Interview mit Hannah Mugaragu Nach #blacklivesmatter-Demo in Magdeburg: Warum wir erst am Anfang stehen

Olga Patlan im MDR-Landesfunkhaus Magdeburg
Bildrechte: Olga Patlan/Gaby Conrad

In Magdeburg sind zuletzt mehr als 1.500 Menschen auf die Straßen gegangen, um gegen Rassismus zu demonstrieren. Im Interview mit MDR SACHSEN-ANHALT schildert eine der Veranstalterinnen Pläne für die Zukunft.

Eine lächelnde Frau sitzt in einem Café
Hannah Mugaragu ist eine der Initiatorinnen der Demo gegen rassistische Polizeigewalt in Magdeburg gewesen. Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Mit ihren Worten berührte Hannah Mugaragu viele Herzen am vergangenen Samstag. Als sie mit ihrer Rede die Demo gegen Rassismus in Magdeburg eröffnete, stand alles still, hörte zu, lernte. Danach marschierten 1.500 Menschen durch die Straßen Magdeburgs, um ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen. MDR SACHSEN-ANHALT wollte von Hannah Mugaragu wissen, wie sie die Demo erlebt hat und wie es jetzt weitergehen soll.

Hannah, wie kam es dazu, dass Sie die Eröffnungsrede gehalten haben?

Hannah Mugaragu: Es war uns sehr wichtig, dass nur Schwarze Menschen oder People of Color (PoC) den Raum bekommen zu sprechen. Weil uns die Symbolkraft wichtig war, dass weiße Menschen bei diesem Thema erst einmal nur zugehört haben. Und wir so Platz geschaffen haben, damit PoC ihre Meinungen äußern können, weil diese in unserer Gesellschaft oftmals nicht genug Raum bekommen. Und da hat es sich ergeben, dass ich die erste Rede hielt.

Wer sind PoC?

Nach dem Glossar der Neuen deutschen Medienmacher*innen ist People of Color eine Selbstbezeichnung von Menschen mit Rassismuserfahrung, die nicht als weiß, deutsch und westlich wahrgenommen werden und sich auch selbst nicht so definieren. PoC sind nicht unbedingt Teil der afrikanischen Diaspora, ursprünglich ist der Begriff unter anderem zur Solidarisierung mit Schwarzen Menschen entstanden. Schwarz und weiß sind dabei politische Begriffe. Es geht nicht um Hautfarben, sondern um die Benennung von Rassismus und Machtverhältnissen in einer mehrheitlich weißen Gesellschaft. Inzwischen wird häufiger von BPoC (Black and People of Color) gesprochen, um Schwarze Menschen ausdrücklich einzuschließen. Etwas seltener kommt hierzulande die Erweiterung BIPoC (Black, Indigenous and People of Color) vor, die explizit auch indigene Menschen mit einbezieht. Singular: Person of Color.

Unsicher im politisch korrekten Sprachgebrauch?

Hier finden Sie ein Glossar für diskriminierungssensible Sprache. 

Wie haben Sie denn persönlich die Demo erlebt?

Eine große Gruppe Menschen mit Protestschildern auf dem Magdeburger Bahnhofsvorplatz, eine Frau in Warnweste spricht
Hannah Mugaragu auf dem Vorplatz des Magdeburger Hauptbahnhofs, wo sie die Demo eröffnete. Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Ich persönlich war total geflasht davon, dass wirklich so viele Menschen gekommen sind. Damit haben wir wirklich nicht gerechnet. Und auch von vorherigen Demonstrationen war man das nicht gewöhnt. Wir haben uns sehr gefreut, dass wir es geschafft haben, so viele Menschen zu mobilisieren, was wahrscheinlich auch daran lag, dass deutschlandweit ein Aufschrei wegen der Tötung George Floyds stattgefunden hat. Und das hat sehr viel Mut gemacht und mich empowert (zu deutsch: ermutigt) das zu sehen.

Theoretisch hätten wir wegen Corona mit so vielen Menschen nicht laufen dürfen. Wir standen auch die ganze Zeit mit der Versammlungsbehörde im Kontakt. Eigentlich waren nur 100 Leute für die Laufdemo zugelassen, auf dem Domplatz waren 300 genehmigt. Das sahen wir ein bisschen kritisch, weil in anderen Städten viel mehr Menschen zugelassen waren. Da haben wir uns gefragt, warum ist die Stadt Magdeburg oder eher die Versammlungsbehörde so restriktiv?

