Corona-Zusammenhang vermutet Immer mehr Menschen per LKW nach Sachsen-Anhalt geschleust

Immer mehr Geflüchtete werden per LKW nach Sachsen-Anhalt geschleust. Seit Oktober sind zwölf Schleusungen entdeckt worden, in der ersten Jahreshälfte waren nur einmal Menschen an Bord eines LKW entdeckt worden. Die Polizei vermutet, dass die Häufung der Fälle mit der Corona-Pandemie zusammenhängt. Sie geht davon aus, dass Schleuser erneute Grenzschließungen befürchten.

Ein mit Waren befüllter LKW von hinten auf einem Parkplatz
In diesem LKW sind vier junge Männer entdeckt worden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Sachsen-Anhalt werden immer mehr per LKW eingeschleuste Flüchtlinge aufgegriffen. Wie Romy Gürtler von der Bundespolizei MDR SACHSEN-ANHALT mitteilte, wurden allein seit Oktober zwölf LKW-Schleusungen registriert. Im gesamten Jahr 2019 seien es gerade einmal zwei Fälle gewesen, im ersten Halbjahr 2020 ein Fall.

Blonde Polizistin mit kinnlangen Haaren
Romy Gürtler von der Bundespolizei Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Romy Gürtler: "Wir vermuten, dass das mit der Covid-19-Lage zusammenhängt. Die Schleuser befürchten eine erneute Grenzschließung und schicken die Menschen noch schnell auf die Reise."

Kürzlich hatte wieder ein LKW-Fahrer vom Parkplatz Sülzegrund an der A14 die Polizei gerufen, weil er aus seinem Auflieger Klopfgeräusche gehört hatte. An Bord waren vier junge Afghanen gewesen. Der LKW mit dänischem Kennzeichen war aus Bulgarien gekommen. Die Männer hatten tagelang neben der Ladung im Stehen verbracht.

Fahrer wissen meist nichts von den Personen im Laderaum

Bei den zwölf Fällen seit Oktober hat die Polizei Gürtler zufolge 62 männliche Personen aufgegriffen. Der jüngste von ihnen sei elf Jahre alt gewesen. Alle stammten aus Afghanistan oder Pakistan. Sie würden vernommen, um den Schleusern auf die Spur zu kommen, dann polizeilich registriert und in eine Flüchtlingsunterkunft gebracht.

Gürtler sagte: "Wir wissen, dass die meisten in Rumänien oder Serbien von den Schleusern an Bord der LKW gebracht werden. Die Fahrer wissen in den meisten Fällen nichts davon. Das geschieht, während sie schlafen. Die LKW sind zwar verplombt, aber die Schleuser finden Wege, um die Fahrzeuge zu öffnen und wieder sauber zu verschließen."

Erster Halt nach der Grenze in Sachsen-Anhalt

Drei Polizisten hocken auf dem Boden, im Hintergrund stehen drei Menschen in einer Reihe auf einem Bordstein mit unkenntlich gemachten Gesichtern
Auf dem Parkplatz Sülzegrund an der A14 hatte sich die vier Afghanen per Klopfen bemerkbar gemacht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch dafür, dass die Menschen gerade in Sachsen-Anhalt gefunden werden, gibt es laut Gürtler eine Erklärung. "Die Geschleusten schalten ihr Handy ein und sehen, dass sie in Deutschland sind. Wenn dann der Fahrer wegen der vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten eine Pause macht, machen sie sich bemerkbar. Wer über Tschechien die A14 nach Norden fährt, ist nach vier Stunden in Sachsen-Anhalt. Damit erklären wir uns die Häufung hierzulande."

Die vier Afghanen vom Parkplatz Sülzegrund wurden befragt und registriert und dann in eine Asylunterkunft gebracht. Der LKW-Fahrer wurde ebenfalls verhört. Zudem wurden sein Fahrtenschreiber und Handy ausgewertet.

Schleusungen vor allem nach Deutschland, Frankreich oder Großbritannien

Auch anderswo in Deutschland werden LKW-Schleusungen entdeckt. Laut Bundespolizei wurden von Januar bis Oktober bundesweit 389 Einsätze gezählt, bei denen 4.204 Menschen aufgegriffen wurden. Insgesamt registrierte die Polizei in diesem Zeitraum bundesweit 29.117 illegal Eingereiste. Ihr Ziel ist den Behörden zufolge neben Deutschland vor allem Frankreich oder Großbritannien.

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Quelle: MDR/jh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 22. Dezember 2020 | 14:30 Uhr

13 Kommentare

Magdeburg vor 3 Wochen

Es gibt keine Grenzen in Deutschland oder man meint dieses Schild an der Grenze wo Deutschland drauf steht. Es wird immer Schleusungen geben da ist es egal wer das Land regiert.

Brigitte Schmidt vor 3 Wochen

Ich muß wohl vorsichtiger formulieren:

"Insgesamt registrierte die Polizei in diesem Zeitraum bundesweit 29.117 illegal Eingereiste. Ihr Ziel ist den Behörden zufolge neben Deutschland vor allem Frankreich oder Großbritannien."

registrieren...,
Ihr Ziel ist (nicht "war" oder "wäre gewesen")

Auf der Sonnenseite des Lebens vor 3 Wochen

"In Sachsen-Anhalt werden immer mehr per LKW eingeschleuste Flüchtlinge aufgegriffen. "

Fällt das nur mir auf,

die fahren hunderte oder sogar tausende Kilometer durch ganz Europa und just am Ankunftsort werden sie aufgegriffen.

+ 1 für die Polizei in Sachsen-Anhalt

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