Umstrittenes Projekt Bauvorhaben am Kleinen Stadtmarsch in Magdeburg – Ihre Fragen

Der Magdeburger Stadtrat entscheidet nächste Woche, ob die Pläne für die Stadtmarsch-Bebauung weiter verfolgt werden. MDR SACHSEN-ANHALT möchte von Ihnen wissen: Welche Fragen haben Sie zum Bauvorhaben?

Kalina Bunk
Bildrechte: MDR/ Jörn Rettig

von Kalina Bunk, MDR SACHSEN-ANHALT

Grafische Darstellung Stadtplanung, Menschan am und auf dem Fluss, Häuser am Ufer.
Dieser Entwurf wurde 2019 bei einem Architekten-Wettbewerb ausgewählt und soll nun weiterentwickelt werden. Bildrechte: Bauherren: WOBAU und MWG

Die umstrittenen Pläne für die Bebauung des Areals am Kleinen Stadtmarsch in Magdeburg müssen in der kommenden Woche eine wichtige Hürde nehmen: Im Stadtrat wird am Donnerstag (23. Januar) über einen Antrag der Fraktion Gartenpartei/Tierschutzallianz entschieden. Er sieht vor, alle Planungen für eine mögliche Bebauung zu beenden.

Wir möchten von Ihnen wissen: Was interessiert Sie an dem Thema Stadtmarsch-Bebauung, welche Fragen beschäftigen Sie mit Blick auf das Bauvorhaben? Sagen Sie uns das gern in den Kommentaren unter diesem Artikel. Wir greifen Ihre Anregungen nächste Woche in unserer Recherche auf.

Ein Blick zurück: Chronologie zum Bauvorhaben

Die Wohnungsbauunternehmen Wobau und MWG möchten in bester Lage direkt an der Elbe ein neues Wohnviertel errichten. Geplant ist, dass es möglichst ohne Energie von außen auskommt und Magdeburg auf dem Gebiet zum Vorreiter macht. Das Gebiet soll außerdem autofrei und über eine neue Fußgänger- und Radfahrerbrücke erreichbar sein.

So verliefen bisher die Planungen:

Dezember 2017 – Wobau und MWG melden Interesse an
Die Wohnungsunternehmen Wobau und MWG wenden sich an die Stadt und stellen einen Antrag: Sie wollen, dass ein Plan erstellt wird, wie das Gelände erschlossen werden kann. Man habe sich entschlossen, bei der Entwicklung des Areals mitwirken zu wollen.

Februar 2018 – Grünes Licht für mögliche Bebauung
Der Stadtrat stimmt grundsätzlich für die Möglichkeit, den Kleinen Stadtmarsch zu bebauen. In einem sogenannten Satzungsverfahren soll geprüft werden, ob ein Bau tatsächlich möglich ist und wie er aussehen kann. Vorgesehen ist ein Wohngebiet für genossenschaftlichen und kommunalen Wohnungsbau mit hohem Grünanteil.

Das Wohngebiet soll sozial durchmischt sein, auch Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen sollen sich die Wohnungen leisten können. Zudem ist geplant, dass die Bürger frühzeitig in die Planungen einbezogen werden und dass es auf dem angrenzenden Messeplatz auch nach der Bebauung Veranstaltungen gibt.

April 2018 – Online-Petition gegen den Bau
Gartenbesitzer der Kleingartenanlage "Am Domfelsen" haben bereits ihre Kündigungen erhalten. Roland Zander von der Gartenpartei startet eine Online-Petition. Er setzt sich dafür ein, dass die Fläche am Kleinen Stadtmarsch nicht bebaut wird. Am Ende gibt es knapp 2.500 Unterstützer, davon etwa 2.000 aus Magdeburg.

Januar 2019 – Ideenwettbewerb zur Bebauung
Zwölf Architekten steuern Ideen bei, wie die Fläche am Kleinen Stadtmarsch bebaut werden könnte. MWG-Vorstand Thomas Fischbeck sagt, das neue Wohnviertel solle sich vom Rest der Stadt nicht abgrenzen. Nach Möglichkeit solle es eine weitere Fußgängerbrücke geben, die vom neuen Wohnviertel in die Innenstadt führe.

