#miteinanderstark Magdeburger Verkehrsbetriebe: Dauer-Desinfektion gegen das Coronavirus

Kalina Bunk
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Matthias Pötter sorgt in diesen Tagen dafür, dass Fahrgäste der MVB möglichst nicht mit dem Coronavirus in Berührung kommen. Seit dieser Woche desinfiziert er in Magdeburg-Olvenstedt jede ankommende Straßenbahn. Angst, sich selbst anzustecken, hat er dabei nicht.

Mitarbeiter Matthias Pötter desinfiziert eine Haltestange.
Matthias Pötter und sieben weitere Mitarbeiter reinigen an den Endstellen die Bahnen und Busse. Bildrechte: MDR/Magdeburger Verkehrsbetriebe

Wenn die nächste Straßenbahn die Wendeschleife erreicht, hält Matthias Pötter Handschuhe, Desinfektionsmittel und Wischtuch schon bereit. Er ist seit dieser Woche im Kampf gegen das Coronavirus in Magdeburg-Olvenstedt im Einsatz. Das ist nötig, weil Bahnen und Busse der Verkehrsbetriebe (MVB) seit einigen Tagen nicht mehr nur nachts im Depot gereinigt und desinfiziert werden – sondern auch tagsüber. Pötter und sieben weitere Mitarbeiter sind dafür an den verschiedenen Endstellen zuständig. Jede Bahn, die im Einsatz ist, soll so regelmäßig dran kommen.

Sobald die Türen automatisch aufgehen, geht es los. Griffe, Haltestangen, Türtaster und Fahrkartenautomaten werden mit dem Desinfektionsmittel behandelt. Sechs Bahnen sind es für Matthias Pötter in der Stunde, etwa fünf Minuten braucht er pro Bahn. "Viel Zeit dazwischen bleibt nicht", schildert er. Und es geht in die Arme: "Wenn man das den ganzen Tag gemacht hat, kann man nachts auf jeden Fall gut schlafen."

Froh über den Job

Eigentlich reinigt Pötter Autos in Autohäusern. Doch die seien aufgrund der Pandemie aktuell dicht. Er ist deswegen froh, dass er überhaupt noch in Vollzeit arbeiten kann. Angst, dass er sich selbst mit dem Coronavirus ansteckt, hat er dabei nicht: "Das ist mein Job, ich habe jeden Tag damit zu tun", sagt Pötter und lächelt dabei. Er achte eben darauf, seine Hände regelmäßig gründlich zu säubern.

Ein Türknopf wird gereinigt.
Die Bahnen öffnen die Türen zwar automatisch – die Taster werden dennoch desinfiziert. Bildrechte: MDR/Magdeburger Verkehrsbetriebe

Eine Sache geht ihm dann aber doch auf die Nerven: die Hinterlassenschaften der Fahrgäste in den Bahnen. Mal klemmt eine Plastikflasche hinter einer Haltestange, mal liegen Taschentücher auf dem Boden herum. Manchmal wird die Schale von Sonnenblumenkernen einfach auf den Boden gespuckt. "Man kann die Sachen auch selbst mit rausnehmen", findet Pötter. "An jeder Haltestelle gibt es Mülleimer." Der liegengebliebene Abfall wird dann nachts im Depot entfernt. In größeren Abständen gibt es außerdem eine intensivere Reinigung der Fahrzeuge, bei der zum Beispiel auch die Fenster geputzt werden.

Kann das Coronavirus über Gegenstände übertragen werden?

Bisher ist in keinem Coronafall nachgewiesen worden, dass sich Menschen durch Kontakt zu kontaminierten Gegenständen infiziert haben. Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung können die neuartigen Viren grundsätzlich aber durch Niesen oder Husten auf Oberflächen gelangen und dort eine Zeit lang überleben. Das Virus könne dann über die Hände in den Mund- und Rachenraum oder die Augen übertragen werden.

Um sich vor Ansteckung zu schützen, sollte man deswegen:

– allgemeine Regeln der Hygiene des Alltags befolgen
– regelmäßig Hände waschen
– mit den Händen nicht ins Gesicht fassen

In den sozialen Medien bedanken sich viele Menschen bei Pötter für seine Arbeit. Weil er dort aber nicht viel unterwegs ist, war ihm das bislang gar nicht bewusst. Im echten Leben würden die Menschen ihn dagegen teilweise blöd angucken, sagt er. Dabei ist er im Einsatz, damit sich die Fahrgäste wohlfühlen.

