Gründung vor 70 Jahren Großes Jubiläum im Zoo Magdeburg

Die Jubiläumsfeier zum 70. Geburtstag fällt im Magdeburger Zoo in diesem Jahr bescheiden aus. Aber das ist den mehr als 1.000 tierischen Bewohnern wahrscheinlich egal, Hauptsache es geht ihnen gut. Dafür machen sich täglich die knapp 90 Mitarbeiter des Zoos stark. 70 Jahre, fast ein Menschenleben, da ist viel passiert.

Schwarz-weiß-Aufnahme Besucher in Zoo
Der Zoo Magdeburg hat einge lange Geschichte, hier ein Bild von 1960. Bildrechte: Stadtarchiv Magdeburg

Im Sommer 1950 sind die Magdeburger gerade noch beim Aufatmen nach den Kriegswirren, da wollen sie auch mal durchatmen – am besten in einem Heimattiergarten – so heißt der Zoo Magdeburg zur Eröffnung noch ganz bescheiden. Und dass es ihn überhaupt gibt, ist vor allem ein Zeichen für die Durchsetzungskraft von Menschen, die sich gegen Schicksalsschläge stemmen.

Denn schon 1930 hatte sich Ornithologe Alfred Hilprecht für einen Tierpark in Magdeburg stark gemacht, wurde aber durch den Zweiten Weltkrieg ausgebremst. Also neuer Anlauf: Baumaterialien und Geld sind knapp, aber nicht der Enthusiasmus der Magdeburger.

Im Vogelsang-Park eröffnet Hilprecht am 21. Juli 1950 den neuen Tiergarten. Die Tageszeitung berichtet damals eher verhalten. Der Grund: der gleichzeitig stattfindende III. SED-Parteitag, der brauchte mehr Platz.

Blick ins Archiv: von den Anfängen des Magdeburger Zoos

Schwarz-weiß-Aufnahme Menschen am Eingang des Zoos
Der alte Haupteingang mit sozialistischer Losung Bildrechte: Stadtarchiv Magdeburg
Schwarz-weiß-Aufnahme Menschen am Eingang des Zoos
Der alte Haupteingang mit sozialistischer Losung Bildrechte: Stadtarchiv Magdeburg
Schwarz-weiß-Aufnahme Menschenansammlung
Eröffnung des Tiergartens 1950 Bildrechte: Stadtarchiv Magdeburg
Schwarz-weiß-Aufnahme Männer bauen Zäune
1950: Erste Gehege werden gebaut Bildrechte: Stadtarchiv Magdeburg
Schwarz-weiß-Aufnahme Fachwerkhaus mit Wintergarten
Wirtschaftsgebäude auf dem Zoo-Gelände Bildrechte: Stadtarchiv Magdeburg
Schwarz-weiß-Aufnahme Besucher in Zoo
Der Zoo in den 1950ern Bildrechte: Stadtarchiv Magdeburg
Schwarz-weiß-Aufnahme Besucher in Zoo
1950er-Jahre: Zoo-Besucher bleiben staunend vor einem Gehege stehen. Bildrechte: Stadtarchiv Magdeburg
Zeichnung Magdeburger Tiergarten 1951
Der Zooplan von 1951

Dieses Thema im Programm:
MDR vor Ort | 10. Oktober 2020 | 16:00 Uhr

Quelle: MDR/agz
Bildrechte: Stadtarchiv Magdeburg
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Kuchenmehl- und Margarine-Sponsoring im Zoo

Aus dem Tiergarten wird 1959 ein ordentlicher Zoo, auch immer mehr tierische Bewohner ziehen ein. Die plüschigen Bärenbabys verzücken die Besucher genauso wie die schwergewichtigen Elefanten … die bekommen 1967 ein neues zu Hause, das erste große Warmhaus in der DDR. Hier ziehen auch "Sonja" und "Kati" ein. Die zwei Elefantenkühe erhalten ihre Namen übrigens nach Zutaten aus der Küche - Sponsoring im Zoo nennt man das. Doch nach der Freude 1971 dann Pockenalarm bei den Elefanten – Sonja und Kati überleben das nicht.

