Unvergessene Industrie Maschinenbaustadt Magdeburg – Als Gruson noch groß war

Junge Frau lächelt in Kamera
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Wie sehr sich Magdeburg immer wieder wandelt, zeigen die Gruson-Werke. Ursprünglich produzierte man dort Teile für Eisenbahnen. Hermann Gruson erfand den Hartguss und machte Magdeburg so zum Zentrum des Schwermaschinenbaus. Die Geschichte dahinter und was davon heute noch übrig ist, zeigt der MDR-Film "Wo der Stahl gehärtet wurde". MDR SACHSEN-ANHALT hat mit Autor Tom Kühne gesprochen.

Verlassene Industriebaracke in Magdeburg
Der ehemalige Betriebsteil 13 des SKET-Werks heute. Bildrechte: MDR/Tom Kühne

"Man kann nachvollziehen, warum den Menschen die Industrie in Magdeburg wichtig war", stellt Tom Kühne fest. Für seine Recherche über den Maschinenbau in der Stadt hat der Autor mit mehr als zwei Dutzend Zeitzeugen gesprochen. Entstanden ist ein Film für das MDR-Fernsehen, der sich vor allem mit der Geschichte der Mschinenfabrik von Hermann Gruson befasst. Das Unternehmen stellte ursprünglich Teile für die Eisenbahn her. Später entwickelte es im Hartguss-Verfahren Panzerplatten, die auch den Angriffen der Aliierten standhielten.

Als Magdeburg am 16. Januar 1945 zerstört wurde, trafen die ersten Bomben das Gelände des Gruson-Werkes. "Das ist die Tragik", sagt Thomas Kühne. Der Film erzählt vom Aufstieg Magdeburgs zur bedeutenden Industriestadt und wie dieser wichtige Teil im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.

Ein Film über Magdeburgs Brüche

Diese und viele andere Veränderungen hat die Stadt bis heute miterlebt. Genau das will Thomas Kühne mit seinem Film zeigen. "Die Idee war, einen Film über die Brüche zu machen. Zu zeigen, wie sich Magdeburg immer wieder neu erfunden hat." Durch seine Recherchen habe er die Stadt noch besser kennenlernen können.

Auf dem Gelände des Gruson-Werkes gibt es auch heute noch einiges zu entdecken. So stießen Kühne und sein Team bei den Recherchen dort auf einen Bunker. Er ist immer noch zugänglich, die Wände sind mit fluoreszierender Farbe bestrichen, die Licht abstrahlt und die auch heute noch zu sehen ist. Den Tipp dazu bekam er während eines Interviews für den Film.

Filmarbeiten im SKET-Werk 1977. 45 min
Filmarbeiten im SKET-Werk 1977. Bildrechte: MDR/DFF

Der Osten - Entdecke wo du lebst Di 14.01.2020 21:00Uhr 44:44 min

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Die Geschichte des Werkes ist bei vielen Magdeburgern sehr präsent. Auch die jüngeren Leute könnten mit dem Begriff etwas anfangen, bemerkte Thomas Kühne. "Ich staune immer wieder, dass den Jungen etwas zu Gruson einfällt", sagt er. Viele hätten Großeltern, die in den Werken gearbeitet haben – und könnten dadurch einen Bezug herstellen.

Die Erinnerung an die Gruson-Werke bleibt wichtig

Und die Älteren verbindet Kühne zufolge sowieso viel mit den Werken: Früher haben oft ganze Generationen von Familien dort gearbeitet. Das könne man sich bei den häufigen Jobwechseln heutzutage gar nicht mehr vorstellen, so der Autor. Gerade diesen Leuten sei die Erinnerung an das Werk auch heute noch sehr wichtig – und ihre Geschichten zu erzählen. "Mit etwas Abstand warten viele darauf, dass sie davon erzählen können. Sie wollen Wertschätzung dafür, dass sie ihren Beitrag zur Geschichte der Stadt geleistet haben", schildert Thomas Kühne seine Eindrücke.

