An einer Fläche an der Elbe in Magdeburg ist eine gerodete Fläche zu sehen
Im Magdeburger Stadtpark wurden Bäume ohne Erlaubnis gefällt. Bildrechte: MDR/Kalina Bunk

Neues Wohngebiet geplant Illegale Rodungen im Magdeburger Stadtpark

Im Magdeburger Stadtpark sind illegal Bäume gefällt worden. Das hat die Stadt inzwischen bestätigt. In einigen Jahren soll an der Stelle ein Wohngebiet entstehen. Die Gartenpartei befürchtet jedoch, dass der Bau schon deutlich eher losgehen könnte.

An einer Fläche an der Elbe in Magdeburg ist eine gerodete Fläche zu sehen
Im Magdeburger Stadtpark wurden Bäume ohne Erlaubnis gefällt. Bildrechte: MDR/Kalina Bunk

Am kleinen Stadtmarsch in Magdeburg, im Stadtpark, haben Säge und Häcksler ganze Arbeit geleistet. Innerhalb weniger Tage ist dort ein Biotop verschwunden. Und zwar genau dort, wo in einigen Jahren ein umstrittenes Bauprojekt umgesetzt werden soll. Roland Zander war einer der ersten, der von den Fällungen erfuhr.

Baubeginn 2022 – oder früher?

Der Stadtrat der Gartenpartei fand im Stadtpark mit Erde bedeckte Baumstümpfe und gehäckselte Holzhaufen. Und eine breite Schneise, wo bis dahin Büsche und Bäume gestanden hatten, empört er sich: "Man hat die Bäume weggesägt. Man hat den Lebensraum der Tiere weggenommen – im Winter. Dabei wird immer gesagt, vor 2022 oder 2023 wird dort nicht gebaut. Wir haben jetzt 2019. Und nun hat man jetzt schon Baufreiheit geschaffen."

Stadt leitet Verfahren ein

An einer Fläche an der Elbe in Magdeburg ist eine gerodete Fläche zu sehen
Wo einst Bäume standen, sind nun nur noch Überreste zu sehen. Bildrechte: MDR/Kalina Bunk

In der vergangenen Woche brachte die Partei das Thema in den Stadtrat ein und fragte, ob die Stadt die Fällungen genehmigt hat. Die Antwort bestätigte den Verdacht, den Roland Zander bereits hatte. Der Ordnungsbeigeordnete Holger Platz (SPD) räumte ein: "Nach unserer Einschätzung waren die Rodungen, genau wie die anderen Eingriffe, die es dort in letzter Zeit gegeben hat, nicht rechtens. Sie waren nicht genehmigt. Illegal. Wir haben auf dieser Grundlage entschieden, ein entsprechendes Verfahren einzuleiten."

Ein Bußgeldverfahren, das zunächst mit der Befragung der Eigentümerin der Fläche begonnen hat. Diese gehört der Wohnungsgenossenschaft MWG, die dort gemeinsam mit der städtischen Wobau ein Wohngebiet mit bis zu 500 Wohnungen errichten will.

Die MWG bestätigte gegenüber MDR SACHSEN-ANHALT, die Fällungen in Auftrag gegeben zu haben. Vorstand Thomas Fischbeck räumte ein, dass man bei der Stadt hätte anfragen sollen. Man sei allerdings der Verkehrssicherungspflicht nachgekommen. Denn auf dem Gelände gebe es Keller – und es habe die Gefahr bestanden, dass dort jemand hineinstürze.

Städtebaulicher Ideenwettbewerb Neues Wohnviertel im Magdeburger Stadtpark

Im Magdeburger Stadtpark soll ein neues Wohnviertel entstehen. In bester Lage direkt an der Elbe soll die Fläche zwischen dem Messeplatz und dem MDR Landesfunkhaus bebaut werden. 12 Architekten haben Ideen beigesteuert.