Ab den 1970er-Jahren sind die Spitzmaulnashörner ständige Bewohner des Zoos: Denen muss es wohl so gut hier gefallen haben, dass es 1979 Nachwuchs gibt. Und das ist spektakulär, es ist die erste Spitzmaulnashorn-Geburt in der DDR überhaupt.

Fast gescheitert: Europas modernstes Giraffenhaus

Erdmännchen sitzt auf einem Stein
Auf putzige Erdmännchen dürfen sich Zoo-Besucher auch freuen. Bildrechte: MDR/Heiko Cinibulk

Dann die wohl größte Gemeinschaftsaktion in der Zoo-Geschichte: In nur 80 Stunden soll 1991 ein Giraffenhaus gebaut werden, das modernste Europas sogar. Dahinter steckt die Fernseh-Mitmachshow "Jetzt oder nie!". Kurz vor dem Ziel kracht ein Baukran aufs neue Dach. Aufgeben? Nein Und so gibt es nach 111 Stunden ein Happy End für die Langhälse.

Artgerechte Tierhaltung, soweit es in Zoos möglich ist, ist ein Thema des Magdeburger Zoos. Die tierischen Bewohner sollen möglichst in natürlicher Umgebung mit viel Platz untergebracht werden. Die Gehege werden in den 1990er-Jahren neu entwickelt, nun gibt es auch Bereiche, die für Besucher nicht einsehbar sind, damit sich die Tiere auch mal zurückziehen können.

Es gibt auch Rückschläge: Das erst neugebaute Affenhaus macht im Jahr 2000 Probleme. Schimmel überall - wegen schlechter Belüftung. Falsch geplant und falsch gebaut, die extra dafür angeschafften drei Orang-Utans erkranken, zwei sterben wohl später an den Folgen.

Drei Tigerbabys geraten 2008 in die Schlagzeilen und Kai Perret, der siebente Magdeburger Zoodirektor. Er hat die neugeborenen Raubtierbabys einschläfern lassen, weil deren Vater kein reinrassiger Sibirischer Tiger war. Der Fall landet vor Gericht. Dieses verwarnt den Zoo-Chef seinerzeit.

Afrika kommt nach Magdeburg

2010 bekommen Zebras, Giraffen, Meerkatzen und Nashörner ein neues zu Hause: "Africambo" heißt es, und sieben Jahre später ist es komplett fertig gebaut.

Und wiedermal eine Nachwuchs-Sensation in Magdeburg – nach 22 Jahren in Deutschland bei den Krallenaffen. Die haben überhaupt eine lange Tradition in Magdeburg: Dafür ist dem früheren wissenschaftlichen Mitarbeiter und Ex-Zoo-Chef Michael Schröpel zu danken. Dessen Forschungen und Zuchterfolge machen den Magdeburger Zoo mit den putzigen Affen in den 1980er-Jahren schon international bekannt.

Mit mehr als drei Millionen Euro startet 2013 der Bau eines neuen Primatenhauses. Doch bevor die Schimpansen hier einziehen können, gibt es Ärger: Anwohner beschweren sich. Also wird der Bau wegen mangelnder Lärmschutzmaßnahmen gestoppt. Und damit das Geld nicht verfällt, wird aus dem Affenhaus ein Tropenhaus.

Frau mit zwei Zootieren auf dem Schoß
Susi Brandt begeistert in der Madagascar-Anlage Bildrechte: MDR/Philipp Bauer

Magdeburger sind spendabel

Nur mit Spendengeldern, nämlich 120.000 Euro, wird die Madagascar-Anlage gebaut. Eröffnung ist 2014. Auch drei seltene weiße Löwen ziehen in den Zoo ein. Zwei Jahre später kommt ein neues Affenhaus dazu.