Städtebaulicher Ideenwettbewerb Neues Wohnviertel im Magdeburger Stadtpark

Grafische Darstellung Stadtplanung
Das ist die Fläche im Magdeburger Stadtpark, die bebaut werden soll ... Bildrechte: Visualisierung: Teichert, Schulze & Partner
Grafische Darstellung Stadtplanung
Das ist die Fläche im Magdeburger Stadtpark, die bebaut werden soll ... Bildrechte: Visualisierung: Teichert, Schulze & Partner
Grafische Darstellung Stadtplanung
... Sie befindert sich zwischen dem Messeplatz und dem MDR-LANDESFUNKHAUS. Bildrechte: Teichert, Schulze & Partner
Grafische Darstellung Stadtplanung, Menschan am und auf dem Fluss, Häuser am Ufer.
Das ist ein Entwurf der Magdeburger 'Steinblock architekten GmbH'. Der Entwurf wurde von einer Fachjury mit einem 1. Preis ausgezeichnet. Bildrechte: Bauherren: WOBAU und MWG
Grafische Darstellung Stadtplanung
Ebenfalls einen 1. Preis erhielt die Idee von Thomas Nörthemann aus Magdeburg. Bildrechte: Bauherren: WOBAU und MWG
Grafische Darstellung Stadtplanung
Das ist der Entwurf der 'Architekten Duong + Schrader' aus Magdeburg. Dieser Entwurf erhielt den Publikumspreis. Rund 2.000 Magdeburger hatten sich an dem Ausscheid beteiligt. Nach Ansicht der Fachjury ist es der "mutigste Entwurf". Bildrechte: Bauherren: WOBAU und MWG
Grafische Darstellung Stadtplanung
Einen Anerkennungspreis gab es für den Vorschlag von Andreas Michels aus Berlin. Hier ist sehr gut die geplante Fußgängerbrücke zu sehen. Bildrechte: Bauherren: WOBAU und MWG
Grafische Darstellung Stadtplanung
Auch so könnte das Elbeufer eventuell aussehen – nach einer Idee der Architekten Cityförster aus Rotterdam. Auch sie erhielten einen Anerkennungspreis. Bildrechte: Bauherren: WOBAU und MWG
Grafische Darstellung Stadtplanung
Ein Entwurf der Architekten Peter Terbüchte, Magdeburg und Stuttgart Bildrechte: Bauherren: WOBAU und MWG
Grafische Darstellung Stadtplanung
Der Entwurf aus London, Studio Wolter Navarro Archikten Bildrechte: Bauherren: WOBAU und MWG
Grafische Darstellung Stadtplanung
Beim Entwurf von 'HS-Holger Schmidt Architekten Hamburg' ist ebenfalls die geplante neue Fußgängerbrücke gut zu sehen. Bildrechte: Bauherren: WOBAU und MWG
Grafische Darstellung Stadtplanung
Die Vorstellungen der Architekten Naumann Wasserkampf aus Weimar Bildrechte: Bauherren: WOBAU und MWG
Grafische Darstellung Stadtplanung
So stellen sich die Architekten von 'N-V-O- Nuyken von Oefele' aus München das neue Wohnviertel vor. Bildrechte: Bauherren: WOBAU und MWG
Grafische Darstellung Stadtplanung
Sehr grün der Entwurf von Doron Stern, Landschaftsarchitekt aus Köln.

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir
17.01.2019 12:30

Quelle: MDR/jw
Bildrechte: Bauherren: WOBAU und MWG
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Januar 2019 – Bäume werden illegal gerodet
Auf dem für den Bau vorgesehenen Gebiet werden Bäume abgeholzt – ohne Erlaubnis. Die MWG gibt zu, die Fällungen in Auftrag gegeben zu haben, ohne vorher bei der Stadt nachzufragen. Die Genossenschaft gibt an, mit der Aktion der Verkehrssicherungspflicht nachgekommen zu sein. Die Stadt leitet ein Bußgeldverfahren ein. Baurecht für eine Wohnanlage besteht zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Juli 2019 – Bürgerinitiative macht mobil
Es gründet sich eine Bürgerinitiative gegen die Baupläne. Ihr Name: "Rettet den Stadtpark Rotehorn". Die Mitglieder fordern, dass vorhandenes Stadtgrün erhalten bleibt und in dem Areal keine Wohnungen gebaut werden.

September 2019 – Antrag auf Rücknahme der Pläne
Die Fraktion aus Gartenpartei und Tierschutzallianz beantragt, die Pläne für die Bebauung zu kippen. Die Begründung: Die geplante Stadtmarschbebauung sei sehr umstritten. Die Fläche gehöre zum Stadtpark und solle als Grünfläche/Parkanlage ausgewiesen werden. Der Stadtpark habe eine wichtige stadtklimatische Bedeutung, müsse geschützt und aufgeforstet werden.

November 2019 – Die Baupläne werden grüner
Aufgrund der anhaltenden Diskussionen zum Bau verändern und konkretisieren MWG und Wobau ihre Pläne. Sie lauten ab sofort "Grüner Stadtmarsch". Geplant sei nun ein Wohnquartier, das so gut wie ohne Energie von außen auskomme. Das Areal solle zudem autofrei sein.