Das haben wir aber vor Ort noch neu regeln können. Wir haben den Zug in 100-Personen-Gruppen aufgeteilt, damit man einen Überblick hat, dass die Leute Abstand halten, dass sie ihren Mundschutz tragen. Das haben wir auch immer wieder durch Lautsprecher durchgesagt. So viel erstmals zu dem Organisatorischen.

Das ist Hannah Mugaragu

Hanna Mugaragu ist 24 Jahre alt. In Magdeburg lebt sie seit dreieinhalb Jahren. Hier studiert sie Medizin an der Otto-von-Guericke-Universität. Ursprünglich kommt Hannah aus Berlin. Seit Oktober 2019 engagiert sie sich bei der Seebrücke Magdeburg. Davor war sie im Mediennetz Magdeburg e. V. aktiv. Wie sie selbst erzählt, geht es ihr darum, anderen Menschen zu helfen und politischen Diskurs mitzugestalten. Die Demo in Magdeburg hat sie mitinitiiert. Dabei gehe es ihr weniger um sich selbst oder einzelne Geschichten als um die Strukturen.

Warum sind solche Tage wie der vergangene Samstag wichtig?

Einerseits, um das Gesicht zu zeigen, um Aufmerksamkeit zu erregen, um Druck auf die Politik auszuüben. Andererseits auch als Empowerment für Schwarze Menschen. Sie sehen, ok, so viele Menschen sind für diese Sache auf die Straße gegangen. Wir fühlen uns oft unsicher und erleben viel Rassismuserfahrungen, aber trotzdem gibt es auch Menschen, die zu uns halten oder für uns einstehen würden.

Warum richtete sich die Demo explizit gegen rassistische Polizeigewalt? Rassistische Gewalt ist ja ein größeres Thema.

Definitiv gibt es auch viel rassistische Gewalt, die nicht von Polizisten ausgeht. Aber man muss ja einen anderen Anspruch haben. Alle Staatsgewalten sind dazu verpflichtet, alle Bürger zu schützen. Der Fall Oury Jalloh ist sehr, sehr lange her und ist immer noch nicht aufgeklärt. Aber es ist ja nicht der einzige Fall. Die Liste ist lang. Es gibt sehr viele Opfer von rassistischer Polizeigewalt, auch in Deutschland.

Und ich finde es sehr traurig, dass es ein Video brauchte, von einer Schwarzen Person, wie sie getötet wurde, was viral gegangen ist, damit diese Debatte angestoßen wird. Warum haben wir diese Debatte nicht nach Hanau geführt? Das hat nichts mit Polizeigewalt zu tun. Man kann sich aber definitiv fragen, warum braucht es ein Video von einem Mord, wo man wirklich nichts mehr abstreiten kann? Und warum müssen Menschen zu Tausenden und Zehntausenden auf die Straße gehen, damit die Verantwortlichen zur Verantwortung gezogen werden. Warum gibt es so viele, die einfach weiterarbeiten können? Warum gibt es so viele, die nur gefeuert werden, aber keine juristischen Konsequenzen erfahren?

Gegen Rassismus Magdeburg beteiligt sich an weltweiten Black-Lives-Matter-Protesten

In Magdeburg haben mehr als tausend Menschen gegen Rassismus und Polizeigewalt demonstriert. Anlass war der gewaltsame Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis in den USA.

