Magdeburger Wissenschaftler "Kohleausstieg ist Geldverschwendung"

Die Kohlekommission hat ihre Empfehlungen vorgelegt, jetzt macht sich die Politik an die Umsetzung des Kohleausstiegs. Der Magdeburger Klima-Ökonom Joachim Weimann hält nichts von all dem – er denkt, dass die Kohle schon weit vor 2038 ausgedient haben wird.

Ein Kohlebagger im Tagebau Profen
Ein Kohlebagger im Tagebau Profen – auch hier wird nur noch wenige Jahre abgebaut werden. Bildrechte: MDR/Oliver Hauswald

Der Magdeburger Wirtschaftswissenschaftler Joachim Weimann betrachtet den beschlossenen Kohleausstieg als überflüssig und Geldverschwendung. Der Klima-Ökonom der Otto-von-Guericke-Universität sagte MDR SACHSEN-ANHALT, er glaube ohnehin, dass Braunkohle nicht erst 2038 vom Markt verschwinden werde, sondern viel früher. Der jetzige Beschluss sei eine Vorwegnahme von etwas, das sowieso passiere.

Die Braunkohle werde in absehbarer Zeit ihre Wettbewerbsfähigkeit verlieren: "Und dann werden die Energieerzeuger von ganz allein von Braunkohle auf Gas umsteigen."

CO2-Austoß: Braunkohle und Erdgas In Deutschland wird die Hälfte aller CO2-Emissionen von der Energiewirtschaft verursacht, der Hauptteil durch Kohle. Braunkohle schneidet besonders schlecht ab, weil in Kohle fast nur Kohlenstoff zur Verbrennungsenergie beiträgt. Daraus wird dann Kohlendioxid. Gas dagegen besteht hauptsächlich aus Methan und zudem aus Wasserstoffatomen. Deswegen entsteht bei der Verbrennung ein Gemisch aus Kohlendioxid (CO2) und Wasserdampf (H2O). Gaskraftwerke stoßen etwa zwei Drittel weniger CO2 als Braunkohlekraftwerke aus.

Quelle: Umweltbundesamt/Bundestag

Kohle-Ausstieg mit sehr viel Geld

Die Politik habe allerdings auch beschlossen, den Kohle-Ausstieg "mit sehr viel Geld zu unterfüttern. Man hört, dass es sich auf 100 Milliarden summieren wird." Umgelegt auf die Menge an CO2, die eingespart werde, seien das "verdammt hohe Kosten", so der Experte.

Weimann verwies auf den bereits existierenden europäischen Emissionshandel. Nach Meinung des Klima-Ökonoms wird dieser dafür sorgen, dass die Preise für den Ausstoß einer Tonne CO2 ansteigen. Das treffe vor allen Dingen die Energieträger, die besonders viel CO2 ausstoßen: "Und das ist nunmal die Braunkohle."

Was ist Emissionshandel? Emissionshandel bedeutet, dass die Unternehmen für ihren Kohlendioxid-Ausstoß bezahlen müssen. Vermeiden sie Emissionen, können sie ihre Ausstoß-Zertifikate an andere Unternehmen verkaufen. Wer zu viel ausstößt, muss hingegen Strafe zahlen oder ungenutzte Zertifikate anderer Unternehmen aufkaufen. Die Politik legt jeweils fest, wie viel CO2 insgesamt ausgestoßen werden darf und wie viel ein Zertifikat kostet. Insgesamt wird die Menge des erlaubten Ausstoßes nach und nach gesenkt.

Erneuerbare Energien: CO2-Vermeidung kostet etwa 20 mal so viel

Wirtschaftswissenschaftler Weimann nannte den Emissionshandel ein "hervorragendes Instrument", das für "clevere Klimapolitik in Europa" stehe. Bereits jetzt seien die CO2-Emissionen um 25 Prozent gesenkt worden: "Es gibt keine andere Region auf der Erde, in der in den letzten zehn Jahren eine solche Reduktion durch ein Instrument, das die Politik eingesetzt hat, gelungen wäre." Der Emissionshandel sei das "weltweit erfolgreichste Klimaschutzinstrument. Und da sind wir dabei."

Der Emissionshandel sorge dafür, dass die Kosten für die Vermeidung von CO2 klein seien, so Weimann. Die Politik erzeuge jedoch das Gegenteil. So koste eine eingesparte Tonne Kohlendioxid im Emissionshandel 20 bis 25 Euro.

Deutschland setze hingegen auf erneuerbare Energien. Mit Photovoltaik koste die Vermeidung einer Tonne CO2 in etwa 20 mal so viel, nämlich rund 400 Euro.

Milliarden versüßen den Ausstieg

Ein Demonstrant hält ein Schild mit der Aufschrift "Die Umwelt ist wichtiger als euer Geld" auf der Demonstration "Hey KoKo - Kohleausstieg jetzt!" in Leipzig.
Der Kohle-Ausstieg wird kommen. Weimann sieht Sachsen-Anhalt als Profiteur. Bildrechte: dpa

Trotz seiner Kritik an dem Beschluss zum Kohleausstieg betrachtet Weimann Sachsen-Anhalt als Gewinner des Strukturwandels. Ministerpräsident Haseloff wisse bereits, dass es die Braunkohleindustrie in seinem Land "nicht mehr lange machen" werde. Jetzt sei der Ausstieg quasi administrativ festgelegt und werde "versüßt mit der einen oder anderen Milliarde Subvention".

Aus der Perspektive Sachsen-Anhalts, Brandenburgs und Nordrhein-Westfalens sei das ein "warmer Geldsegen". Gesamtwirtschaftlich betrachtet bleibe der Kohleausstieg aber ineffizient – wenn auch mit Verteilungsgewinnen auf Seiten einiger Länder: "Und da ist unser Land mit dabei."

Erneuerbare Energien Genauso wie die Kernenergie sind erneuerbare Energien weitgehend CO2-frei - die Stromerzeugung aus Biomasse ausgenommen. Die Herstellung von Kraftwerken und Anlagen kann jedoch auch einen Beitrag zur CO2-Bilanz leisten.

Quelle: Bundestag

Quelle: MDR/lk,mp,ap

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 31. Januar 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2019, 16:01 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

11 Kommentare

07.02.2019 21:03 Sachse43 11

@10: Früher wurde auch kein Getreide in Silos zum vergammeln freigegeben. Was die grünen Chefdogmatisten nicht gern sehen, wenn man den Begriff Grundlastsicherung ins Spiel bringt.
45h Sonnenscheindauer im Januar 2019, da reicht der Strom gerade so fürs TV am Abend..
Ab und an weht kein Wind oder es tobt ein Sturm= kein Strom, vernünftige Speicher gibt es dazu nicht.

07.02.2019 19:35 Eulenspiegel 10

Hallo Klaus Schubert 1
Dann überlegen wir mal: Wie war des den vor sagen wir mal 25 Jahren? Da wurde der Strom zu etwas 90 % durch Kohlekraftwerke und Atomkraftwerke erzeugt. Was ist heute davon übrig geblieben? Etwa 35 % Kohlestrom. Und das obwohl die Stromkonzerne überall diese Endwicklung behindert und blockiert haben wo es ihnen möglich war.

07.02.2019 16:39 Sachse43 9

Es handelt sich um ein Staatsdoktrin, ähnlich wie in der DDR, Vernunft, Sachlichkeit und Zahlen spielen da überhaupt keine Rolle. Wer was anderes behauptet wird zumindest geächtet.

Mehr aus Magdeburg, Börde, Salzland und Harz

Mehr aus Sachsen-Anhalt