Themenwoche Mode Betsy Peymann – die Frau, die Mode und Nachhaltigkeit zusammenbringt

Nachhaltigkeit geht auch sexy und cool. Das beweist mitten in der Magdeburger Innenstadt, im Schatten der Baustellen und eines großen Einkaufszentrums, eine junge Frau. Sie setzt auf Nachhaltigkeit. In ihrem Concept-Store "Betsy Peymann" bietet die 26-Jährige moderne und fair hergestellte Kleidung an. Ein Porträt.

Olga Patlan im MDR-Landesfunkhaus Magdeburg
Bildrechte: Olga Patlan/Gaby Conrad

von Olga Patlan, MDR SACHSEN-ANHALT

Eine junge Frau (Betsy Peymann) sortiert Kleidung an der Stange
Was in ihr Geschäft kommt, wird mit Bedacht gewählt – fair, nachhaltig und trotzdem modisch muss die Kleidung sein. Bildrechte: MDR/Olga Patlan

"Es musste einfach etwas mit Mode sein": Betsy Peymann wurde die Liebe zur Mode quasi in die Wiege gelegt. Ihre Oma war Schneiderin, ihre Großtante Designerin in New York. Da lag es nahe, dass auch Betsy in die Branche einsteigt: Seit einem guten halben Jahr betreibt sie einen Concept-Store auf dem Breiten Weg in Magdeburg. Im Schatten des großen Einkaufszentrums "Allee-Center" und im Kontrast dazu hat sie einen Laden aufgemacht, in dem sich alles um Nachhaltigkeit dreht. Weg vom Massenkonsum, hin zum fairen Bewusstsein. Das ist ihre Devise.

Was ist ein Concept Store?

Der Begriff Concept Store kommt aus dem Englischen und bezeichnet im Einzelhandel einen ungewöhnlichen Laden, der erlebnisreiches Einkaufen verspricht und hochwertiges Sortiment mit Kundenbindung verbindet. Meist werden dabei mehrere Konzepte in einem Laden verbunden, so zum Beispiel Boutique und Café.

Betsy ist gerade mal 26 Jahre alt. An ihrem Laden habe sie ein Jahr lang geplant, erzählt sie. Schließlich hat sie einiges damit vor. Zum Beispiel soll er den Menschen das Thema Nachhaltigkeit näher bringen.

Meist verbindet man ja mit nachhaltiger Mode nur farblose Kleidung aus Leinen, Baumwolle oder Filz. Ich will weg von diesem Image und zeigen, dass Kleidung sowohl modisch, bunt, stylisch und gleichzeitig fair hergestellt und nachhaltig sein kann.

Betsy Peymann

Nachhaltigkeit ist Aufklärungsarbeit

Das soll einerseits durch die bedachte Auswahl, die sie trifft, wenn sie ihre Kleidung einkauft, geschehen – andererseits durch Aufklärung. Mitten zwischen Pullovern und Shirts steht deshalb ein Behälter mit unterschiedlichen Rohstoffen, um aufzuklären, welche Rohstoffe es gibt, wie deren Ökowert ist und woraus überhaupt Kleidung hergestellt werden kann.

So werden zum Beispiel Schuhe und Kleidungsstücke aus recyceltem Plastik hergestellt. Der neueste Schrei ist das sogenannte Tencel. Eine Faser, die aus Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft hergestellt wird und somit biologisch komplett abbaubar ist.

Unterscheidliche Stoffe von Baumwolle über Plastik in einem durchsichtigen Behälter
Aufklären durch Aufzeigen: In ihrem Laden versucht Betsy auch über Rohstoffe aufzuklären. Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Nachhaltigkeit aus Liebe zur Natur

Dass sich Betsy so sehr mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt, liegt unter anderem daran, dass sie auf einem Bauernhof aufgewachsen ist: "Mein Opa hatte eine Obstplantage, ich habe viel Zeit als Kind draußen verbracht, deshalb liebe ich einfach die Natur." Außerdem hat sie vor ihrem Studium eine Ausbildung zur Mode- und Designassistentin gemacht. "Als ich selbst Kleidung geschneidert habe, wurde mir klar, dass T-Shirts für drei bis fünf Euro einfach niemals fair sein können", so Betsy.

Was ist nachhaltige Keidung?

