Magdeburg überzeugt in Vorauswahl Kulturhauptstadt 2025: "Es entwickelt sich eine ganz neue Begeisterung"

Kalina Bunk
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Im Wettbewerb um den Titel "Kulturhauptstadt Europas 2025" hat Magdeburg eine wichtige Hürde genommen. Die Jury hat die Stadt in die engere Auswahl genommen. Jetzt gibt es noch vier Konkurrenten: Chemnitz, Hannover, Hildesheim und Nürnberg.

Vertreter der Städte, der Politik und der Kultur stehen bei einer Veranstaltung zur Bekanntgabe der Vorauswahl im Bewerbungsverfahren um die „Kulturhauptstadt Europas 2025“ in Deutschland für ein Foto auf der Bühne.
Freude beim Vorentscheid in Berlin Bildrechte: dpa

Für Magdeburg geht es in die nächste Runde um den Titel "Kulturhauptstadt Europas 2025". Die europäische Jury hat die Landeshauptstadt in die engere Auswahl des Wettbewerbs genommen. Die verbliebenen Konkurrenten sind Chemnitz, Hannover, Hildesheim und Nürnberg. Gera, Zittau und Dresden sind beim Vorentscheid in Berlin ausgeschieden.

Jetzt kommt es auf das zweite Bewerbungsbuch an. Bis Ende Juli muss das bisherige 60 Seiten starke Konzept überarbeitet und auf 100 Seiten konkretisiert werden. Im September wird die Jury die Städte besuchen und dann den finalen Sieger küren.

Bewerbung bekannter machen

Dass Magdeburg nun die wichtige Hürde im Vorentscheid geschafft hat, könnte die Wahrnehmung der Kulturhauptstadt-Bewerbung in der Stadt verändern, denkt Oliver Scharfbier aus dem Bewerbungsteam Magdeburg2025. Man müsse die Bewerbung künftig aber auch mehr nach außen kommunizieren. "Wir sind einen Schritt weiter. Ich denke, da entwickelt sich ganz automatisch eine neue Begeisterung für die Sache", sagt Scharfbier.

Begeisterung, die es am Donnerstag im Kubus in der Magdeburger Innenstadt bereits gab. Etwa 50 Kulturbegeisterte hatten sich zu einem Public Viewing in dem gläsernen Gebäude versammelt, um sich die Jury-Entscheidung gemeinsam anzusehen. Und auch draußen kommt die Nachricht gut an:

Das sagen Menschen in Magdeburg zur Kulturhauptstadt-Bewerbung

Axel Kruse
Axel Kruse: "Dass Magdeburg in die nächste Runde gekommen ist, ist sehr schön für die Stadt. Das kulturelle Leben ist für eine Landeshauptstadt ja wichtig. Ob Magdeburg am Ende überzeugen kann? Man soll niemals nie sagen." Bildrechte: MDR/Kalina Bunk
Axel Kruse
Axel Kruse: "Dass Magdeburg in die nächste Runde gekommen ist, ist sehr schön für die Stadt. Das kulturelle Leben ist für eine Landeshauptstadt ja wichtig. Ob Magdeburg am Ende überzeugen kann? Man soll niemals nie sagen." Bildrechte: MDR/Kalina Bunk
Carolin Schmidt
Carolin Schmidt: "Ich freue mich. Es wäre schön, wenn wir am Ende wirklich Kulturhauptstadt werden. Das könnte mehr Tourismus bringen, dass mehr Menschen herkommen und mehr los ist. Ich schätze die Chancen hoch ein." Bildrechte: MDR/Kalina Bunk
Daniel Gruenig
Daniel Grünig: "Dass Magdeburg weiter ist, ist cool. Der Titel könnte Magdeburg mehr Besucher und Vielfalt bringen – und dass der Kultur mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird. Im musikalischen Sektor zum Beispiel würde ich mir wünschen, dass mehr getan wird." Bildrechte: MDR/Kalina Bunk
Heidrun Geyer
Heidrun Geyer: "Ich finde es gut, dass sie so weit gekommen sind. Aber ich denke, Magdeburg muss sich noch ganz schön anstrengen, um die Nase ganz vorn zu haben. Magdeburg ist eine große Baustelle, aber an sich ganz schön. Die, die hier wohnen, sehen das allerdings nicht unbedingt. Das sehen nur die, die von auswärts kommen. Die sehen die Veränderung. Einen kleinen Tritt braucht Magdeburg noch und vielleicht schaffen wir es dann. Und falls nicht, dann muss man stolz sein, dass man überhaupt so weit gekommen ist." Bildrechte: MDR/Kalina Bunk
Dominik Bogner
Dominik Bogner: "Ich freue mich für die Stadt, dass man den Drive mitnehmen kann. Ich hoffe auf eine neue Wertschätzung für die Kultur, denn ich habe an manchen Stellen das Gefühl, dass die Weitsicht fehlt. Ich hoffe außerdem, dass die Elbe noch ein wenig erschlossen wird, denn da haben wir noch ein Potenzial im Vergleich zu anderen Städten." Bildrechte: MDR/Kalina Bunk
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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 12. Dezember 2019 | 17:00 Uhr