Drei junge Menschen mit Schutzmasken und Pappschildern auf dem Bahnhofsvorplatz in Magdeburg
In Magdeburg haben Menschen gegen Rassismus und Polizeigewalt demonstriert. Ein Bündnis aus den Organisationen Solidarisches Magdeburg, Seebrücke
Magdeburg, Fridays for Future und der Sozialistischen Jugend
Deutschlands-Die Falken hatte zu der Veranstaltung aufgerufen.
"Weniger Rassismus ist immer noch Rassismus" stand auf einem Plakat.
Bildrechte: MDR/Olga Patlan
Drei junge Menschen mit Schutzmasken und Pappschildern auf dem Bahnhofsvorplatz in Magdeburg
In Magdeburg haben Menschen gegen Rassismus und Polizeigewalt demonstriert. Ein Bündnis aus den Organisationen Solidarisches Magdeburg, Seebrücke
Magdeburg, Fridays for Future und der Sozialistischen Jugend
Deutschlands-Die Falken hatte zu der Veranstaltung aufgerufen.
"Weniger Rassismus ist immer noch Rassismus" stand auf einem Plakat.
Bildrechte: MDR/Olga Patlan
Zwei junge Frauen mit Pappschildern auf dem Bahnhofsvorplatz in Magdeburg: Same Shit Different Century und I can’t believe I still have to protest for this
"Ich kann nicht glauben, dass ich deswegen immer noch zum Protest muss." und "Gleiche Scheiße, anderes Jahrhundert" steht auf Englisch auf den Protestschildern dieser Frauen. Bildrechte: MDR/Olga Patlan
Eine große Gruppe junger Menschen auf dem Magdeburger Bahnhofsvorplatz
Zahlreiche Menschen hatten sich am Magdeburger Hauptbahnhof versammelt. Die geplante Demonstrationsroute verlief über die Otto-von-Guericke-Straße zum Hasselbachplatz und über den Breiten Weg zum Domplatz. Wegen der Corona-Beschrämnkungen sollte der Demonstrationszug je in Gruppen von 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern erfolgen. Bildrechte: MDR/Olga Patlan
Zwischen einer großen Gruppe stehen ein Mann, ein Mann, eine Frau und ein Junge mit Mundschutzen und einem Black-Lifes-Matter-Schild
Die Veranstalter, der Seebrücke-Verein, hatte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf Twitter dazu aufgerufen, Mund- und Nasenschutz zu tragen und Abstand zu halten. Bildrechte: MDR/Olga Patlan
Demo BLM MD (1) Drei junge Menschen mit Schutzmasken und Pappschildern auf dem Bahnhofsvorplatz in Magdeburg  Demo BLM MD (2) Zwei junge Frauen mit Pappschildern auf dem Bahnhofsvorplatz in Magdeburg: Same Shit Different Century und I can’t believe I still have to protest for this Demo BLM MD (3) Eine große Gruppe junger Menschen auf dem Magdeburger Bahnhofsvorplatz  Demo BLM MD (4) Eine große Gruppe Menschen mit Protestschildern auf dem Magdeburger Bahnhofsvorplatz  Demo BLM MD (5) Eine große Gruppe Menschen mit Protestschildern auf dem Magdeburger Bahnhofsvorplatz mit einem Banner: Gib Antikommunismus, Faschismus, Rassismus & Antisemitismus keine Chance Demo BLM MD (6) Eine große Gruppe Menschen mit Protestschildern auf dem Magdeburger Bahnhofsvorplatz, eine Frau in Warnweste spricht Demo BLM MD (7) Eine große Gruppe Menschen mit Protestschildern auf dem Magdeburger Bahnhofsvorplatz, eine schwarze Frau in Warnweste spricht Demo BLM MD (8) Eine große Gruppe Menschen mit Protestschildern auf dem Magdeburger Bahnhofsvorplatz Demo BLM MD Zwischen einer großen Gruppe stehen ein Mann, ein Mann, eine Frau und ein Junge mit Mundschutzen und einem Black-Lifes-Matter-Schild
Eine Rednerin sagte auf dem Bahnhofsvorplatz, Rassismus sei auch in Deutschland ein Problem. Sie sprach im Folgenden unter anderem über den Tod von Oury Jalloh in einer Polizeizelle in Dessau. Bildrechte: MDR/Olga Patlan
Eine große Gruppe Menschen mit Protestschildern auf dem Magdeburger Bahnhofsvorplatz, eine Frau in Warnweste spricht
Auf Twitter schreiben die Veranstalter "Seebrücke Magdeburg": "Wir fordern kämpferische Entschlossenheit, Solidarität mit Betroffenen und die Abschaffung rassistischer Strukturen in unserer Gesellschaft." Bildrechte: MDR/Olga Patlan
Eine große Gruppe Menschen mit Protestschildern auf dem Magdeburger Bahnhofsvorplatz mit einem Banner: Gib Antikommunismus, Faschismus, Rassismus & Antisemitismus keine Chance
Auf einem Banner der Demonstrierenden am Hauptbahnhof steht: "Gib Antikommunismus, Faschismus, Rassismus & Antisemitismus keine Chance." Bildrechte: MDR/Olga Patlan
Eine große Gruppe von Menschen geht in Magdeburg vom Bahnhof Richtung Hasselbachplatz
Für die Demo angekündigt waren 100 Personen, erschienen sind rund 1.500. Bildrechte: MDR/Olga Patlan
Die Front eines Protestzugs mit dem Banner I can’t breathe Black Lives Matter
Die Veranstaltung fand unter dem Titel "I can't breathe", auf deutsch "Ich kann nicht atmen", statt. Der Amerikaner George Floyd hatte diese Worte kurz vor seinem Tod wiederholt, während ihm ein Polizist auf dem Nacken kniete. Der Tod des Mannes war Auslöser für die weltweiten Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt. Bildrechte: MDR/Olga Patlan
Demonstrierende knien auf dem Domplatz einige mit einer Faust gen Himmel und Plakaten
Auf dem Domplatz gab es fünf Schweigeminuten. Bildrechte: MDR/Olga Patlan
Der Domplatz in Magdeburg ist zur Hälfte mit Demonstrierenden gefüllt
Nach Angaben der Polizei haben rund 1500 Menschen an den Demonstrationen teilgenommen. Auf dem Domplatz haben sie gemeinsam fünf Minuten geschwiegen.