Pro Woche werden Pötter und seine Kollegen 25 Liter Desinfektionsmittel verbrauchen, um die Fahrzeuge zu reinigen, schätzt Tim Stein, der Sprecher der Verkehrsbetriebe. Das Unternehmen habe – wie viele andere auch – Schwierigkeiten, Nachschub zu bekommen. Dabei gehe es vor allem um die Hand-Desinfektion für die Fahrer. "Die ist seit Anfang Februar nicht mehr lieferbar", so Stein. Man versuche deswegen, etwas in den regulären Geschäften zu bekommen.

Fahrer werden angepöbelt

Die Corona-Krise wirke sich zudem zum Teil auf das Verhalten der Fahrgäste aus. Fahrer hätten berichtet, dass die Bus- und Straßenbahnnutzer weniger nach vorn kommen, um etwas zu fragen. Teilweise gebe es auch Pöbeleien, wenn die Türen der Fahrzeuge nicht automatisch öffnen. Bei den Bussen der MVB sei die Automatik-Öffnung technisch nicht möglich, erklärt Stein. Bei den Bahnen würden dagegen bis 21 Uhr alle Türen automatisch aufgehen, damit der Öffner nicht angefasst werden müsse.

Ein Fahrer der Magdeburger Verkehrsbetriebe mit Matthias Pötter und MVB-Sprecher Tim Stein.
Matthias Pötter mit einem Fahrer und MVB-Sprecher Tim Stein an der Endstelle in Olvenstedt. Bildrechte: MDR/Kalina Bunk

Weil Schulen und Kitas geschlossen sind und viele Magdeburger im Homeoffice arbeiten, sind derzeit zudem weniger Fahrgäste mit den MVB unterwegs als normalerweise. Seit dieser Woche gilt deswegen auch von montags bis freitags der Samstagsfahrplan mit weniger Fahrten. Da es daraufhin Beschwerden gab, wonach es in den Fahrzeugen im Berufsverkehr zu voll sei, wurde Ende der Woche nachgesteuert. Seit Freitag fährt die Straßenbahnlinie 9 zwischen den Stadtteilen Reform und Neustädter See zwischen 6 und 10 Uhr wieder alle 10, statt alle 20 Minuten. Auf den Linien 2, 4 und 10 sind die Straßenbahnen mit zusätzlichen Beiwagen unterwegs, damit es auch dort mehr Platz gibt.

Konsequenzen hat die geringere Auslastung für die MVB-Fahrer bisher nicht. Stein zufolge bauen einige Mitarbeiter derzeit Überstunden ab oder nehmen Urlaubstage, die aus dem letzten Jahr übrig sind. Zudem gebe es – wie zur Erkältungszeit üblich – aktuell einen moderat hohen Krankenstand. Außerdem seien Mitarbeiter in Corona-Quarantäne oder wegen fehlender Kinderbetreuung zu Hause. Einen bestätigten Coronafall gebe es im Team bisher aber nicht.

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Kalina Bunk
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über die Autorin Kalina Bunk arbeitet seit 2015 für MDR SACHSEN-ANHALT – in der Online- und in der Hörfunkredaktion. Sie schreibt für mdrsachsenanhalt.de, verfasst und spricht die Nachrichten im Radio und ist als Reporterin im Land unterwegs. Aufgewachsen ist sie in Bremen. Dort und in Madrid studierte sie Kulturwissenschaft und Germanistik. Danach war sie für mehrere private Radiosender in Bremen und Berlin tätig. An der Arbeit als Redakteurin fasziniert sie, dass jeder Arbeitstag anders aussieht und dass man täglich etwas Neues dazu lernt.

Quelle: MDR/kb

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 30. März 2020 | 07:30 Uhr

1 Kommentar

Querdenker vor 26 Wochen

Die Desinfektion ist gut und richtig, aber die Kontaktinfektion über Gegenstände ist nicht mehr der Hauptübertragungsweg, weil man sich davor auch relativ gut schützen kann.

Wir brauchen genug Abstand auch im öffentlichen Nahverkehr und das jeder zumindest einen einfachen Mundschutz (Schal, Tuch, selbstgebastelte Maske etc.) trägt. Aerosol-Tröpfchen können so reduziert werden. Man ist etwa 2 Tage bevor es Symptome gibt oft schon ansteckend.

siehe „n-tv Handel ruft zum Mundschutz-Tragen auf“

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