Vom Jungen zur Frau Wie Jenny für die Akzeptanz von transidenten Menschen kämpft

Jenny wurde als Junge geboren. Seit rund zehn Jahren ist sie aber eine Frau. Heute hilft sie transidenten Menschen, den schweren Weg vom einen Geschlecht ins andere zu gehen – und hofft, dass Anfeindungen und Beleidigungen irgendwann der Vergangenheit angehören.

Porträtaufnahme einer Frau
Jenny setzt sich für transidente Menschen ein. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Jenny ist 29 Jahre alt und lebt in Magdeburg. Doch Jenny hieß nicht immer Jenny. Denn: Sie ist transident, wurde als Junge geboren. Seit zehn Jahren aber lebt sie als Frau. Und als solche setzt sie sich für die Akzeptanz von transidenten Menschen ein. Transident bedeutet, dass Menschen sich nicht mit dem Geschlecht, in dem sie geboren worden sind, identifizieren. Jennys Ziel: Beleidigungen und Diskriminierung sollen der Vergangenheit angehören.

Jenny hat in ihrer Kindheit beides erlebt. Dass "irgendetwas nicht richtig ist", hat sie nach eigenen Worten bemerkt, als sie sieben Jahre alt war. Damals wuchs in Jenny der Wunsch, ein Mädchen zu sein. "Das war eine sehr krasse Zeit", erinnert sie sich. "Ich musste mit vielen Anfeindungen leben, wurde oft ausgelacht, wurde als Außenseiter gesehen. Ich wurde belächelt. Die Menschen haben gesagt: Irgendwann ist die wieder ein Junge."

Jenny ist allerdings eine Frau. Auch heute noch. Und die 29-Jährige ist froh, dass das so ist. Jenny geht selbstbewusst durch ihr Leben. Und: Sie hilft Menschen, die sich wie sie früher im falschen Körper fühlen. Einer dieser Menschen ist Sascha, der gerade den Weg von einer Frau zum Mann durchmacht.

Er sagt, dass ihm Jennys Hilfe eine "ganze Menge" bedeutet. Jemand, der all das selbst durchmachen musste, sei natürlich der perfekte Ansprechpartner, sagt Sascha.

Ich gehe sehr offen mit meiner Transsexualität um, weil ich anderen Menschen Mut machen will, ihren eigenen Weg zu gehen, sie selbst zu sein – egal, was andere Menschen sagen.

Jenny
Porträtaufnahme einer Frau, die vor einer Kamera sitzt
Auf Youtube berichtet Jenny von ihren Erfahrungen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Seit einigen Jahren berichtet Jenny auf Youtube von ihren Erfahrungen. In ihrem Kanal erzählt sie in Videos von ihrer Geschichte, will anderen Mut machen. Anfangs wollte sie mit dem Kanal ihren eigenen Weg dokumentieren, sagt sie. Heute wird sie angespornt von dem Gedanken, anderen Menschen Mut zu machen, "auch den Weg zu gehen". Denn: Offizielle Beratungsstellen für transidente Menschen gibt es in Sachsen-Anhalt nicht.

Ihr Wunsch für die Zukunft? "Dass die Menschen nicht mit so vielen Vorurteilen an das Thema Transidentität rangehen und uns einfach wie normale Menschen behandeln". Wenn Menschen wie Jenny einfach so angenommen werden, wie sie sind, dann tue das schließlich niemandem weh, sagt die 29-Jährige und ergänzt: "Das ist mein Wunsch."

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Vor dem Badspiegel.
Bildrechte: BR

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 18. April 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. April 2019, 14:55 Uhr

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18 Kommentare

21.04.2019 14:38 Lügendetektor 18

@EmmaK(17)
"Transsexualität hat nichts, aber auch gar nichts mit Sex im Bett, auf dem Küchentisch oder im Kühlschrank zu tun."

Schon klar. Das wird auch im Artikel so nicht gesagt. Aber das ist m.W. trotzdem das Problem des Wortes "Transsexualität", das Menschen das wegen des Wortes "sexualität" mit sexuellen Präferenzen in einen Topf werfen.

Ich finde Ihre Sichtweise zu den Begriffen Transsexualität und Transidentität interessant. Für mich waren das zwei Worte für dasselbe, wobei "Transsexualität" wie gesagt oft völlig missverstanden wird. Ich frage mich nur grad wie der Körper mit dem Hirn ein Problem hat, was Sie als "Transidentität" in Abgrenzung zu "Transsexualität" bezeichnen. Ich will nich klugsch**n, aber der Aspekt leuchtet mir nicht ein.

21.04.2019 13:42 EmmaK 17

Hallo Lügendetektor.
Transsexualität hat nichts, aber auch gar nichts mit Sex im Bett, auf dem Küchentisch oder im Kühlschrank zu tun. Auch nicht mit der sexuellen Orientierung.
Geschlecht ist nicht das, was man sieht, sondern das was vor der Geburt schon im Gehirn als Programm abgelegt wurde. Ich hatte also immer ein Problem mit meinem männlichen Körper (Transsexualität) und nicht mein Körper mit meinem Gehirn (Transidentität).
Das waren, sind und werden immer 2 unterschiedliche Begriffe sein, die bedauerlicherweise im gleichen Zusammenhang genannt werden.
Schöne Ostern.

21.04.2019 13:27 EmmaK 16

Hallo,
@Walter: Aus der Schweiz weiß man, dass es auf 8,5 Mill. Einw. etwa 40.000 transsexuelle Personen gibt. Hochgerechnet auf Deutschland wären das ca. 320.000 Menschen. Und sind wesentlich mehr als Deine 0,001%. Wir sind eine Minderheit, haben aber auch ein Recht darauf gehört und respektiert zu werden — und zwar so wie wir sind.
@Harris: Was soll die Bemerkung wegen Hetero? Ich war ein heterosexueller Mann, jetzt bin ich eine lesbische Frau und lebe in einer solchen Beziehung. Irgendwelche Probleme damit?
Schöne Ostern.