Magdeburg Junge bei Kita-Ausflug ertrunken – Ermittlungen gegen Betreuerinnen

Nach dem Tod eines zweijährigen Jungen während eines Kita-Ausfluges an den Neustädter See in Magdeburg, wird gegen drei Betreuerinnen wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Das gab die Staatsanwaltschaft bekannt. Laut Obduktion ist das Kleinkind ertrunken.

Kuscheltiere, Kerzen und Spielzeug steht vor dem Tor zu einer Kindertagesstätte.
Kerzen, Blumen, Kuscheltiere – die Menschen sind geschockt und nehmen Anteil am Schicksal des verstorben Zweijährigen. Bildrechte: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa

Nach dem Verschwinden eines Zweijährigen bei einem Kita-Spaziergang und seinem anschließenden Ertrinkungstod wird gegen die Betreuerinnen ermittelt. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Magdeburg am Dienstag mitteilte, wird gegen drei mögliche Verantwortliche wegen fahrlässiger Tötung ermittelt.

Es werde geprüft, inwieweit die Kita-Mitarbeiterinnen Sorgfaltspflichten verletzten und nicht genug auf das Kind achteten. Die Obduktion in der Rechtsmedizin des Uniklinikums Magdeburg habe ergeben, dass der Zweijährige ertrunken ist.   

Junge bei Kita-Ausflug verschwunden

Der Junge war bisherigen Erkenntnissen zufolge am Freitag mit seiner Kita-Gruppe unterwegs gewesen und plötzlich verschwunden. Die Erzieherinnen hatten sein Verschwinden zunächst nicht bemerkt. Bei einer großangelegten Suche wurde das Kind schließlich leblos im Wasser des Neustädter Sees entdeckt. Trotz sofort begonnener Reanimationsmaßnahmen konnte nur noch der Tod festgestellt werden.

Die Anteilnahme ist groß

Ein Fahrzeug des Kriseninterventionsteams steht vor einer Kindertagesstätte.
Seelsorger sind für die Betroffenen da. Bildrechte: dpa

Unterdessen ist die Anteilnahme in Magdeburg groß. Vor der Kita am Neustädter See saßen viele Plüschtiere, Kerzen wurden abgestellt. An einem Zaun hingen Blumen, Herz-Luftballons und schriftliche Anteilnahmen.

Auch zwei Fahrzeuge des Kriseninterventionsteams parkten vor der Einrichtung. Seelsorger hatten bereits am Freitag, gleich nach dem Geschehen, Mitarbeiterinnen der Kita, Angehörige und Polizisten betreut.

Gewerkschaft fordert besseren Betreuungsschlüssel in Kitas

Nach dem Tod des kleinen Jungen fordert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft einen besseren Betreuungsschlüssel in Sachsen-Anhalts Kitas. Zurzeit sei im Schnitt eine Betreuerin für sechs Kinder verantwortlich. Sinnvoll sei hingegen ein Verhältnis von einer Betreuerin auf drei Kinder.

Zuletzt hatte Sachsen-Anhalt nach Daten des Statistischen Bundesamtes bundesweit die höchsten Betreuungsquoten bei Kindern unter drei Jahren. Allerdings bescheinigt die Bertelsmann Stiftung dem Bundesland gleichzeitig einen Verbesserungsbedarf hinsichtlich der Gruppengrößen und des Personalschlüssels (beides Stand: August 2020).

Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 06. Oktober 2020 | 19:00 Uhr

6 Kommentare

Machdeburjer vor 6 Wochen

Ganz genau! Da spielen dann Kinder am anderen Ende des Kindergartens am Zaun, während die Erzieherinnen am anderen Ende in einer Traube stehen und erzählen.
Das ist nicht ihre Aufgabe!! Sie sind nur dazu da, um auf die Kinder aufzupassen!!!
Da braucht nur mal jemand ein Kind über den Zaun ziehen!!!

Dieses Verhalten muss endlich aufhören!

Die Erzieherinnen und Erzieher sind dazu da, um für die Kinder da zu sein.
Nach der Arbeit können sie gern stundenlang quatschen.

Und wie 3 Erzieherinnen das Kind dort vergessen haben, kann sich jeder denken.
Schön gequatscht und zurück gewandert.

Tini vor 7 Wochen

Ich möchte nicht alle Erzieherinnen über einen Kamm scheren...aber hier sind gleich drei ihrer Aufsichtspflicht nicht nachgekommen. Ich gehe häufig an verschiedenen Kindergärten vorbei. Alles, was ich sehe, sind Kinder im Selbstspiel und Erzieherinnen, die die Köpfe zusammen stecken, erzählen und einfach kein Auge auf die Kinder werfen.

Thommi Tulpe vor 7 Wochen

Sicher wird es zu wenige Kita-Erzieher(innen) geben!? Sicher ist es selbst für Eltern unmöglich, sein Kind jede Sekunde "im Auge zu haben"!? Sicher sind auch Anfeindungen im Internet nicht gerecht und fair!? Aber die Frage sei dennoch erlaubt, wie das Geschehene durch ausgebildete Fachkräfte nicht verhindert werden konnte. Es ist dann völlig richtig, wenn Behörden ermitteln. Es gilt für Eltern und Fachkräfte, welchen wir als Eltern unsere Kinder anvertrauen müssen: Schon eine einzige Sekunde nicht richtig aufgepasst kann zu menschlichen Tragödien führen. Und genau das sollte - gerade in Bezug auf unsere Zukunft, welche unsere Kinder nun mal sind! - nie passieren!

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