Protest vor der Staatskanzlei in Magdeburg Club-Betreiber kritisieren Corona-Maßnahmen in Sachsen-Anhalt

Clubs und Diskotheken sollten ab November in Sachsen-Anhalt wieder öffnen dürfen. Wegen der gestiegenen Neuinfektionen mit dem Coronavirus hat sich die Landesregierung gegen eine Öffnung entschiedenen. Die Clubbetreiber kritisieren diese Entscheidung und haben am Dienstag vor der Staatskanzlei protestiert.

20 Frauen und Männer stehen mit Mund-Nasen-Schutz bei einer Kundgebung vor der Staatskanzlei in Magdeburg.
Protest vor der Staatsklanzlei in Magdeburg: Die Clubbetreiber in Sachsen-Anhalt machen auf sich aufmerksam. Bildrechte: MDR/Guido Hensch

Mit einer Protestaktion haben Clubbetreiberinnen und -betreiber aus Sachsen-Anhalt am Dienstag auf ihre prekäre Lage aufmerksam gemacht. Vor der Staatskanzlei legten sie einen Sarg nieder, der das Ende der Clubkultur symbolisieren soll. Die Betreiber kritisieren, dass die Clubs und Diskos nicht wie vorgesehen am 1. November öffnen dürfen.

Brief an die Landesregierung

Am Montag hatte sich die Clubwirtschaft Sachsen-Anhalt, die die Interessen der Clubs und Diskotheken im Land vertritt, mit einem Brief an die Landesregierung gewandt. Darin betonten die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner die schwierige wirtschaftliche Lage vieler Clubs aufgrund der Corona-bedingten Schließungen. Da es seit mehr als sieben Monaten keine Veranstaltungen mehr gegeben habe, würden auch bisher wirtschaftlich gesunde Clubs und Diskotheken an den wirtschaftlichen Abgrund gebracht. Zudem würden auch weitere Wirtschaftszweige wie Getränkelieferanten, Künstler und Techniker in die Existenznot gerissen werden.

Die Clubwirtschaft Sachsen-Anhalt fordert daher von der Landesregierung "konkrete, schnelle und unbürokratische Hilfen für eine wirtschaftliche Perspektive und für einen Neustart". Die bisherigen Förderprogramme seien wegen ihrer finanziellen Beschränkung und ihrer bürokratischen Hemmnisse nur teilweise nutzbar gewesen.

Clubbetreiber warnt vor Folgen

Mehrere Discokugeln liegen in einem Sarg, auf einem Schild steht -Clubsterben 2020-.
Die Club-Kultur wird bei der Protest-Aktion symbolisch zu Grabe tragen. Bildrechte: MDR/Guido Hensch

Christian Bradel vom Club "Station Endlos" in Halle berichtet über die derzeitige Perspektivlosigkeit, der er und weitere Kollegen ausgesetzt seien. Über mehr als acht Jahre hätten sie den Club aufgebaut. "Wenn hier Ende des Jahres die Tür abgeschlossen wird und nicht mehr aufmacht, werden wir nicht in einem Jahr das nächste Projekt machen, weil Corona vorbei ist." Somit sterbe ein essentieller Teil der Kultur aus. Frage man junge Menschen, warum sie nach Halle ziehen, dann sei es nicht die Oper oder die Händel-Festspiele. Ein Ort wie das "Endlos" halte Studentinnen und Studenten in Halle. "Denen wird der Raum entzogen", so Bradel. Der Club organisiert nach eigenen Informationen Musikveranstaltungen, Ausstellungen, Konzerte und Workshops.

Landesregierung zieht angekündigte Öffnung zurück

Wegen der steigenden Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus hatte die Landesregierung in der vergangenen Woche die in Aussicht gestellten Lockerungen für Diskotheken wieder zurückgenommen. Die Regierung befürchtete einen "Disko-Tourismus" aus anderen Bundesländern, da Sachsen-Anhalt das einzige Land mit offenen Diskos gewesen wäre. Zugleich kündigte Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) Unterstützung für die Betroffenen an. Angesichts der wichtigen, aber doch überschaubaren Szene in Sachsen-Anhalt "sollte es machbar sein, dass wir hier kurzfristig eine unbürokratische Lösung finden", sagte Willingmann.

Am Dienstag berät die Landesregierung über neue Schutzvorkehrungen für Regionen mit vielen Corona-Neuinfektionen. In zwei Landkreisen war am Dienstag der Inzidenzwert von 35 überschritten worden, der Zahl der neuen Corona-Infizierten je 100.000 Einwohner in den jeweils vergangenen sieben Tagen angibt.

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Fakt ist! Mo 12.10.2020 22:10Uhr 58:29 min

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Video
Nahaufnahme einer Frau, die eine Maske und eine Brille trägt
Bildrechte: imago images / ZUMA Wire

Quelle: MDR/sp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 20. Oktober 2020 | 08:00 Uhr

12 Kommentare

Saxe vor 6 Wochen

Zum Paradoxon: "Ein anderes Verständnis des Präventionsparadoxons findet sich im bevölkerungsbezogenen Impfschutz und der Infektions-/Impfepidemiologie. Wird gegen eine Infektionskrankheit geimpft, ist zudem die Impfung in der Bevölkerung akzeptiert und sinkt in der Folge die Inzidenz, verliert sich allmählich das klinische Bild der Erkrankung im Bewusstsein der Bevölkerung. Zugleich erscheinen Nebenwirkungen der Impfungen sowie potenzielle und reale (wenn auch seltene) Impfschäden gravierender als die Infektionskrankheit selbst. Dies führt zu einem Vertrauensverlust in die Impfung mit der Folge sinkender Impfbereitschaft, verringerter Impfquoten und partieller Impfverweigerung bzw. offener Gegnerschaft (z.B. bei Masern, auch Tuberkulose). "

Grosser Klaus vor 6 Wochen

@Saxe
Es ist die Frage, wieso es vergleichsweise so wenig Tote in Deutschland gegeben hat, eine umfassende Studie gibt es nicht dazu und wird es auch mit Sicherheit nie geben!
Das Präventionparadoxon ist: Von G. Rose ent­wickel­ter Grundsatz (siehe Rose-Theorem), der be­sagt, dass der Ge­sundheits­gewinn durch Prä­vention bei Men­schen mit hohem Ge­sundheits­risiko für sie selbst höher ist als der nur kleine Ef­fekt für die Ge­samt­populati­on und um­ge­kehrt.

Saxe vor 6 Wochen

Sie müssen die getroffenen Maßnahmen schon im Einzelfall betrachten. Bsp.: Beherbungsverbote, die jetzt reihenweise gekippt werden. Die "geringe" Anzahl der Toten ist dagegen eben gerade darauf zurückzuführen, dass rechtzeitig Maßnahmen ergriffen worden sind. Stichwort: Präventionsparadoxon.

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