Finanzierung unter der Lupe Landesrechnungshof prüft Magdeburger City-Tunnel

Die immensen Kostensteigerungen beim Bau des Magdeburger City-Tunnels sind Anlass für eine Sonderprüfung des Landesrechnungshofes. Die ist für Anfang 2021 angesetzt – das öffentliche Interesse ist groß.

Blick in einen breiten Tunnelschacht, in dem ein Bagger Arbeiten verrichtet
Verlaufen die Bauarbeiten wie zuletzt geplant, soll der Verkehr hier Ende 2022 rollen. Bildrechte: MDR/Heike Bade

Der Landesrechnungshof hat beschlossen, die Finanzierung des Magdeburger City-Tunnels einer Sonderprüfung zu unterziehen. Das kündigte am Dienstag Präsident Kay Barthel an. Barthel sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Sonderprüfung werde Anfang 2021 beginnen.

Immense Kostensteigerung im öffentlichen Interesse

Der Anlass der Prüfung: Die Kosten für den Tunnel sind ungewöhnlich stark gestiegen, von ursprünglich geplanten 38 Millionen auf 198 Millionen. Außerdem ist laut Landesrechnungshof das öffentliche Interesse an dem Fall besonders groß: „Ein so öffentlichkeitswirksames Projekt kann von uns nicht unbeachtet bleiben", sagte Barthel.

Schon 2012 habe es beim Landesrechnungshof mehrere Eingaben von Bürgern gegeben, die wegen des Projekts besorgt gewesen seien. Nun plane der Rechnungshof für 2021, sich mit dem Bau des Citytunnels auch noch einmal rückwirkend zu beschäftigen - um in Zukunft Fehler vermeiden zu können. Das sei keine Selbstverständlich. Laut Landesrechnungshof finden Sonderprüfungen eher selten statt.

Barthel fügte hinzu, es müsse doch möglich sein, dass man solche Bauvorhaben mit vernünftigen Kostenschätzungen und ohne diese exorbitanten Kostensteigerungen auf den Weg bringe.

Der Stadtverwaltung Magdeburg ist dazu bisher nichts bekannt. Laut Sprecher Michael Reif sagte, entsprechend könne die Stadt auch nichts kommentieren.

Kosten verfünffacht

Erst im September war bekannt geworden, dass der Bau des City-Tunnels noch teurer wird, als zuletzt angenommen. Die Kosten sollen nun bei 198 Millionen Euro liegen – fünf Mal so viel wie ursprünglich geplant. Die Stadt Magdeburg trägt davon 80 Millionen Euro. Das Großprojekt im Herzen der Landeshauptstadt soll im Dezember 2022 fertig sein. Offizieller Baubeginn war im Jahr 2015.

Mehr zum Thema

Chronik Magdeburger City-Tunnel
Bildrechte: IMAGO/MDR

Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 06. Oktober 2020 | 17:00 Uhr

5 Kommentare

August 123 vor 7 Wochen

Einfach nur unglaublich diese Kostensteigerung! Die zuvor gebauten Tunnel in Magdeburg sind bei der Abwicklung im vorgegebenen Kostenrahmen geblieben. Alle Risiken dieser Baumaßnahmen wurden im Angebot durch Bedarfspositionen durch den Auftraggeber ausgeschrieben. Somit wurde die Grundlage für überzogene Nachtragsforderungen entgegengewirkt! Das war für den Auftragnehmer und auch für den Auftraggeber Stadt eine gute Basis zur Vertragsabwicklung. Bei einem Tunnelbau sind zum Beispiel Sicherungsmasnahmen Standart und dürfen nicht zu Nachtragsforderungen führen. Ich halte die Überprüfung durch den Landesrechnungshof für richtig und notwendig! Das Maß der Unfähigkeit ist bei weitem überschritten! Wie groß muss die Arroganz der Verwaltung sein um hier ohne Konsequenzen zur Tagesordnung überzugehen!

Tasty vor 7 Wochen

Die Stadt muss doch nur für einen kleineren Anteil der entstandenen Mehrkosten aufkommen. Die Differenz zahlen doch dann andere. Warum sollte man also um solche Details kümmern. Wird doch wie alles in dieser Stadt Quer subventioniert vom Land. Ansonsten sehe es dort genau so übel aus, wie im Rest des Landes.

kritischer Realist vor 7 Wochen

Na endlich, es wurde auch mal Zeit, dass solchen Kostenexplosionen auf den Grund gegangen wird. Es muß auch finanzielle- und personelle Konsequenzen geben und das bei allen Beteiligten. Solche Kontrollen sollten Standard bei allen Projekten werden, ab einer bestimmten finanziellen Größenordnung. Es kann so nicht weitergehen mit der Steuergeldverschwendung. Hierbei sind auch Politiker gefragt, die ihr Mandat ernstnehmen.

Mehr aus Magdeburg, Börde, Salzland und Harz

Mehr aus Sachsen-Anhalt