Pizza-Pappe und Plastik-Becher Lieferservice und To-Go: Gastronomen in Magdeburg offen für Mehrweg-Verpackungen

Fabian Frenzel
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Corona-Zeit ist Pizza-Zeit. Zumindest läuft das Geschäft bei den Lieferdiensten rund. Doch jede gelieferte Pizza, jede Sushi-Box und jeder Döner verursacht Verpackungsmüll. Doch damit soll bald Schluss sein. Die Gastronomieszene in Magdeburg begrüßt Pläne des Bundes, Einweg-Verpackungen zu verbieten. Eine Bestandsaufnahme.

Ein Dönerimbiss vor einem Supermarkt 1 min
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MDR FERNSEHEN Do 26.11.2020 15:25Uhr 01:19 min

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Die Gastronomiebetriebe in Magdeburg sind offen für Mehrweg-Verpackungen bei Lieferungen oder im To-Go-Verkauf. Das zeigen Recherchen von MDR SACHSEN-ANHALT. Einige Unternehmen verwenden demanch bereits nachhaltiges Verpackungsmaterial.

Ein Mann mit rotem Pullover steht vor einer roten Wand.
Adem Can wünscht sich kein Plastik mehr bei Verpackungen. Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Adem Can ist einer der Befürworter der Idee von Umweltministerin Schulze. Can betreibt einen Dönerimbiss in Magdeburg-Stadtfeld und sagt: "Das Gesetz muss kommen. Alles Plastik muss weg." Er beobachte immer wieder, dass Tüten und Verpackungen einfach an den Wegesrand geworfen werden. Mit seinem Laden möchte Can deshalb Vorbild sein und hat schon auf nachhaltige Verpackungen umgestellt.

"95 oder 98 Prozent meiner Verpackungen sind ökologisch. Plastik haben wir fast gar nicht mehr." Statt Plastiktüte gibt es eine aus recyceltem Altpapier und die Dönerbox ist aus Zuckerrohr. Einzig für die Alufolie, in die der Döner eingewickelt wird, habe er noch keine Lösung gefunden. Seine Kunden wollen dieses Umweltbewusstsein, sie achten mehr und mehr darauf.

Innovation durch Pflicht

Ein Mann mit roter Mütze steht vor einem Tresen mit Weinflaschen.
David Zibold sieht in einer Mehrweg-Pflicht die Chance auf Innovation. Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Eine Erfahrung, die auch David Zibold vom Basta in Sudenburg gemacht hat. Auch in dem Weinlokal samt Pizzabäckerei, das der 32-Jährige mit zwei Kollegen führt, sei die Bereitschaft der Kunden nach nachhaltiger Verpackung da. Im Basta gibt es derzeit recycelte, nicht bedruckte Pizza-Schachteln. So schlicht diese Schachteln sind, so teuer sind sie aber dagegen auch. Laut Zibold kostet eine Schachtel 30 Cent. Er könnte auch Schachteln für 10 bis 15 Cent kaufen, wenn er wollte. Will er aber nicht, weil die dann weniger nachhaltig wären. Die Kunden schätzen das, sagt Zibold.

Er sieht neben dem Umweltaspekt noch einen ganz anderen Vorteil, den eine Pflicht von Mehrweg-Verpackungen hätte: "Den Innovationsdruck dahinter finde ich spannend. Weil, dann wird sich tatsächlich mal um das Thema Gedanken gemacht. Und dann braucht es eine vernünftige Lösung für eine Mehrweg-Verpackung für Pizza."

Gelbe Tonnen in Magdeburg schneller voll Die Corona-Krise hat bei den Menschen in Magdeburg für deutlich vollere gelbe Tonnen gesorgt. Das teilte die Stadtverwaltung MDR SACHSEN-ANHALT mit. Das Aufkommen der Leichtverpackungen stieg demnach verglichen mit dem Vorjahr bislang um rund 180 Tonnen. Besondere Zuwächse im Vergleich mit 2019 habe es in den Monaten Juli und September gegeben. Zum Teil deutliche Zuwächse gab es auch beim Altglas in öffentlichen Glascontainern.

Keine nennenswerten Entwicklungen hat die Stadt dagegen bei der Masse an Altpapier, Sperrmüll oder Bioabfall festgestellt.

Kostenfaktor Nachhaltigkeit

Wie sich bei den Recherchen zeigt, wollen – oder müssen – andere Gastronomie-Unternehmen auf den Preis schauen. Zwar wollen diese Unternehmer und Unternehmerinnen das nicht offiziell sagen, aber die Worte "Hunderter-Pack in der Metro" und "günstig" fallen während der Recherche hier und da. Die Corona-Lage macht einigen zusätzlich zu schaffen und ein Imbissbesitzer berichtet davon, dass er auf Anschaffungskosten vom letzten Jahr sitzengeblieben ist. An neue Verpackungen sei deswegen nicht zu denken.

