Planung läuft Kulturhauptstadt 2025: Wie Magdeburg die Bewerbung angeht

Magdeburg will 2025 europäische Kulturhauptstadt werden. Ein Team bereitet fleißig die Bewerbung vor. Dafür stehen 2,9 Millionen Euro an kommunalen Mitteln zur Verfügung. Aber was machen die Planer eigentlich genau?

von Anna Wulffert, MDR SACHSEN-ANHALT

Aufkleber
"Machen!" lautet der Slogan der Bewerbung zur Kulturhauptstadt. Bildrechte: MDR/Anna Wulffert

In zwei kleinen kahlen Büros im dritten Stock eines Verwaltungsgebäudes wird an Magdeburgs Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2025 gefeilt. Bei den insgesamt neun festen und freien Mitarbeitern stapeln sich die Projekte auf dem Tisch und die Termine im Kalender.

Der nächste Termin der Marketingbeauftragten Andrea Jozwiak: Eine Schulklasse besuchen. Vor einigen Wochen hatte das Bewerbungsteam einen Projekttag ins Leben gerufen, bei dem Schüler "Unser Magdeburg 2025" malen sollten. Die Zeichnungen wurden auf Bauzaunbanner gedruckt, die derzeit die Absperrung des Domplatz Open Airs verschönern – als Dank gibt es auch für die Schüler der 4f Abzüge fürs Klassenzimmer.

Eine Vielzahl von Projekten

"Wir versuchen, das Projekt nahbarer zu machen", erklärt Jozwiak. Magdeburger sollen die Bewerbung mitbekommen – zum Beispiel durch das neue Logo. "Machen!" lautet der Slogan, der Magdeburger aufruft, sich zu beteiligen – und das Logo beispielsweise als Sticker aufzukleben.

Insgesamt spuckt das Bewerbungsbüro viele kleine und größere Projekte aus: Jozwiak schreibt zum Beispiel eine wöchentliche Kolumne zur Bewerbungsphase, dazu kommen die "Kulturhauptstadtgespräche", eine monatliche Talkrunde zu den Themen der Bewerbung.

Bewerbung auf Kulturhauptstadt An einer Vision für Magdeburg tüfteln

Flur im Kulturhauptstadt-Büro
Die Schmiede der Kulturhauptstadt-Bewerbung: Büros in der Julius-Bremer-Straße 10. Bildrechte: MDR/Anna Wulffert
Flur im Kulturhauptstadt-Büro
Die Schmiede der Kulturhauptstadt-Bewerbung: Büros in der Julius-Bremer-Straße 10. Bildrechte: MDR/Anna Wulffert
junge Frau am Computer
Hier arbeitet Andrea Jozwiak daran, die Bewerbung in der Stadt sichtbar zu machen … Bildrechte: MDR/Anna Wulffert
zwei Plakate an einer Wand
… zum Beispiel über Aktionen mit Kindern oder Präsenz bei Veranstaltungen in der Stadt. Bildrechte: MDR/Anna Wulffert
Mann steht vor einer Tür
Der KUBUS ist die "Außenstelle" der Kulturhauptstadt-Bewerbung. Hier arbeitet der künstlerische Leiter, Oliver Scharfbier. Bildrechte: MDR/Anna Wulffert
zwei Menschen blättern durch Plakate
Gemeinsam mit Andrea Jozwiak sichtet er das Ergebnis eines der vielen Projekte: die Plakate eines Schüler-Projekttags. Bildrechte: MDR/Anna Wulffert
ein Plakat
Grundschulkinder sollten ihr "Magdeburg 2025" zeichnen. Bildrechte: MDR/Anna Wulffert
Bilder auf einem Bauzaun
Die Plakate schmücken die Bauzäune des Domplatz Open Airs ... Bildrechte: Andrea Jozwiak
Schulkinder stehen um einen Tisch
… und das Klassenzimmer der Künstler.

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 28. Juni 2018 | 12:00 Uhr
Quelle: MDR/sp
Bildrechte: Andrea Jozwiak
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Diese Talkrunden finden im KUBUS statt, einem eigens für die Bewerbung herausgeputzten Glasgebäude in der Magdeburger Altstadt. "Hier organisieren wir Workshops, Seminare und nette Empfänge", erklärt Oliver Scharfbier, der künstlerische Leiter des KUBUS. Zudem können Neugierige donnerstags vorbeikommen und Fragen stellen.

Das Herzstück der Bewerbung

Dies geschieht alles neben dem Herzstück der Bewerbung: dem "Bidbook". Das ist eine Art Bewerbungstext mit über 60 Seiten, Marketingfrau Jozwiak beschreibt es auch gerne als "Vertrag, den man als Stadt eingeht, und der die Vision enthält, wie die Stadt sich entwickeln kann". Prämiert werde nämlich nicht, was eine Stadt kulturell schon zu bieten habe, sondern was sie zukünftig entwickeln möchte.