Januar 2020 – Großer Andrang bei Diskussionsrunde
Das studentische Netzwerk In:takt veranstaltet eine öffentliche Diskussionsrunde zu den Bebauungsplänen. Die Resonanz ist so hoch, dass einige Magdeburger die Veranstaltung im Stehen verfolgen. Das Publikum hat so viele Fragen, dass eine eigentlich geplante Podiumsdiskussion ausgelassen wird.

Januar 2020 – Schüler stellen Visionen vor
Schülerinnen und Schüler des Internationalen Stiftungsgymnasiums stellen vor, was sie sich für den Magdeburger Stadtmarsch wünschen. MWG und Wobau hatten zu dem Schülerwettbewerb aufgerufen. Die Kinder hätten vor allem gern viel Grün. Weitere Vorschläge: vegane Restaurants, Gemeinschaftsgärten und Wasserstoffautos.

Januar 2020 – Wichtige Hürde im Stadtrat
Der Stadtrat entscheidet am 23. Januar über den Vorstoß von Gartenpartei/Tierschutzallianz, die Pläne für den Bau auf Eis zu legen – wie in dem Antrag vom September gefordert. Über den Antrag wurde zuvor in drei Ausschüssen beraten.

Kalina Bunk
Bildrechte: MDR/ Jörn Rettig

Über die Autorin Kalina Bunk arbeitet seit 2015 für MDR SACHSEN-ANHALT – in der Online- und in der Hörfunkredaktion. Sie schreibt für mdrsachsenanhalt.de, verfasst und spricht die Nachrichten im Radio und ist als Reporterin im Land unterwegs. Aufgewachsen ist sie in Bremen. Dort und in Madrid studierte sie Kulturwissenschaft und Germanistik. Danach war sie für mehrere private Radiosender in Bremen und Berlin tätig. An der Arbeit als Redakteurin fasziniert sie, dass jeder Arbeitstag anders aussieht und dass man täglich etwas Neues dazu lernt.

Quelle: MDR/kb

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 23. Januar 2020 | 07:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Januar 2020, 10:13 Uhr

4 Kommentare

the irish vor 5 Wochen

1.Es besteht hier schon Baurecht. Zwar für ein „Medienzentrums“. Aber immerhin such Beton. 2. Ich verstehe einfach nicht, dass diese Tatsache komplett ignoriert wird. 3.Das architektonisch fragwürdige mdr-Gebäude liegt im Hochwasser, die Wohnungen nicht. Drängwasser haben wir überall in Elbnähe. Lösungen wären Sache der Bauherren. 4.Es geht jetzt um einen B-Plan. Erst in diesem Verfahren werden die Bebauungsfragen geklärt. Es werden bis zu 70 Träger öffentlicher Belange beteiligt und verschiedene Entwicklungstufen des Planes veröffentlicht. Hier kann viel mit gestalten werden. 5. Die „Sozialfrage“ ist populär, aber in Magdeburg unsinnig. Es gibt genügend preiswerten, sanierten Wohnraum. Nicht mit Balkon zu Elbe, aber bitte. Hier sollte man mal die Kirche im Dorf lassen. 6. Wer städtisches Wohnen mit kurzen Wegen, geringen Emissionen, hoher Durchgrünung, wertigem Umfeld unter der Regie kommunaler Unternehmen im Besitz kommunaler Gesellschafter will und keine Spekulanten, muss zustimmen.

Ralf2 vor 5 Wochen

Hallo Magdeburger, hallo Stadtplaner,

Guter Wohnraum, architektonisch interessant ist immer ein Plus für jede Stadt!
ABER
Diesen Wohnraum dort zu errichten, wo wir eher eine weitere Begrünung zur Vergrößerung der „ Grünen Lunge“ Stadtpark durchführen sollten, passt nicht wirklich.
Der Vorschlag, das die GWG ihre Investition eher in unseren Wissenschaftshafen vornehmen könnte, ist Top. Dort könnte interessanter Wohnraum entstehen der dieses Areal noch weiter aufwerten würde (s.Hafen Hamburg).
FG

Wenzel vor 5 Wochen

Eine super Idee: Wohnen an der Elbe mit Südbalkon. Phantastisch!
Dabei leider vergessen ...
Jahrhundertflut 2002 und Jahrhundertflut 2013 ?
Grüner Stadtmarsch: Marschen sind was: Schwemmland...?
das Drängwasser beim Hochwasser kam von unten?
die Hitze im Dürresommer 2018 und Dürresommer 2019 und dann Flächen in den Kaltluftschneisen versiegeln?
Ein bissel zu kurzes Kurzzeitgedächtnis?
Leider.

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