Der Film gibt diesen Menschen genau so Raum, wie den ganz Jungen. Die Patenschule des Technikmuseums hat sich im Museum auf Spurensiche begeben, Kühne begleitet sie dabei. Im Museum erzählen viele Schüler von Verwandten, die in der Magdeburger Industrie gearbeitet haben. Das Gruson-Werk, das zeigt der Film eindrücklich, ist auch heute noch für viele Magdeburger ein emotionales Thema.

#MDRklärt Darum ist Magdeburg Schwermaschinenbau-Stadt

Ein Mann geht vor einem zu montierenden Gegenstand im SKET Magdeburg.
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Ein Mann geht vor einem zu montierenden Gegenstand im SKET Magdeburg.
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Herman Gruson, der Gründer der Gruson-Werke.
1855 gründet Hermann Gruson vor den Toren Magdeburgs eine Fabrik. Mit 250 Arbeitern sind es bescheidene Anfänge. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Der Stahlbaron Friedrich Krupp.
Als 40 Jahre später der Stahlbaron Friedrich Krupp die Grusonwerke übernimmt, sind dort bereits 3000 Menschen beschäftigt. Fortan heißt das Unternehmen Krupp-Gruson. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
DAs Logo von SKET Magdeburg.
Nach Gründung der DDR wird aus dem Rüstungsbetrieb das Schwermaschinenbaukombinat Ernst Thälmann, mit 17 Betrieben und über 30.000 Beschäftigten. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Ein Beschäftigter arbeitet an einem Gerät im SKET Magdeburg.
Die Treuhand übernimmt das einstige Flaggschiff des DDR-Maschinenbaus. SKET wird zerschlagen und fünf Auffanggesellschaften gegründet. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Eine Collage von der Außen- und Innenansicht des Technikmuseums Magdeburg.
Am Rand der Industriebrache ehemaliger Arbeitshallen ist heute das Technikmuseum zu Hause. Hier wird das reiche Erbe des Magdeburger Maschinenbaus aufbewahrt. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Eine Panoramaaufnahme über ein Industriegebiet in Magdeburg.
Heute zählt der Maschinenbau mit rund 11.000 Beschäftigten wieder zu den bedeutendsten Industriebranchen der Stadt. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Texttafel: "Mehr Erklärgrafiken und -videos auf Instagram @mdrklaert"
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https://www.mdr.de/mdr-garten/geniessen/gruson-gewaechshaeuser-magdeburg-botanischer-garten100.html

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Quelle: MDR/sie

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Der Osten – Entdecke, wo du lebst | 14. Januar 2020 | 21:00 Uhr

3 Kommentare

C.T. vor 35 Wochen

"Die Treuhand machte auf deren Druck hin, einen der modernsten Gießereibetriebe der Welt, platt..."

Einer der vielen Gründe warum es nicht gänzlich verkehrt ist von einer Übernahme anstatt Wiedervereinigung zu sprechen.

Schenkendorf vor 35 Wochen

Ein schöner Bericht. Da werden Erinnerungen an meine 3- jährige Berufsausbildung zum Gießereifacharbeiter mit Abitur wach. Zwei Jahre der praktische Ausbildung, habe ich in der Lehrgießerei des Sket absolviert. Dort war alles fast noch so, wie es v. Menzel in seinem Gemälde, 'Das Eisenwalzwerk", darstellte. Im krassen Gegensatz dazu, dann mein letztes Jahr in der Stahlgießerei des MAW In Rothensee. Ein hochmoderner Betrieb, den nach der Wende ein Manager aus Westelbien weiterführen wollte. Dann kam das, was fcm- MD schon ansprach. Dieser Betrieb war ein lästiger Konkurent für die neuen Ruhrbarone. Die Treuhand machte auf deren Druck hin, einen der modernsten Gießereibetriebe der Welt, platt.

Altmagdeburger vor 35 Wochen

Schön das sowas für die Ewigkeit gemacht wird. Was mich bisschen ärgert ist das die Treuhand benutzt wurde, um die Konkurrenz aus den Westen missbraucht wurde, den mit etwas Kapital wäre SKET zwar nicht in der Form geblieben, aber Konkurrenz fähig geblieben auf den Weltmarkt, aber die Konkurrenz mußte ja zerschlagen werden, damit Krupp erhalten bleibt im Westen.

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