Umstrittene Baupläne Wohnhäuser in der "grünen Lunge" Magdeburgs?

Der Stadtpark von Magdeburg gilt als "grüne Lunge" der Landeshauptstadt. Nach dem Willen der Stadt sollen hier Wohnungen entstehen – teure Wohnungen mit Blick auf den Dom. Und das, obwohl gar kein Mangel an Wohnraum besteht. Die Gartenpartei sammelt mit einer Online-Petition bereits Unterschriften gegen das Bauvorhaben.

Auf einem grauen Schild steht: Kleingartenanlage am Domfelsen
Die Kleingartenanlage "Am Domfelsen" steht vor dem Aus. Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Der Stadtpark von Magdeburg ist so etwas wie die "grüne Lunge" von Magdeburg. Zwischen alten Bäumen und weiten Wiesen fühlen sich nicht nur Jogger und Spaziergänger wohl. Auch Reh, Fuchs, Hase und Wildschwein sind dort zu Hause. Bis auf wenige Gebäude ist der Stadtpark grün. Doch das könnte sich bald ändern – wenn es nach dem Willen von zwei Wohnungsunternehmen geht. Und wohl auch nach dem der Stadt.

Denn dort, wo die Gartenanlage "Am Domfelsen" ist, soll gebaut werden. Alle Gartenbesitzer haben bereits eine Kündigung bekommen und eine hohe Abfindung. Wobau und MWG wollen in der jetzigen Gartenanlage Quartiere für Gutbetuchte errichten. Entstehen sollen bis zu sechsgeschossige Häuser mit exklusivem Blick auf den Dom. Ein Plan, der bei vielen Magdeburgern auf Ablehnung stößt, denn wieder soll Grün vernichtet werden.

Online-Petition gegen Bebauung

Auch Roland Zander, der für die Gartenpartei im Stadtrat sitzt, lehnt die Bebauung im Stadtpark ab. Deshalb hat er eine Online-Petition angeschoben, für die Unterschriften gesammelt werden. Das Ziel: den Stadtpark nicht zu bebauen.

Wir sollten doch den Stadtpark so lassen, wie er ist – als grüne Oase in Magdeburg.

Roland Zander, Gartenpartei Sachsen-Anhalt

Laut Zander kamen die Pläne für das Bauvorhaben ziemlich überraschend. Sie seien dem Stadtrat als Eilvorlage vorgelegt worden, obwohl es gar keine Not gebe, weshalb man den Stadtpark bebauen müsse.

Auf einer Wiese stehen Wohnwagen. Dahinter steht ein buntes Zelt.
Auch die Schausteller bangen um ihren Messeplatz. Sie fürchten Beschwerden wegen des Lärms. Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Einst habe Magdeburg als eine der grünsten Städte Deutschlands gegolten. Jetzt sei das schon lange nicht mehr so. Allerdings könne man die Stadt doch wieder aufwerten, wenn man von der weiteren Bebauung des Stadtparks absehe, so Zander weiter.

Die Pläne müssten nun noch in die Ausschüsse zur abschließenden Beratung. Dort müsse dann geschaut werden, ob man dort überhaupt bauen kann, weil das Bauland mitten im Hochwassergebiet liegt. Hier sind nach Zanders Ansicht dann auch die Bürger gefragt, wenn sie ihren Stadtpark als grüne Oase behalten wollen.

Stadtrat winkt Vorhaben durch

Im Stadtrat wurde das Vorhaben bereits kontrovers diskutiert. Am Ende gab es eine Mehrheit für das Projekt. Ein Ideenwettbewerb soll nun Grundlage für den Bebauungsplan sein. Baubeigeordneter Dieter Scheidemann beantwortet Fragen dazu nur schriftlich.

Der genossenschaftliche/kommunale Ansatz ermöglicht eine öffentliche Erlebbarkeit des Gebietes und eine Ufergestaltung vis-a-vis des Domes mit der Möglichkeit eines Brückenschlages für Fußgänger zum Fürstenwall.

Baubeigeordneter Dieter Scheidemann

Dies würde ganz neue Spazierlebnisse rund um die Elbe und die Altstadt von Magdeburg schaffen. Bei der weiteren Planung seien die Gewährung der Messe und der Schutz vor Hochwasser beachtlich, so Scheidemann weiter.

Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT sollen zehn Prozent der neuen Wohnungen im Stadtpark zu einem niedrigen Mietpreis angeboten werden. Für acht Euro pro Quadratmeter. Das ist fast doppelt so teuer wie die Durchschnittsmieten in Magdeburg.

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Trauerweide steht an einem See. An den Ästen hängen Zettel.
Bildrechte: MDR/Marila Zielke

Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 10. April 2018 | 09:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. April 2018, 11:00 Uhr

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18 Kommentare

12.04.2018 09:13 jackblack 18

Ein PARK bezeichnet nach den Regeln der Gartenkunst gestaltete größere Grünflächen, die der Verschönerung und der Erholung dienen.
Das scheint für Immobilienhaie ein FREMDBEGRIFF zu sein. Magdeburg WAR mal die 2. grünste Stadt Deutschlands. Nach den umfangreichen Baumfällungen kann davon leider keine Rede mehr sein, und nun soll noch ein Teil des Stadtparks dran glauben. Es gibt genügend Brachflächen, da muss ein funktionierendes Ökosystem nicht dem PROFIT geopfert werden.

12.04.2018 09:05 böse-zunge 17

Der Herrn Stadtbauminister sollte seine Vorgänger mal um Rat fragen, z. Bsp. Herrn Kaleschky - oder beim mdr ... wie das Sichern der Gebäude bei den letzten Jahrhunderthochwassern so lief. Und vor dem Abstempeln dran denken ... bei Hochwassern dauern Jahrhunderte keine 100 Jahre. Und Dank der Deichertüchtigungen im Einzugsgebiet flußaufwärts - werden auch die Scheitelhöhen und -längen sich erhöhen, stat. und dyn. Drücke ebenso ... aber was soll's.
Wenn die Meeresspiegel steigen sollten, der Hamburger Michel nur noch als Bake mit Radarreflektor dient, hinter unserem Nordbrückenzug der neue Hochseehafen aufgeschüttet wurde ... werden die "Gutbetuchten" in Reform oder auf dem Kroatenhügel leben wollen.

11.04.2018 16:45 Max W. - Es lebe das Verwertungsinteresse! 16

@11.04.2018 12:27 Sebastian Wilke (Besserverdienende mit Wohnraum versorgen zu wollen u.mit ihrer drittklassigen Würfel-Architektur die elbseitige Stadtansicht zu verunstalten.)

Vergleichen sie das mit den Einlassungen des Baubeigeordneten und sie wissen: Hinter dem ganze Geschwätz verbirgt sich weiter nichts als das Verwertungsinteresse der Immo-Lobby - und DAGEGEN und DESHALB die Empörung. Nicht des rein rechtlich schon gelutschten Drops im konkreten Einzelfall wg.. Die kommunalen Baubehörden betrachten "sich" sind schon lange als Erfüllungsgehilfen der politischen Vorgaben. Und die kommen eben von Lobbyisten, wie ein Blick auf die etwa in der Berliner SPD vertretenen "Berufe" nachdrücklich zeigt. Niemand glaubt einer deutschen Behörde noch, dass sie im Interesse des langfristigen Gemeinwohls handelt. Das wäre auch fahrlässig naiv. Stellen sie sich jmd. wie den Hallenser Rive heute vor: Unvorstellbar.