Mehr als 600 Teilnehmer Software-Entwicklerkonferenz in Magdeburg

Michael Blume ist Veranstalter der Magdeburger Developer Days, die am Dienstag begonnen haben. Das ist eine der größten Software-Entwicklerkonferenzen in Ostdeutschland. Nicht nur Branchenriesen kommen hier zusammen, sondern auch kleine und mittelständische Unternehmen. Ein Thema bei den mehr als 600 Softwareentwicklern: Nachhaltigkeit.

Marcel Roth
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

von Marcel Roth, MDR SACHSEN-ANHALT

Schlagestehen an der Eingangstür des AMO in Magdeburg
Schlangestehen: Das AMO in Magdeburg platzt fast aus allen Nähten. Bildrechte: MDR/Christian Lenz

Sie sind eine echte Erfolgsgeschichte: Zum vierten Mal finden die Magdeburger Developer Days statt. Veranstalter Michael Blume hat im vergangenen Jahr sogar einen Sonderpreis bei den "Magdeburger Otto-Awards" bekommen. In diesem Jahr haben sich 630 Softwareentwickler aus Deutschland und der EU angemeldet – so viele wie noch nie. Sämtliche Räume im AMO – selbst Künstlergarderoben – sind mit 85 Vorträgen und Workshops belegt. Und zum ersten Mal gibt es auch eine Bühne unter freiem Himmel und eine Band.

Überzeugungsarbeit für Nachhaltigkeit

Michael Blume
Bei Michael Blume gibt es keine Kaffee-Kapseln und keine Blechdosen, er setzt auf nachhaltigere Produkte. Bildrechte: Michael Blume

Besonderen Wert legt Blume in diesem Jahr auf Nachhaltigkeit. Dafür musste er wohl Überzeugungsarbeit leisten: "Ich habe meine Unterstützer ein bisschen gegängelt, weil mir das Thema wichtig ist. Es gab zum Beispiel die Idee, Energy-Drinks anzubieten. Da habe ich gesagt, bitte nicht in Einwegflaschen oder Blechdosen." Energy-Drinks gibt es auf den Developer Days also keine – dafür aber ein Eisbuffet. Aber auch das sollte keinen weiten Transportweg haben und wird deshalb von einer Firma aus Magdeburg geliefert.

Blumes eigene Firma in Magdeburg "Current System 23" berät u.a. Firmen in IT-Fragen und entwickelt Software. Dort, sagt er, sind Einwegflaschen oder auch Kaffeemaschinen mit Kapseln tabu. Über manche Geschäftspartner ärgert er sich im Alltag allerdings: "Es gibt zum Beispiel Partner der Developer Days, die allen Ernstes ein unterschriebenes, abgestempeltes Angebot wollen. Ein PDF-Dokument reicht denen nicht. Das ist widersinnig." Es koste Energie, Wasser und verursache Kohlendioxid. Keine Einwegflaschen und so wenig wie möglich drucken: All das seien kleine Sachen, die jede Firma und jeder Mensch beeinflussen kann.

Viele Computer = viel Strom

Kameramann filmt einen Konferenzvortrag
Der große Konferenzraum im AMO ist voll. Bildrechte: MDR/Christian Lenz

Allerdings hat jede Branche eigene Möglichkeiten, nachhaltig zu wirtschaften, glaubt Blume. "Gerade die IT-Branche steht beim Thema Ökologie erst ganz am Anfang." Zwar gebe es gute Beispiele wie das Magdeburger Startup Kilenda, das Kinderkleidung verleiht und so Ressourcen spare, aber vor allem gebe es Negativbeispiele. "Bei Kryptowährungen wird Energie verbrannt, um irgendwelche Hash-Summen zu ermitteln. Dabei sind diese Währungen weder als Zahlungsmittel noch als massentaugliche Geldanlage brauchbar." Alle Kryptowährungen würden so viel Energie verbrauchen wie ein mittelgroßes Land. "Die schmeißen wir raus für nichts", sagt Blume.

Experten schätzen, dass bald ein Fünftel des weltweiten Strombedarfs auf den IT-Sektor entfällt. Die Energie, die Internet, Video-Streaming, das Aufladen unserer Smartphones etc. benötigen, würde so viel Kohlendioxid erzeugen wie der weltweite Flugverkehr.

Weniger rechnen, spart Energie

Großer Konferentraum mit Bühne und vollbesetztem Saal
In Magdeburg treffen große Unternehmen der Branche auf kleine mittelständische. Bildrechte: MDR/Christian Lenz

"Wir haben nur einen Planeten mit begrenzten Ressourcen", sagt Blume. Deshalb müsse sich auch die IT-Branche fragen, wie sie möglichst ökologisch arbeitet. Ein gutes Beispiel sei SAP: "Die versuchen mit weniger Rechenzyklen zum gleichen Ergebnis zu kommen. SAP hat große Systeme bei Versicherungen oder Energieversorgern. Wenn sie es dort schaffen, nur zehn Prozent der Zeit einzusparen, dann ist das unterm Strich Energie. Und zwar richtig viel." Dieses Wissen sollten Programmierer noch viel mehr berücksichtigen, wenn sie eine Software schreiben.

Und so lauten zwei Vorträge auf den Magdeburger Developer Days "Einfachheit und Nachhaltigkeit in der Softwareentwicklung" und "Freie Software als Beitrag zur Green IT". Und auch wenn es keine Energy-Drinks auf den Magdeburger Developer Days gibt: Energie wird definitiv eine Rolle spielen.

Die Magdeburger Developer Days

Das AMO Kultur- und Kongresshaus in Magdeburg (Sachsen-Anhalt).
Der Veranstaltungsort: das AMO Kultur- und Kongresshaus in Magdeburg Bildrechte: dpa

Die Magdeburger Developer Days gibt es seit 2016. Damals kamen 270 Teilnehmer. Auf der Konferenz treffen sich Softwareentwickler aus Deutschland und Europa. Sie informieren sich in Fachvorträgen über neue Technologien und Arbeitsmethoden. Neben dem Wissenstransfer ist Veranstalter Michael Blume das Networking wichtig. Er sagt: "Ich weiß eine ganze Menge, aber nicht alles. Dafür weiß ich, wen ich als Telefonjoker anrufen kann." Die Magdeburger Developer Days ist die größte Softwareentwicklerkonferenz in Ostdeutschland.

Quelle: MDR/ahr

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT Heute | 21. Mai 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Mai 2019, 14:06 Uhr

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