Ausgetrocknetes Bach
Wo einst die Schrote langgeflossen ist, ist jetzt nur noch das ausgetrocknete Flussbett. Bildrechte: MDR/Christine Warnecke

Schrote in Magdeburg quasi tot Ökologe: "Die Hitze ist für kleine Gewässer tödlich"

Wasser ist Leben – somit sind viele kleine Bäche und Flüsse in Sachsen-Anhalt derzeit wortwörtlich tot. Viele kleine Biotope werden damit in ihrer Entwicklung um Jahre zurückgeworfen, wie das Beispiel der Schrote in Magdeburg zeigt. Wissenschaftler erforschen indes, wie Gewässer "klimasicher" gemacht werden können.

Christine Warnecke
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

von Christine Warnecke, MDR SACHSEN-ANHALT

Ausgetrocknetes Bach
Wo einst die Schrote langgeflossen ist, ist jetzt nur noch das ausgetrocknete Flussbett. Bildrechte: MDR/Christine Warnecke

Seit 25 Jahren beobachtet Volker Lüderitz Flüsse und Gewässer wie die Schrote, die der Börde entspringt und quer durch das Magdeburger Stadtfeld fließt. Normalerweise. Denn die Schrote gibt es derzeit nicht. Der kleine Bach ist ausgetrocknet, das Kopfsteinpflaster des Flussbetts liegt blank. Nur Sand, Zweige und Eicheln knacken und knirschen unter Lüderitz' Sandalen. "Das zweite Jahr in Folge ist es so heiß und im Winter hatten wir wenig Niederschlag – das Wasser fehlt praktisch doppelt", resümiert der Gewässerökologe der Hochschule Magdeburg-Stendal.

Normalerweise misst er hier an der Schrote, an der Ecke Goethestraße/Olvenstedter Straße, mit seinen Studenten, bestimmt etwa den ph-Wert und zählt Tierarten. Was er in diesem Jahr feststellt, überrascht selbst ihn:

Dass die Trockenheit und Hitze so stark in den Wasserhaushalt eingreifen, hätte ich mir vor ein paar Jahren noch nicht denken können.

Volker Lüderitz, Gewässerökologe

Positive Entwicklung – eigentlich, bisher

Wie viele kleine Gewässer in Sachsen-Anhalt, hat auch die Schrote eigentlich eine gute Entwicklung gehabt: "Als wir hier vor 25 Jahren angefangen haben zu messen, schwammen noch Schaumkronen auf dem Wasser", erklärt Lüderitz. "Durch die hohe Abwasserbelastung war kein höheres Leben möglich, nur Mikroorganismen wie Bakterien und Pilze waren zu finden, vielleicht noch Zuckmücken-Larven. Das hat sich geändert, wir haben hier auch Wasserkäfer, Libellen und Köcherfliegen, also anspruchsvollere Wasserorganismen, beobachtet. Dieses Jahr aber praktisch nicht mehr, weil das Biotop zerstört worden ist."

Ein Mann steht im Flussbett eines ausgetrockneten Bachs.
Volker Lüderitz, der im einstigen Flussbett der Schrote in Magdeburg steht. Bildrechte: MDR/Christine Warnecke

Flächendeckendes Problem

25 Tierarten haben er und seine Studenten an der Schrote gezählt. Andere Fließgewässer weisen das Vier- oder Fünffache auf. Für ein städtisches Gewässer seien 25 aber schon "ganz gut, nicht gut, aber besser als bisher", erklärt Lüderitz. "Diese bescheidenen Erfolge wurden nun aber durch die Dürre zunichte gemacht." Bis sich die Tiere wieder ansiedeln, dauere es Jahre. Und nicht nur der Schrote gehe es so, sondern eigentlich allen kleinen Flüssen in Nord-, Mittel- und Ostdeutschland. Aus den Qualitätsproblemen wurden Quantitätsprobleme.

Wie werden Gewässer "klimasicher"?

Viel könne man noch nicht dagegen tun, sagt Volker Lüderitz. An der Hochschule forscht er auch dazu, wie Gewässer "klimasicher" gemacht werden können. "Den hydrologischen Normalzustand wiederherzustellen, zu renaturieren, hilft immer – im Fall der Schrote wäre das etwa, die Steine aus dem Flussbett zu entfernen und Erlen und Weiden an den Ufern wachsen zu lassen". Gegen die aktuelle Trockenheit sei das zwar auch nicht das Allheilmittel, aber Vegetation ans Wasser zu bringen verhindere eine schnelle Verdunstung des Wassers.

Wie genau "Klimasicherheit" aussieht, werde noch erforscht. Grundsätzlich gehe es aber um eine stärkere Beschattung und eine Erhöhung des Grundwasseranteils, weil das kühl ist. "In der Vergangenheit sind Landschaften überall, nicht nur in Städten, stark entwässert worden. Heute fehlt uns das", meint Lüderitz. Bisher ist noch kein Fluss komplett renaturiert worden. An der Nuthe bei Zerbst, an der Rossel bei Rosslau und der Ihle bei Grabow gebe es aber Maßnahmen, so Lüderitz.

Christine Warnecke
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über die Autorin Christine Warnecke ist gebürtige Niedersächsin und arbeitet seit September 2017 bei MDR SACHSEN-ANHALT für die Radio- und Online-Redaktion, insbesondere das Studio Magdeburg. Davor hat sie in Praktika bei der Bild-Zeitung Hannover, bei Radio mephisto 97.6 und der Zeitung "Costa del Sol"-Nachrichten in Spanien Erfahrung gesammelt. Sie studierte Journalistik an der Universität Leipzig und volontierte bei der Neuen Westfälischen Zeitung in Bielefeld. Nach diesem Abstecher in den Teutoburger Wald fühlt sie sich nun fast überall nahe der elbischen Fluten wohl.

Quelle: MDR/pat

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 28. August 2019 | 12:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. August 2019, 14:52 Uhr

4 Kommentare

Manfred R. vor 11 Wochen

Hochgespielt? Echt jetzt?? Im Magdeburger Florapark Garten ist der komplette See ausgetrocknet. Da können auch keine Enten mehr nisten. Es ist bestürzend soetwas ansehen zu müssen.

Lu Tze vor 11 Wochen

Der Bach ist weg...Seit 2 Jahren. Das ist Fakt. Was soll daran hochgespielt sein? Selbst die Elbe ist in den letzten Jahren nur noch knietief gewesen. Dass unsere Fließgewässer schmaler werden ist bei uns in Magdeburg nicht zu übersehen...

C.T. vor 11 Wochen

Genau, anhand der dekadent, exzessiven Lebensweise der Oberschichtler besteht absolut keine Gefahr für die Umwelt...

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