Nachhaltige Verpackungen: Diese Ideen haben Magdeburger Gastronomen

Essen auf einem Teller
Der einfachste Weg einer nachhaltigen Verpackung: das eigene Geschirr. Luise Wenke versucht ihre Kunden in ihrem Restaurant Crops dazu zu motivieren, sich Speisen in eigenen Behältern mitzunehmen. Bildrechte: Luise Wenke
Essen auf einem Teller
Der einfachste Weg einer nachhaltigen Verpackung: das eigene Geschirr. Luise Wenke versucht ihre Kunden in ihrem Restaurant Crops dazu zu motivieren, sich Speisen in eigenen Behältern mitzunehmen. Bildrechte: Luise Wenke
Eine Verpackung für Essen-To-Go aus Zuckerrohr
Im Döner von Adem Can wird auf Verpackungen aus Altpapier und Zuckerrohr gesetzt. Die Boxen aus Zuckerrohr sind hitzebständig und lassen sich gut recyceln. Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel
Weinflaschen stehen auf einem Tresen
Im Basta soll es bald Wein aus Pfandflaschen geben. Das geht aber nur mit weinhaltigen Getränken. Der Trick: Der Wein wird mit einem Prozent Wasser vermengt und darf dann in Pfandflaschen abgefüllt werden. Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel
Drei Gläser gefüllt mit Lebensmitteln
Im Unverpacktladen "Frau Ernas loser Lebensmittelpunkt" gibt es abgepackte Joghurtgläser. Die haben den Vorteil, dass sie Teil eines Pfandsystems sind. Die Gläser können in jedem Supermarkt zurückgegeben werden.

Quelle: MDR/ff
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Luise Wenke vom Crops im Breiten Weg versteht ihre Kollegen, die gerade eine "Notsituation haben". Natürlich versuche man derzeit, die Kosten so minimal wie möglich zu halten. In Unternehmen, in denen auf Masse gegangen werde, sei das vielleicht nur mit günstiger Verpackung möglich. Sie selbst produziert nicht auf Masse, sondern bietet in einem kleinen Restaurant vegane Gerichte an. Aber auch die 37-Jährige muss jetzt wegen Corona umdenken. Für gewöhnlich hält sie wenig davon, ihre Küche To-Go anzubieten. "Eigentlich widerstrebt mir das. Aber irgendwann kommst du an einen Punkt, wo du zum Außer-Haus-Geschäft gezwungen wirst." Liefern komme nicht in Frage, aber sie biete ihre Speisen jetzt auch testweise zum Abholen an. Das ging auf Nachfrage schon immer. Dazu kommt: Ihre Verpackungen sind 100 Prozent klimaneutral. "Aber ich lege meiner Kundschaft ans Herz, eigene Behälter dabei zu haben".

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In Magdeburg gibt es also schon Ideen für nachhaltige Verpackungen. Die Stichprobe von MDR SACHSEN-ANHALT zeigt: Kleine lokale Unternehmen scheinen sich Gedanken zu machen. David Zibold arbeitet im Basta zum Beispiel an einer Idee, Wein in Pfandflaschen zu vertreiben. Im Unverpacktladen in Stadtfeld ist ein Pfandsystem mit Joghurtgläsern eingeführt worden. Und kommt die Mehrweg-Pflicht, erhöht sich der beschriebene Innovationsdruck so stark, dass sich auch für die anderen Unternehmen eine günstige nachhaltige Lösung findet. Die es dann irgendwann vielleicht auch in der Metro im Hunderter-Pack zu kaufen gibt.

Fabian Frenzel
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Über den Autor Fabian Frenzel arbeitet seit November 2014 bei MDR SACHSEN-ANHALT für die Online-Redaktion. Dabei liegt sein Schwerpunkt vor allem im Bereich Social-Media. Er würde gerne mehr Texte über sein Hobby "Männerballett" schreiben, hat aber noch nicht die richtige Rubrik dafür gefunden. Sein Journalismus-Studium hat der gebürtige Brandenburger in Berlin und Eichstätt/Ingolstadt absolviert. Die ersten journalistischen Schritte machte er bei der Märkischen Allgemeinen Zeitung und RADIO ENERGY Berlin. Sein Lieblingsort in Sachsen-Anhalt ist Calbe (Saale), wo ein Teil seiner Verwandtschaft lebt. Hätte er dort nicht für ein paar Monate Unterschlupf gefunden, wäre er heute vermutlich nicht beim MDR. Und: Er ist gern da, wo man geocachen kann. Also im Prinzip überall draußen.

Quelle: MDR/ff

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 02. Dezember 2020 | 12:30 Uhr

3 Kommentare

altmarkboy vor 7 Wochen

"Mehrwegverpackungen" in der Gastronomie ? Unmöglich ! Es sei denn man schmeisst alle Hygiene-Erfahrungen der letzten Jahrzehnte über Bord. Und das auch noch in Corona-Zeiten ? Ich darf auch kein eigenes Eisgefäß in die Eisdiele mit anschleppen, um es füllen zulassen. Das Gleiche gilt auch für Schank-Getränke wie Bier oder Limo. Das war schon zu DDR-Zeiten so. Es wurde von den Hygieneämtern Ende der 70iger Jahre verboten. PS: Bei Coffee to go hat man ja schon sämtliche Hygienevorschriften über Bord geworfen. Was total fragwürdig ist. Aber der Umwelt zu Liebe, vernachlässigen wir ja so ziemlich alle hygienischen Errungenschaften. Und wenn man jetzt in Corona-Zeiten darüber nachdenkt, dies auszuweiten, kann es um den Corona-Virus wirklich nicht schlimm bestellt ein.

D.Mei vor 7 Wochen

Hört sich grundsätzlich gut an. In der Magdeburger Innenstadt quellen alle Mülleimer derzeit aufgrund der vielen Imbissverpackungen förmlich über. Das landet alles im Restmüll und wird verbannt. Zusätzlich sollte aber auch das Pfand für Glasflaschen deutlich erhöht werden. Für 7 Cent lohnt es sich ja kaum die zurückzubringen: da zertrümmert man die häufig lieber auf dem Radweg...

jackblack vor 7 Wochen

Selbst kochen- gut, günstig und schmackhaft- und NACHHALTIG.

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