen Baustellen müssen viel mehr Fahrzeuge eingesetzt werden, um den zehn Minuten Takt weiterhin einzuhalten", erklärt Stein.

Mit den Tatras soll die Linie Richtung Rothensee auch wieder im Zehn-Minuten-Takt befahren werden. Die letzten sieben Jahre konnte dieser Streckenabschnitt auf Grund fehlender Fahrzeuge nur alle 20 Minuten bedient werden. Ab dem 27. August soll sich das mit dem neuen Liniennetzplan ändern.

Weitere Investitionen für neue Bahnen bis 2023

Die Tatras sind deswegen nur eine Übergangslösung, weil eigentlich ganz neue Bahnen für Magdeburg gebaut werden sollen. Eine Ausschreibung dafür gab es diesen Monat. Hersteller aus ganz Europa können sich melden. Voraussichtlich im Jahr 2023 sollen auf den Schienen in Magdeburg komplett neu angefertigte Bahnen fahren. Stein erklärt, dass für die neuen Bahnen mit über 130 Millionen Euro Ausgaben gerechnet wird. "Eigentlich wollten wir die Ausschreibung schon vor zwei Jahren machen. Aber damals waren die Mittel dafür noch nicht geklärt". Jetzt habe das Land Sachsen-Anhalt 61 Millionen Euro zugesichert. Damit wären laut Stein rund 45 Prozent der Gesamtkosten für die neuen Bahnen gedeckt.

Die neuen Bahnen sollen klimatisiert sein und einen WLAN-Anschluss bieten. Insgesamt sind 35 solcher Bahnen geplant.

Warum Magdeburg neue Bahnen braucht

Magdeburg benötigt die neuen Bahnen, weil das Liniennetz in der Stadt um neue Strecken erweitert werden soll. Die ersten Bauschritte dafür seien schon fertig, erklärt Stein. Um in Zukunft die neuen Schienen regelmäßig zu bedienen und für eine bessere Vernetzung zu sorgen, seien die neuen Bahnen wichtig.

Eine junge Frau mit grünem Kopftuch steht vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Susanne Scharfenberg

Über die Autorin Vesile Özcan arbeitet seit April 2020 für die Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT. Sie ist in Augsburg auf die Welt gekommen und in Heilbronn aufgewachsen. Nach Magdeburg kam sie durch ihr Studium im Bereich Journalistik/Medienmanagement.

Nach dem Studium hat sie als Projektleiterin eines interkulturellen TV-Magazins im Offenen Kanal Magdeburg gearbeitet. An ihrer Arbeit fasziniert sie die Gelegenheit, in viele neue Welten eintauchen zu können.

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Straßenbahn vor dem Leipziger Hauptbahnhof zu DDR-Zeiten.
Bildrechte: imago/imagebroker

Quelle: MDR/vö

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 16. Juli 2020 | 06:30 Uhr

6 Kommentare

Hans Pampel vor 12 Wochen

Mit Vollkraft und mit leeren Taschen zurück in die Tristesse. Schlimmer noch die körperliche Selektion bei der Beförderung. Nur die Starken kommen durch bzw. mit. In der Gesamtschau passend zu den MVB und zum Erscheinungsbild einer Möchte-Gern-Kulturhauptstadt.

M90 vor 12 Wochen

Es ist ja zu begrüßen, dass die MVB in neue Bahnen investiert und die Taktung erhöhen will. Gleichzeitig ist es ein Trauerspiel, dass ein städtischer Betrieb im Jahr 2020 nicht-barrierefreie Bahnen anschafft und als Lösung lediglich anbietet, die eingeschränkte Nutzbarkeit dann im Fahrplan zu kennzeichnen. „Achtung: als städtischer Betrieb können wir nicht allen Bewohnern dieser Stadt den gleichen Service anbieten; bitte nutzen Sie eine andere Verbindung, wenn Sie keine Treppen steigen können“ - ungefähr so?

Altmagdeburger vor 12 Wochen

Was ander nicht mehr wollen, kaufen wir auf, wir haben es ja und dann heißt es wieder Treppe hoch Treppe runter. Das nennt man modern, besonders für Kinderwagen, Rollstuhl, und ältere Menschen mit Gehbehinderung. MVB dreht das Rad zurück und das für ein guten Fahrpreis. Wir ältere Leute danken euch für diesen altersgerechte Straßenbahn , möge sie nicht auf meine Strecke fahren, dann war es mit meiner Monatskarte. Noch einmal vielen Danke für diesen schlechten Einkauf. Eulenspiegel ist wieder mal in Magdeburg und verdummt mal wieder ihre Stadtbewohner.

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