Es läuft also ganz gut im Magdeburger Zoo. Etliche Neubauten und moderne Gehege und Anlagen locken immer mehr Besucher hierher. Mehr als 300.000 kommen jedes Jahr in den Magdeburger Norden – und das ist auch dem Zoochef zu verdanken. Doch immer öfter gerät Kai Perret in die Negativ-Schlagzeilen: dubiose Versicherungen, eigenmächtige Geschäfte, Kritik am Tierwohl sollen es gewesen sein – 2020 wird er freigestellt

Das Leben im Zoo geht aber weiter: mit guten Nachrichten – von den Luchsen zum Beispiel. Die haben in diesem Sommer Nachwuchs bekommen. Die Freude ist groß, denn schon vor 70 Jahren war der Luchs eines der ersten Tiere in Magdeburg – und ist bis heute das Wappentier des Zoos.

+++ Fakten aus dem Magdeburger Zoo +++

Die Tapire leben schon seit Millionen Jahren auf der Erde und haben sich seitdem kaum verändert. Der Tapir gehört zu den stark gefährdeten Tierarten. Und: Tapire pfeifen gern, damit verständigen sie sich. Die Tapire findet man im Magdeburger Zoo im Amazonienhaus.

Der Hyazinth-Ara ist ein Papagei, den man kaum übersehen kann. Er schimmert ganz blau und ist mit circa einem Meter der größte Papagei der Welt. Aber Vorsicht ist angebracht: Der blaue Riese hat eine Beißkraft von 250 Kilogramm, man findet ihn gleich neben den Gehegen mit den Krallenaffen.

Die Erdmännchen brauchen keine Brille, wenn sie in die Sonne gucken … sie haben dunkle Flecken um die Augen, die verhindern, dass sie von der Sonne geblendet werden. Ganz oben auf dem Speiseplan der Erdmännchen stehen giftige Schlangen und Skorpione – zumindest in freier Wildbahn. Vorsichtig müssen sie da bei der Jagd nicht mal sein, denn sie sind gegen die meisten Schlangen- und Skorpion-Gifte immun. Die Erdmännchen warten auf die Zoo-Besucher gleich am Eingang, an der Zoowelle.

Im Magdeburger Zoo wohnen auch Rote Pandas: Panda ist ein nepalesisches Wort und bedeutet "Bambus-Esser". Mehr als zehn Stunden pro Tag sind sie auf Futtersuche und wenn sie Bambus finden, wandern rund zwei Kilo davon in den Panda-Magen. Der Rote Panda selbst wiegt aber nur rund sechs Kilogramm. Der Webbrowser "Firefox" wurde übrigens nach dem Roten Panda benannt, denn die Chinesen bewundern das kleine Raubtier auch als "Feuerfuchs".

"Stormi" heißt die schmucke Tigerdame, die in der Sturmnacht auf den 22. Juni 2017 geboren wurde. Mutter "Kimberly" verstieß das Neugeborene und so wurde Zootierpflegerin Petra Oppermann zur Ersatzmutti. 14 Wochen lebte die Raubkatze bei Familie Oppermann. Lieblingsplatz war auf dem Wohnzimmersessel. Nun lebt "Stormi" in ihrem großen Gehege im Zoo, da versteckt sie sich auch mal vor neugierigen Besuchern. So muss das aber sein, denn die Tiere brauchen auch mal Rückzugsorte. Daher Tipp an die Besucher: einfach mal ein bisschen warten...

Tiger liegt im Gras
Tigerdame "Stormi" kam in einer stürmischen Sommernacht zur Welt. Bildrechte: MDR/Philipp Bauer

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Zwei erwachsene Frauen und ein Kind im Rollstuhl stehen vor der Scheibe eines Schimpansengeheges im Zoo Magdeburg und lächeln in die Kamera.
Ein Highlight für viele Zoobesucher in Magdeburg ist das Schimpansengehege. Schimpansendame Nana gilt als besonders interaktionsfreudig. Bildrechte: MDR/ Leonard Schubert

Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR vor Ort | 10. Oktober 2020 | 16:00 Uhr

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