Viel Zeit zum Durchatmen bleibt dem Magdeburg2025-Team nicht. Bewerbungsbüro-Leiter Tamás Szalay erklärte in Berlin, das Manuskript für das zweite Bewerbungsbuch müsse etwa im Mai fertig sein. Man sei aber sehr froh, dass sich die bisherige Arbeit gelohnt habe. Szalay und neun weitere Magdeburger Persönlichkeiten hatten das bisherige Konzept am Mittwoch der europäischen Jury in Berlin vorgestellt. Ebenfalls vor Ort in Berlin war Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD). Er reagierte ebenfalls erleichtert:

Ich kann nur sagen: wunderbar. Das Team hat das wirklich verdient. Es ist eine Anerkennung und Motivation.

Oberbürgermeister Lutz Trümper

Leerstand soll genutzt werden

Ziel des Kulturhauptstadt-Titels sei es, leere Räume zu nutzen, und zu zeigen, dass die Stadt lebe, so Trümper. Ein konkretes Beispiel dafür gebe es schon: die Lichterwelten auf dem Domplatz. "Der Domplatz ist zur Weihnachtszeit normalerweise kalt und es ist nichts los. Aktuell ist es samstags und sonntags am Abend so voll, das haben wir in den letzten zehn Jahren nicht gehabt", meint der Oberbürgermeister.

Ein Passant mit Regenschirm geht über den Domplatz an Figuren der Lichterwelt vorbei
Zahlreiche Lichtinstallationen erleuchten derzeit die Stadt. Bildrechte: dpa

Das Thema der Leere ist das zentrale Thema der Magdeburger Kulturhauptstadt-Bewerbung. Das Motto lautet "Out of the Void", also "Raus aus der Leere". Es spielt neben dem Leerstand auch auf das berühmte Vakuum-Experiment Otto von Guerickes an. Magdeburg hofft, die Stadt mit dem Kulturhauptstadttitel nachhaltig voranzubringen und attraktiver zu machen. Ziel sei es, Kultur für alle zugänglich zu machen und die Magdeburger zu motivieren, sich in die Stadtentwicklung einzubringen.

Denn den Wettbewerb soll am Ende nicht die Stadt gewinnen, die bereits das reichste Kulturangebot hat. Sondern diejenige, die das größte Potenzial hat, Kultur zu entwickeln. Beim Magdeburger Bewerbungsteam ist zumindest die Hoffnung nun noch ein wenig größer.

Kalina Bunk
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über die Autorin Kalina Bunk arbeitet seit 2015 für MDR SACHSEN-ANHALT – in der Online- und in der Hörfunkredaktion. Sie schreibt für mdrsachsenanhalt.de, verfasst und spricht die Nachrichten im Radio und ist als Reporterin im Land unterwegs. Aufgewachsen ist sie in Bremen. Dort und in Madrid studierte sie Kulturwissenschaft und Germanistik. Danach war sie für mehrere private Radiosender in Bremen und Berlin tätig. An der Arbeit als Redakteurin fasziniert sie, dass jeder Arbeitstag anders aussieht und dass man täglich etwas Neues dazu lernt.

Quelle: MDR/kb

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 17. Dezember 2019 | 17:00 Uhr

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