Magdeburg am Abend Luftbild
Magdeburg im Einklang mit der Umwelt: Die CO2-Bilanz soll bis 2035 auf null gefahren werden. Bildrechte: imago/Frank Sorge

Beschluss des Stadtrates Magdeburg soll bis 2035 klimaneutral sein

Die Landeshauptstadt soll in 16 Jahren eine CO2-neutrale Stadt sein. Das hat der Stadtrat beschlossen. Der Oberbürgermeister hält dies für nicht machbar, selbst wenn Magdeburg nun beim Klimaschutz aufs Tempo drückt. Maßnahmen werden bereits umgesetzt.

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Magdeburg im Einklang mit der Umwelt: Die CO2-Bilanz soll bis 2035 auf null gefahren werden. Bildrechte: imago/Frank Sorge

Die Stadt Magdeburg will bis 2035 eine CO2-neutrale Umweltbilanz vorweisen. So steht es in der Vereinbarung "Klimaschutz umsetzen – Klimakrise bewältigen", die der Stadtrat am Donnerstagabend mit den Stimmen der Grünen, der Linken und der SPD beschlossen hat. Darin verpflichtet sich die Stadt, dass sie ihre Klimaschutz-Maßnahmen "deutlich beschleunigt". Diese Aufgaben seien "von höchster Priorität". Über mögliche Kosten wurde nicht diskutiert. Ein ursprünglicher Antrag der Linken, für Magdeburg nach dem Vorbild anderer Städte den Klimanotstand auszurufen, wurde fallengelassen.

Oberbürgermeister hält Plan für utopisch

Oberbürgermeister Lutz Trümper stimmte gegen den Antrag. Vom Ziel der Klimaneutralität hält er nichts. Trümper sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Das halte ich für eine vollkommene Illusion. Das ist nicht umsetzbar, das weiß man heute einhundertprozentig." Olaf Meister, der Fraktionsvorsitzender der Grünen, von denen der Klimaantrag stammte, wies darauf hin: "Wenn man die Klimakrise bewältigen will, dann müssen wir grundlegende Dinge – wie wir zusammenleben, wie wir Verkehr organisieren – müssen wir verändern." Lydia Hüskens von der CDU/FDP-Ratsfraktion widersprach dem nicht grundsätzlich. "Natürlich ist es auch Magdeburgs Aufgabe, seinen Teil zu tun, das ist für mich unstrittig", erklärte sie, hielt aber dagegen, sie fände es "immer ein bisschen problematisch, so zu überzeichnen, dass man versucht, Menschen in Panik zu versetzen". Davon halte sie nichts.

Tempo für Klimaschutz

Mit dem nun gefassten Beschluss verpflichtet sich der Stadtrat, bei künftigen Entscheidungen den Klimaschutz zwingend zu berücksichtigen. Ab Januar 2020 soll in Beschlussvorlagen eine Ja/Nein-Option enthalten sein, ob es bei der Sache um klimarelevante Dinge geht. Sollte dem so sein, müssen die Auswirkungen erklärt und der Umweltausschuss beteiligt werden. Eine Klimaschutzkoordinationsstelle soll eingerichtet werden. Außerdem muss der Oberbürgermeister bei der jährlichen Haushaltsberatung die Klima-Maßnahmenliste für das Folgejahr vorlegen und über den derzeitigen Stand der laufenden Projekte informieren.

Derzeit verursacht jeder Magdeburger pro Jahr knapp acht Tonnen CO2. Dies zu verringern, ist seit Jahren Teil der Agenda. So nimmt die Landeshauptstadt beispielsweise seit 2016 am "Masterplan 100 Prozent Klimaschutz"-Projekt des Bundesumweltministeriums teil. Dessen Ziel ist es, Ideen zum Klimaschutz zu erarbeiten und in ein Gesamtkonzept fließen zu lassen. Ein 2017 veröffentlichter Maßnahmenkatalog umfasst fast 200 Seiten.

Was steht im Maßnahmenkatalog zum "Masterplan 100 Prozent Klimaschutz"?

Das Papier nennt beispielsweise Energiespar-Aufklärung für Wohn- und Gewerberäume sowie Sensibilisierung für das Thema Klima an Kindergärten und Schulen. Außerdem fordert der Katalog Ideen für kürzere Wege innerhalb der Stadt, damit die Quote von 452 Pkw je 1.000 Einwohner gesenkt werden kann. Eine "Verbesserung der Radverkehrsinfrastruktur" in der Stadt ist darin mittelfristig für 2020 bis 2025 vorgesehen. Demnach sollen Radwege in der Regel auf der Straße geführt und zusätzliche Abstellanlagen geschaffen werden. Erst am Mittwoch war in Magdeburg eine Nebenstraße zu einer Fahrradstraße umgewidmet worden, in der Radfahrer Vorrang haben.

Das mit gut 300.000 Euro geförderte Projekt beinhaltete außerdem eine Haushaltsbefragung in der Landeshauptstadt. Knapp jeder fünfte der 4.500 ausgewählten Bürger äußerte darin Mitte 2018 seine Meinung. Die Befragung ergab unter anderem, dass über 90 Prozent keine Fahrradverleihsysteme nutzen und 60 Prozent nur selten oder auf Busse und Bahnen zurückgreifen. 85 Prozent gaben außerdem an, sich nicht besonders gut oder überhaupt nicht gut in die städtischen Klimaschutzaktivitäten eingebunden zu fühlen.

Quelle: MDR/ap

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 20. September 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. September 2019, 20:21 Uhr

17 Kommentare

frank d vor 8 Wochen

haben sie denn nicht so krasse Nachfrager wie das ZDF?
Warum stellen sie bei den Grünen keine nachfragen? wenn solche Menschen die Grenzen der Physik in Richtung Phantasie schon vor Jahren hinter sich gelassen haben. Dann hätten sie mein Hochachtung. Solange sie aber einer Partei nur als Stichwortgeber dienen und solange sie keine Kritischen Fragen an die ach so tollen richten. solange ist das halt subjektiv

MDR-Team vor 8 Wochen

Wir drücken uns vor keiner Antwort. Aber wie Sie sicher gelesen haben, kommt in unserem Beitrag der Oberbürgermeister der besagten Großstadt zu Wort, der den Plan für utopisch und nicht umsetzbar hält.

Und nein, wir schreiben nicht ab, sondern haben mit den zitierten Personen gesprochen.

Ekkehard Kohfeld vor 8 Wochen

Ach nenn sie das Demokratie,einfach die Meinung Andere unterbinden oder nicht veröffentlichen hat aber mit Demokratie und Meinungsfreiheit gar nichts zu tun,könnt ihr die Wahrheit nicht vertragen?

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