Grafische Darstellung Stadtplanung
Das ist die Fläche im Magdeburger Stadtpark, die bebaut werden soll ... Bildrechte: Visualisierung: Teichert, Schulze & Partner
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Das ist die Fläche im Magdeburger Stadtpark, die bebaut werden soll ... Bildrechte: Visualisierung: Teichert, Schulze & Partner
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... Sie befindert sich zwischen dem Messeplatz und dem MDR-LANDESFUNKHAUS. Bildrechte: Teichert, Schulze & Partner
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Das ist ein Entwurf der Magdeburger 'Steinblock architekten GmbH'. Der Entwurf wurde von einer Fachjury mit einem 1. Preis ausgezeichnet. Bildrechte: Bauherren: WOBAU und MWG
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Ebenfalls einen 1. Preis erhielt die Idee von Thomas Nörthemann aus Magdeburg. Bildrechte: Bauherren: WOBAU und MWG
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Das ist der Entwurf der 'Architekten Duong + Schrader' aus Magdeburg. Dieser Entwurf erhielt den Publikumspreis. Rund 2.000 Magdeburger hatten sich an dem Ausscheid beteiligt. Nach Ansicht der Fachjury ist es der "mutigste Entwurf". Bildrechte: Bauherren: WOBAU und MWG
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Einen Anerkennungspreis gab es für den Vorschlag von Andreas Michels aus Berlin. Hier ist sehr gut die geplante Fußgängerbrücke zu sehen. Bildrechte: Bauherren: WOBAU und MWG
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Auch so könnte das Elbeufer eventuell aussehen – nach einer Idee der Architekten Cityförster aus Rotterdam. Auch sie erhielten einen Anerkennungspreis. Bildrechte: Bauherren: WOBAU und MWG
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Ein Entwurf der Architekten Peter Terbüchte, Magdeburg und Stuttgart Bildrechte: Bauherren: WOBAU und MWG
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Der Entwurf aus London, Studio Wolter Navarro Archikten Bildrechte: Bauherren: WOBAU und MWG
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Bildrechte: Teichert, Schulze & Partner
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Beim Entwurf von 'HS-Holger Schmidt Architekten Hamburg' ist ebenfalls die geplante neue Fußgängerbrücke gut zu sehen. Bildrechte: Bauherren: WOBAU und MWG
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Die Vorstellungen der Architekten Naumann Wasserkampf aus Weimar Bildrechte: Bauherren: WOBAU und MWG
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So stellen sich die Architekten von 'N-V-O- Nuyken von Oefele' aus München das neue Wohnviertel vor. Bildrechte: Bauherren: WOBAU und MWG
Grafische Darstellung Stadtplanung
Sehr grün der Entwurf von Doron Stern, Landschaftsarchitekt aus Köln.

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir
17.01.2019 12:30

Quelle: MDR/jw
Bildrechte: Bauherren: WOBAU und MWG
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Kleingärten gekündigt

Von Seiten der Stadt gibt es zwar grundsätzlich ein OK für die Bebauung, einen konkreten Beschluss allerdings noch nicht. Derzeit wird unter mehreren Architektenentwürfen ausgewählt. Die Kleingärtner in der benachbarten Anlage haben zum Jahresende eine Kündigung erhalten.

Zander vermutet, dass die Bebauung schon früher als bisher geplant beginnen soll. So könnte der Antrag noch vor der Kommunalwahl durch den Stadtrat "gepeitscht" werden, um im kommenden Jahr mit dem Bau zu beginnen.

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Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 29. Januar 2019 | 09:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Januar 2019, 11:07 Uhr

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27 Kommentare

01.02.2019 11:04 böse-zunge 27

Man fragt sich - was macht der Stadtordnungsdienst in der kalten Jahreszeit? Fahren die noch Streife? Kommen die dabei auf den Rote Horn/ Werder? Gucken die dabei noch aus dem Fenster? ... Das ließe sich Frage um Frage fortführen.
Am Ende fragt man sich nur noch ob "Sch...drauf" das neue Normal ist..

31.01.2019 14:07 jackblack 26

Hallo Ossi, ich als gebürtiger und ständig dort Lebender kann VIELE brachliegende Flächen mit guter Verkehrsanbindung nachweisen, natürlich OHNE Domblick, ein Flughafen wäre TOTAL unnötig, Cochstedt war ein Millionengrab, es geht in diesem Fall auch eher darum, dass die Fläche OHNE GENEHMIGUNG abholzt wurde, um Tatsachen zu schaffen. Und das mit der 2. grünsten deutsche Stadt ist LEIDER schon lange Geschichte.

31.01.2019 12:15 MICHA "LIEBER TOT ALS LINKS GRÜN ROT" 25

SATIERE:

"Papa,Papa warum Roden die Leute den Wald?"
"Damit sie eine Straße bauen können,mein Sohn."
"Papa, Papa wofür brauchen die Leute eine Straße?"
"Damit sie mit ihren Autos darauf fahren können"
"Papa wohin wollen die Menschen fahren?"
"Ins grüne mein Sohn, ins grüne...."

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