Fünf Monate nach Tarifverhandlungen Städtisches Klinikum Magdeburg: Ärzte warten auf Gehaltserhöhung

Ärztinnen und Ärzte am Städtischen Klinikum Magdeburg warten seit Monaten darauf, dass die Ergebnisse erfolgreicher Tarifverhandlungen umgesetzt werden. Im August 2020 hatten sich das Unternehmen und der Ärzteverband Marburger Bund auf bessere Bezahlung und den Wechsel zum Tarifvertrag geeinigt. Seitdem ist nichts passiert. Nun haben die Medizinerinnen und Mediziner einen Brandbrief an den Aufsichtsrat geschrieben.

Das Klinikum Magdeburg im Stadtteil Olvenstedt
Ärztinnen und Ärzte am Magdeburger Klinikum sind unzufrieden, weil die Ergebnisse erfolgreicher Tarifverhandlungen seit Monaten nicht umgesetzt werden. Bildrechte: ddp, MDR/Max Schörm

Ärztinnen und Ärzte am Städtischen Klinikum Magdeburg warten seit August auf eine versprochene Tarifanpassung. Sie haben sich nun mit einem Schreiben, das MDR SACHSEN-ANHALT vorliegt, an den Aufsichtsrat gewendet.

Die Ärztinnen und Ärzte befürchten, dass ein vor Monaten ausgehandelter Tarifvertrag nicht zustande kommt. Das erklärte eine Sprecherin des Ärzteverbandes Marburger Bund in Sachsen-Anhalt.

Laut dem Ergebnis der Tarifverhandlungen im August vergangenen Jahres sollen Ärztinnen und Ärzte rückwirkend zum 1. Januar 2020 mehr Geld bekommen – 2,5 Prozent. In diesem Jahr sollten sie dann 2,2 Prozent mehr bekommen und ab 2022 soll der Tarifvertrag für Ärztinnen und Ärzte in kommunalen Krankenhäusern gelten.

Unverständnis und erste Kündigungen

In dem Schreiben, adressiert an den Aufsichtsrat des Klinikums, machen die Ärztinnen und Ärzte auf die Arbeitsbelastung, insbesondere des vergangenen Jahres, aufmerksam und schreiben: "Vieles wird akzeptiert, aber nicht, dass ein ausgehandelter Tarifvertrag nicht in Anwendung gelangt."

Dies würde als erhebliche Geringschätzung empfunden und führe zu Unverständnis, Enttäuschung und Wut. Es heißt weiter, dass mehrere langjährige Mitarbeiter zum Jahresende bereits das Haus verlassen hätten.

Vertrag seit fünf Monaten nicht umgesetzt

Im August vergangenen Jahres hatten Klinikum und der Ärzteverband Marburger Bund einen Tarifvertrag verhandelt. Ärztinnen und Ärzte sollten bereits rückwirkend zum Januar 2020 mehr Geld bekommen. Bisher wurde der Vertrag nicht umgesetzt.

Für den Interessenverband ist der Tarifvertrag gültig, denn eine Erklärfrist ist abgelaufen: Bis zu 15. November 2020 hätte einer der Verhandlungspartner den Tarifvertrag widerrufen können – oder die Erklärfrist verlängern können. Das sei nicht geschehen. Das Klinikum sagt: Am 4. Februar 2021 wird der Tarifvertrag Thema im Aufsichtsrat. Das sei Teil des Prozedere zum Abschluss von Tarifverträgen und so in der Satzung des Unternehmens festgelegt.

Roland Gross, Anwalt und Experte für Tarifrecht aus Leipzig, sagt aber: Dass die Vertragsinhalte Monate später noch nicht umgesetzt wurden, ist unüblich. Eine Tarifeinigung entstehe aus eine Kampfsituation, weshalb die Einigungen in der Regel direkt unterschrieben würden.

Für das städtische Klinikum in Magdeburg hatte der damalige Geschäftsführer Knut Förster die Tarifvereinbarung – mit der Erklärfrist – unterschrieben. Nun liegt es bei der aktuellen Geschäftsführerin Dr. Petra Bohnhardt, die Inhalte umzusetzen.

Recherche/Redaktion: MDR/Julia Heundorf/Janine Wohlfahrt

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 26. Januar 2021 | 09:30 Uhr

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