Welche Pläne es für Magdeburg gibt, bleibt allerdings vorerst geheim. "Wegen der Konkurrenz und weil wir gerade noch daran arbeiten", erklärt Jozwiak. Man dürfe aber keinen Rundumschlag erwarten, dass sich alles komplett ändere. "Es geht nicht darum, dass ganz viele neue Gebäude entstehen oder man irgendwelche Feste feiert, sondern mehr, das Bewusstsein der Stadt und der Menschen zu ändern."

Die Siegerstadt wird 2020 gekürt

Finanziert wird die Bewerbung aus städtischen Mitteln – 2,9 Millionen Euro sind bis 2020 dafür vorgesehen, wie die Stadtsprecherin Kerstin Kinszorra MDR SACHSEN-ANHALT mitteilte. Daneben sollen für einzelne Projekte der Bewerbung Sponsoren und Unterstützer gefunden werden. Wenn Magdeburg Kulturhauptstadt werde, könne zudem mit zusätzlichen Fördergeldern der EU, des Bundes und des Landes gerechnet werden.

Die genaue Bewerbungsfrist steht übrigens noch nicht fest. "Die Bundesregierung muss den offiziellen Start der Bewerbungsphase noch lostreten", erklärt Jozwiak vom Bewerbungsbüro. Danach habe das Team noch etwa zehn Monate Zeit, um das "Bidbook" fertigzustellen. "Wir warten alle wie auf heißen Kohlen, dass dieser Startschuss kommt!"

Wenn die Projekte und Ideen des "Bidbooks" der europäischen Jury zusagen, geht es in die nächste Runde. Hier wird dann anhand eines zweiten Bewerbungsbuchs die Gewinnerstadt ermittelt – und voraussichtlich im Jahr 2020 bekannt gegeben.

Über die Autorin Anna Wulffert ist seit 2017 Multimedia-Volontärin beim MDR. In ihrer Ausbildung hat sie bisher für MDR SPUTNIK in Halle gearbeitet und mehrere Wochen im Regionalstudio in Wernigerode verbracht – jetzt ist sie im Landesfunkhaus in Magdeburg und lernt dort unter anderem die Online-Redaktion kennen. Vor ihrem Volontariat hat die gebürtige Hessin in Frankfurt/Main Germanistik und Politik sowie in Leipzig Journalistik studiert. Sie hat Praktika bei der FAZ, dem NDR und dem ZDF gemacht. In ihrer Freizeit lernt sie gerade Magdeburg kennen, oftmals ausgerüstet mit einer Kamera.

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Quelle: MDR/sp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 29. Juni 2018 | 09:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Juli 2018, 11:28 Uhr

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3 Kommentare

02.07.2018 20:02 Andreas 3

Na, mal wieder die "Gegen alles Fraktion" am Werk?

Warum nicht probieren? Bei dieser Bewerbung geht es nicht um die vorhandene Kulturlandschaft sondern vielmehr um Konzepte, wie eine Stadt oder Region sich künftig mit welcher Strategie entwickeln und in den Fokus der Öffentlichkeit rücken möchte.

MECKERN und dagegen sein kann jeder Dahergelaufene.
MACHEN kann nicht jeder.

Daher Daunendrücken für die Macher.

02.07.2018 13:19 Tom 2

Wir versuchen das Projekt nahbarer zu machen....Dieser Satz erklärt ALLES! 2.9Mio für einen totalen Quatsch zum Fenster raus geworfen!

01.07.2018 02:20 Sturkopf 1

Es ist nicht in Worte zu fassen, was Magdeburg da vorhat. Fast 3 Millionen werden für eine Bewerbung ausgegeben, die die Stadt zur Kulturhaupstadt werden lassen soll? Das Geld sitzt ganz schön locker, wenn man bedenkt, wofür die Stadt ansonsten niemals etwas auszugeben bereit ist. Wenn es doch nur genau so einfach wäre, einen Termin beim Kardiologen zu bekommen. Und dennoch, oder gerade deshalb; wenn es das Ruhrgebiet schafft, dann können wir das auch. Wir warten auf zwei Reisebusse aus Neumünster, die Leute steigen aus, setzen sich ihre Sonnenbrillen auf, die sie zuvor überreicht bekamen und schlendern, sich an den Händen haltend, vorbei am Hundertwasserhaus. Danach steht noch ein Rundgang um den Domplatz an und schon fahren sie weiter Richtung Leben - raus, nur raus.

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