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 06. Juni 2020 | 16:00 Uhr

Quelle: MDR/jh
Bildrechte: MDR/Olga Patlan
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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 06. Juni 2020 | 16:00 Uhr

Ich war für die Berichterstattung bei der Demo dabei und bin leicht aufgeschreckt, als es bei den Reden am Domplatz hieß, dass Schwarze Menschen nach vorn kommen sollen und die weißen nach hinten. Ist diese Art von Trennung an der Stelle sinnvoll?

Dazu muss ich sagen, dass es ein Phänomen ist, dass weiße Menschen darüber stolpern und einen inneren Widerstand spüren, wenn sie explizit als weiß bezeichnet werden. Ich würde die Menschen anregen, zu überlegen, woher kommt das? Warum fühlst du dich dadurch irgendwie angegriffen oder persönlich beleidigt?

Viele Menschen sagen dann immer: "Aber für mich spielt es keine Rolle. Ich sehe gar keine Farben und Menschen sind doch alle Menschen." Aber das ist nicht förderlich in diesem Kampf, weil man damit die Augen verschließt, vor dem Problem, das trotzdem immer noch da ist. Also nur, weil du das vielleicht so für dich nicht mehr siehst, heißt das nicht, dass es diese Probleme nicht gibt. Und damit negiert man im Prinzip auch die Lebensrealitäten von Schwarzen Menschen und ihre Rassismuserfahrungen, wie sie sie täglich erleben. Dass es die Unterschiede nicht gibt, kannst du nur sagen, weil du damit keinen Kontakt hast als weiße Person.

Wozu ich weiße Menschen ermutigen möchte, ist, dass sie sich nicht immer direkt persönlich angegriffen fühlen. Es geht in dem Fall nicht um dich als einzelne Person. Du hast nichts falsch gemacht. Wie ich es schon meinte, wir sind alle rassistisch sozialisiert worden. Wir müssen nur viel Arbeit leisten, um das abzubauen, auch, um unsere internalisierten Denkmuster abzubauen. Und manchmal ist es wichtig, weiße Menschen auch mal vor den Kopf zu stoßen, weil man damit, manchmal auch mehr Denkprozesse anstößt, wenn man das schafft, dass sie nicht komplett abblocken.

Wenn Sie ein Fazit zu der Demo ziehen müssten, was wäre das?

Dass Magdeburg eine große antirassistische Basis hat. Also auch wenn wir hier oder generell der Osten Deutschlands ein bisschen rechts manchmal eingeordnet wird, so hat es doch gezeigt, dass viele Leute sich antirassistisch positionieren und auch, dass sie dafür auf die Straße gehen, dafür Gesicht zeigen.

Viele hatten auch Schilder und Plakate dabei. Das zeigt, dass sie nicht einfach vorbeigekommen, sondern sich dafür ein wenig Mühe gemacht haben. Wir haben Schwarzen Menschen Raum geschaffen, um zu reden. Und ich finde, wir haben damit einen ganz schön großen Meilenstein gelegt, um jetzt weiter antirassistische Arbeit in Magdeburg groß zu schreiben oder auch konkreter anzugehen.

Was würde das denn konkret heißen?

Also Rassismus ist ja nicht so einfach zusammenzufassen. Das ist ein komplexes Thema und zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten.

