Eine Gruppe Männer hält Schilder mit der Aufschrift Wir sind Enercon.
Protest am Montag auf dem Werksgelände in Magdeburg. Bildrechte: MDR/Hagen Tober

WEC-Turmbau GmbH Stellenstreichung: Keine Einigung bei Windenergie-Zulieferer

Der Magdeburger Zulieferer für den Windrad-Hersteller Enercon muss weit über 100 Stellen streichen. Grund sind ausbleibende Aufträge für die WEC-Turmbau GmbH. Eine Betriebsversammlung des Magdeburger Unternehmens ist am Montag ohne konkrete Zukunftspläne für die Beschäftigten zu Ende gegangen.

Eine Gruppe Männer hält Schilder mit der Aufschrift Wir sind Enercon.
Protest am Montag auf dem Werksgelände in Magdeburg. Bildrechte: MDR/Hagen Tober

"Wir sind Enercon", riefen die Männer mit Fahnen und Schildern, die am Montag auf ihrem Werksgelände protestierten – denn sie wollen bleiben. Doch es sieht nicht gut aus für die Mitarbeiter der Enercon Tochter WEC-Turmbau GmbH in Magdeburg. Von den 272 Mitarbeitern sollen 132 ihren Job verlieren. Eine Betriebsversammlung ist am Montag ohne konkrete Zukunftspläne für die Beschäftigten zu Ende gegangen. Ein Mitarbeiter sagte MDR SACHSEN-ANHALT, es sei viel geredet, aber wenig gesagt worden.

Ein gebasteltes Windrad mit der Aufschrift Arbeitsplätze erhalten
Mehr als 130 Arbeitsplätze werden beim Windenergie-Zulieferer wegfallen. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT

"Das ist reiner Kapitalismus, das kotzt mich an", ärgert sich ein Angestellter. Ein anderer ist erschüttert über das Ausmaß: "Wenn ich dann lese, dass bis zu 140.000 Arbeitsplätze im Endeffekt wegfallen könnten bei den ganzen anderen Zulieferern …" Bis September soll der Magdeburger WEC-Turmbau, der Windrad-Hersteller Enercon mit Türmen für Windkraftanlagen beliefert, Stellen streichen.

Weggefallene Förderung

Der Grund dafür ist, dass sich Enercon neu ausrichten will. Die Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz läuft aus und so geht es dem Windkraftunternehmen wirtschaftlich schlechter. Anfang des Monats hatte das ostfriesische Unternehmen Enercon angekündigt, sich stärker auf den internationalen Markt zu konzentrieren und bundesweit 835 Stellen zu streichen.

IG Metall-Sprecher Thomas Weber sagte MDR SACHSEN-ANHALT, Enercon hätte sich früher globaler aufstellen und auch stärker für den Weltmarkt produzieren müssen. Die Geschäftsleitung wollte sich nicht zu den Vorwürfen äußern. Auch WEC-Turmbau macht er Vorwürfe: Man hätte früher auf die rückläufigen Aufträge von Enercon reagieren müssen. Zwar habe WEC angekündigt, künftig Türme für Brücken zu bauen. Das sei aber zu spät erfolgt. "Das ist ein neuer Markt, in den der Betrieb vordringen möchte, und da muss man erst mal gucken, ob da überhaupt noch Platz ist", so Weber.

Die Gewerkschaft kämpft jetzt um angemessene Abfindungen und eine Transfergesellschaft für die mehr als 130 betroffenen Mitarbeiter. Für die verbliebenen Mitarbeiter soll es zum vierten Quartal in Kurzarbeit gehen.

Ein Mann mit Hemd und Brille
Thomas Weber von der IG Metall Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT

Quelle: MDR/lk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 20. August 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. August 2018, 20:07 Uhr

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27 Kommentare

23.08.2018 22:14 Sabrina 27

@ 21.08.2018 22:13 Meppen

Die Alternative ist nicht die Kernenergie.
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Die Alternative ist:
- Wohlstand mit weniger Arbeit und weniger Energie zu sichern
- Und - ganz wichtig - Erdgas und Erdöl als Energiequelle zu nutzen.
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Was man uns vorenthält, ist die Tatsache, dass Kohlenstoff aus dem Erdinneren kommt. Es verbrennt unter Hitze und Sauerstoff zu Kohlendioxid und tritt in Form von Kohlendioxid aus ober- und unterirdischen Vulkanen aus, ist größtenteils im Meer gespeichert und gast bei Erwärmung aus dem Meer aus. Das CO2 folgt der Erwärmung.
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Der andere Teil des Kohlenstoffs wird unter der Erde in Erdgas und Erdöl umgewandelt. Davon ist reichlich vorhanden, sozusagen kostenlos.
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Nur die Nutzbarmachung kostet Aufwand, aber weniger als bei Wind- und Solaranlagen.
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Wirtschaftliche Nutzung von Sonnenenergie ist Wasserkraft und Wald verfeuern. Aber eben limitiert.

22.08.2018 20:02 böse-zunge 26

'Wir sind Enercon' - Nein, seid ihr nicht.
Humankapital - in der nicht ganz so positiven Bedeutung.
Verbrauchsfähig, zur Abschreibung entschieden.
Bei den auf dem Belegschaftsfoto dargestellten Personen kann man bei gut 50% an den Staatsbürgerkundeunterricht erinnern - als bei der Dialektik der Systeme so gerne aus dem Fenster geschaut wurde.
Tja, nun ist man bei einer Therorie die 'in Echt' durchgespielt wird - live und in der 1. Reihe.
Zeit aufzuwachen.
In einer Subventionsblase handelt ein Unternehmen nicht in gesellschaftspolitischer Verantwortung - sondern in der Absicht möglichst viel vom 'Kuchen' abzubekommen.
Windernergie - kleistert die Landschaft zu, häckselt Flugtiere, wenn Schluß - dann Pech.
Atomenergie - baut mit Förderkohle AKW's, Rückbau dito ... aber den erzeugten Strom - Kasse auf, klingeling.
Und das kann beliebig erweitert werden.
Und, weil nächstes Jahr schon wieder ein Wahljahr ist, findet sich ne Lösung - nicht die beste, aber wenigstens irgendeine.

22.08.2018 13:23 André 25

Hallo Sabrina,

Die Gewerkschaften haben feste mitgeholfen, diese "Arbeitsplätze" zu propagieren, obwohl die genau wussten, da werden nur die Leute verheizt.

Das ist für mich schwer nachvollziehbar. Haben Sie Quellen für Ihre Behauptung, dass die Gewerkschaften die Leute wissentlich in Arbeitsplätze geschickt haben? Wahr ist, dass Enercon und insbesondere einige Personen sehr reich geworden sind. Wahr ist auch, dass Enercon sich über viele Jahre Betriebsräten und Gewerkschaften zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen verweigert hat. Richtig ist, dass die Gewerkschaften den Klimawandel nicht leugnen und regenerative Energien bejahen. Und zum Vorwurf der verheizten Leute - waren die Arbeitsbedingungen oftmals verbesserungswürdig. Aber dazu gehören auch immer 2 - die es machen und die es mit sich machen lassen. Solange Menschen bereit sind, unter diesen Bedingungen zu arbeiten, wird sich nichts ändern. Nur rettet der fehlende Mut keinen einzigen Arbeitsplatz.