Krisentreffen Trotz Stellenabbau: Enercon will sich in Magdeburg neu aufstellen

Der Windkraftanlagenbauer Enercon steckt in der Krise. Auch deshalb will das Unternehmen bis Herbst kommenden Jahres insgesamt 3.000 Stellen abbauen, die Hälfte davon allein in Magdeburg. Auch ein zweites Krisentreffen am Montag hat daran nichts geändert. Dabei wurde bekannt, dass sich Enercon in Magdeburg neu aufstellen will.

Die Zufahrt zum Enercon-Werk in der Landeshauptstadt.
Enercon will am Standort in Magdeburg mindestens 1.500 Stellen abbauen. Besonders betroffen ist die Fertigung der Rotorblätter. (Archivfoto) Bildrechte: dpa

Der Windkraftanlagenbauer Enercon will sich nach dem geplanten massiven Stellenabbau neu aufstellen. Das hat Enercon-Chef Hans-Dieter Kettwig am Montag nach einem Krisentreffen in Magdeburg bekanntgegeben. Demnach soll der Schwerpunkt des Unternehmens in Magdeburg künftig auf Recycling und Repowering liegen – also der Instandsetzung von Windkraftanlagen.

Dennoch hält das Unternehmen am geplanten Stellenabbau fest. Zuletzt war die Rede davon, dass allein in Magdeburg 1.500 Menschen ihren Job verlieren. Die Zahl könnte aber noch steigen. Wie viele Menschen im Herbst kommenden Jahres tatsächlich ihren Job verlieren, ist Kettwig zufolge noch unklar. Sachsen-Anhalts Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) kündigte am Montag an, dass es Sozialpläne und Weiterqualifizierungsangebote für die Mitarbeiter geben wird.

Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) sagte nach der Krisensitzung: "600 Mitarbeiter in der Rotorblattfertigung werden ihre Jobs verlieren. Es ist ein herber Schlag für den Industriestandort Magdeburg."

Enercon-Chef: Zu spät für Hilfen vom Bund

Erst vorige Woche hatte Enercon-Chef Kettwig nach einem Krisentreffen in Hannover den Stellenabbau des Unternehmens bekräftigt. Daran führe kein Weg vorbei, sagte Kettwig. Selbst wenn die Bundesregierung sich nun zu Hilfen durchringe, sei es dafür zu spät. "Die Messe ist gelesen", sagte Kettwig.

Kettwig gab selbstkritisch zu, dass er als Unternehmer zu spät auf die kriselnde Auftragslage in der Windenergie reagiert hätte. Sie hätten zwei, drei Jahre auf Besserung gehofft, das sei nicht richtig gewesen, so Kettwig.

Ein zweigeteiltes Bild; auf der linken Seite ist ein leeres Klassenzimmer und auf der rechten Seite der Firmensitz von Enercon. 32 min
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MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir Fr 15.11.2019 15:00Uhr 31:55 min

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Schon einige Tage zuvor hatte Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) in Zusammenhang mit dem geplanten Stellenabbau von einer "politischen Katastrophe" gesprochen. Der Bundesregierung hatte Trümper Versagen bei der Energiepolitik vorgeworfen. Enercon hatte vor eineinhalb Wochen bekannt gegeben, massiv Stellen streichen zu wollen.

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 18. November 2019 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. November 2019, 20:56 Uhr

11 Kommentare

C.T. vor 2 Wochen

Heuschreckenunternehmen... ziehen weiter, wenn alles abgefressen ist. Immer weiter 'gen Osten den besseren Renditen entgegen. Irgendwann kommen sie wieder zurück - aus West ;-)

Chrisbob vor 2 Wochen

Beim Thema Arbeitsplätze möchte ich gerne über die Verhältnisse zw. den erneuerbaren und den fossilen Energien informieren, denn mir scheint, viele gehen hier von völlig falschen Zahlen aus.

* 338.600 Menschen waren 2016 in der Regenerativbranche beschäftigt, 160.200 davon in der Windbranche.

* Im Steinkohlebergbau und den damit verbundenen Sektoren waren im Jahr 2016 noch 11.485 Menschen beschäftigt.

* Die direkte und indirekte Beschäftigung im Braunkohlesektor lag 2016 bei 19.413.

* Waren 2000 noch über 70 Prozent der Beschäftigten der konventionellen Energiewirtschaft zuordenbar, so waren es 2016 nur noch rund 40 Prozent.

Quelle: Studie Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Sie wurde vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) mbH durchgeführt.

Steffen 1978 vor 2 Wochen

Niemand möchte ein Windrad in seinem Garten oder überhaupt in Sichtweite an Stromtrassen will ich mal garnicht denken also muss auch niemand den Stellenabbau kritisieren dankt den ganzen Bürgerinitiativen persönlich für diese Situation

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