Viele Menschen mit einem Banner auf dem Domplatz in Magdeburg
Am vergangenen Samstag haben 1.500 Menschen auf dem Domplatz gegen Rassismus demonstriert. Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Zum Beispiel sieht man im Schulsystem, dass die deutsche Kolonialgeschichte immer noch nicht gelehrt wird und nicht-weiße Kinder strukturell benachteiligt werden und einfach durch eine andere Erwartungshaltung, nicht die gleiche Förderung und keine Chancengleichheit erfahren.

Auf der anderen Seite geht es um das, was man als Alltagsrassismus bezeichnet. Das Wort ist irgendwie sehr harmlos. Aber es ist eigentlich ein tiefgreifendes Problem. Wir wollen auch an jede einzelne Person appellieren, dass das Thema in die Köpfe der Menschen kommt, dass jeder sich auch mit seinem eigenen Rassismus auseinandersetzt und auch lautstark ist.

Wenn Leute in der Straßenbahn angepöbelt werden, nicht wegzuschauen, wenn Familienmitglieder sich rassistisch äußern, die Konfrontation zu suchen, sich auch selbst mit seinem eigenen Weißsein auseinanderzusetzen und mit seinem eigenen rassistischen Denkverhalten beschäftigen, was wir alle in uns haben, weil wir alle gleich sozialisiert wurden in dieser rassistisch geprägten Gesellschaft.

Was könnte denn jeder einzelne tun, damit unsere Gesellschaft weniger rassistisch wird?

Im ersten Schritt: Beschäftige, dich mit deinem eigenen Rassismus. Lerne dazu und bilde dich weiter in dem Gebiet. Es gibt viele Möglichkeiten der kostenlosen Bildungsangebote. Zum Beispiel das Buch "exit RACISM" von Tupoka Ogette oder auch "Was weiße Menschen über Rassismus nicht hören wollen, aber wissen sollten" von Alice Hasters.

Der zweite Schritt: Positioniere dich klar gegen Rassismus, auch wenn du damit manchmal Konfrontationen heraufbeschwörst.

Der dritte Schritt: Höre Schwarzen Menschen und nicht-weißen Menschen zu. Sie sind schon seit Jahrzehnten und seit Jahrhunderten dabei, antirassistische Arbeit zu machen. Aber sie werden sehr wenig gehört. Also gib den Menschen eine Plattform, wie dieses Interview. Repräsentation ist wichtig, auch von den Medien.

Aber ich bin zum Beispiel eine lightskinned Frau, das heißt, ich bin sehr hellhäutig. Ich bin halb deutsch, halb ruandisch. Es gibt aber auch sehr dunkelhäutige Frauen. Und gerade sie müssen in deutschen Medien mehr Aufmerksamkeit bekommen.

Vielen Dank für das Interview.

Sie sind von Rassismus oder Diskrimienierung betroffen?

Dann melden Sie sich bei der Antidiskriminierungsstelle des Landes Sachsen-Anhalt. Das Formular finden Sie hier.

Quelle: MDR/pat

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 06. Juni 2020 | 17:00 Uhr

25 Kommentare

Denkschnecke vor 8 Wochen

Der Slogan "all lives matter" (in korrektem Englisch, sic) ist zynisch, weil er Dunkelhäutigen sagt: Es gibt kein Problem, stellt Euch nicht so an. Wenn das einfacher wäre, würde ich Ihnen ja empfehlen, mal durch die Augen eines nicht nordeuropäisch aussehenden Menschen die Welt zu erleben. Natürlich sind alle Menschen wichtig, aber bei manchen gibt es eben kein Akzeptanzproblem.

Copper vor 9 Wochen

@Kuddel, doch genau das tue ich. Sie finden es also glaubwürdig wenn über 100.000 deutschlandweit wegen George Floyd auf die Straße gehen aber wegen Michael Brown, Stephon Clark oder Oscar Grant exact Null ?

sorglos vor 9 Wochen

Oh nein, er verstümmelt die Origialquellen nicht! Er hat hinten im Buch ein Literaturverzeichnis, wo man die Quellen nachschauen und sich besorgen kann. Die Titel sind alle frei verfügbar. Und noch eins: Als Sarrazins erstes Buch raus kam, gab es bashing ohne Ende - bereits einen Tag später. Selbst die Kanzlerin mußte damals zugeben, dass sie es nicht gelesen hat. Also: selbst lesen und eigenes Urteil bilden oder den Mund halten!

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