Nachhaltige Mode, Eco Fashion, grüne Mode, Sustainable Fashion oder Ökomode: Diese Begriffe stehen für Bekleidung, die aus umweltfreundlichen Materialien hergestellt und bei deren Herstellung soziale Aspekte berücksichtigt werden. Sowohl die Materialien für die Produktion als auch die Herstellung selbst sollte ökologische und soziale Standards erfüllen.

Eine junge Frau (Betsy Peymann) lächelt in die Kamera
Der Name, der wie ein Pseudonym klingt, ist Betsys echter. "Eigentlich heiße ich Elisabeth Peymann, aber meine Mutter nennt mich schon seit Kindesalter an Betsy und so auch meine Freunde. Betsy ist die englische Form von Elisabeth." Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Nach der Ausbildung sei ihr klar gewesen, dass sie sich selbstständig machen will in der Modebranche. Das Ziel: Erst eine Boutique aufbauen, um später den Weg für eigene Designs zu ermöglichen, ebenfalls unter ihrem Namen Betsy Peymann. Um dafür eine möglichst gute Basis zu schaffen, studierte sie Betriebswirtschaftslehre. Das war auch der Grund für ihren Umzug nach Magdeburg. Auch wenn es keine Liebe auf den ersten Blick gewesen ist: "Irgendwann", sagt Betsy, habe sie festgestellt: "Magdeburg ist richtig, richtig schön, hier an der Elbe möchte ich bleiben."

Mehr Lebensqualität in Magdeburg schaffen

Deshalb ist ein weiteres Ziel, das sie mit ihrem Laden verfolgt: "Ich will, dass man mehr Lebensqualität in der Stadt schafft." Klar kenne sie viele aus dem Studium, die in größere Städte, wie Leipzig oder Berlin gegangen seien, erzählt Betsy. "Aber ich finde, es ist unsere Aufgabe, mehr urbane Räume zu schaffen, damit sich Menschen wohler fühlen. Und es irgendwann heißt: 'Hey, Magdeburg ist richtig schön, da wollte ich schon immer mal wohnen'." Um die Lebensqualität zu erhöhen, setzt Betsy auch auf eine Willkommenskultur in ihrem Laden. Jeder, der reinkommt, wird warm begrüßt. "Hallo! Schön, dass du da bist." Man soll sich wie Zuhause fühlen.

Urbanes Café mitten in einem Bekleidungsgeschäft

Dem Wohlfühlen dient auch der zweite Teil ihres Concept Stores, das Café: "Ich bin als Verbraucher selbst immer genervt, wenn ich irgendwo reinkomme und gleich von der Verkäuferin genervt werde." Dank des Cafés könne der Kunde erstmal ankommen oder nur bummeln oder sich einfach nur mit einem Kaffee hinsetzen, alleine oder mit Freunden. Mit dem frei verfügbaren WLAN bieten sich die Plätze im Store auch als Co-Working-Space an. Der Kaffee, die Milch und andere Getränke seien selbstverständlich auch aus fairem Handel, so Betsy. Die Milch komme zum Beispiel von einem Bauer aus der Region in Glasflaschen, um den ökologischen Fußabdruck möglichst gering zu halten.

Ein Mann sitzt in einem Cafe am Fenster
Ein Café im urbanen Stil zum Verweilen, Quatschen oder Arbeiten. Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Was Betsy auffällt: Viele Kunden kämen zu ihr rein, weil sie eine Sehnsucht nach Läden auf dem Breiten Weg haben. Betsy empfindet das ähnlich. Es bringe aber nichts, der Vergangenheit nachzutrauern, meint sie. Es sei deshalb schön, dass in der Stadt so viel passiert. "Ich freue mich über jede Baustelle in der Stadt, denn es bedeutet, dass etwas Neues entsteht. Aber es muss eben noch viel passieren und wir müssen mehr stolz sein auf Magdeburg."

Vom 15-Jährigen bis zur 75-Jährigen

Aber wer sind denn die Menschen, die zu ihr in den Store reinkommen? "Das ist keine bestimmte Konsumentengrupppe, das ist eher ein Verbrauchertyp, der sich mit Nachhaltigkeit auseinandersetzt", sagt Betsy. Es gehe um das Bewusstsein des Konsums. Und dieser Kunde könne in jeder Altersklasse sein, vom 15-jährigen Fridays-for-Future-Demonstranten bis zur 75-jährigen Oma, die sich eine Skinny Jeans kauft. "Ich glaube, guter Stil kennt kein Alter", deshalb versuche sie langlebige klassiche und trotzdem modische Kleidung sowohl für 20- als auch für 50-Jährige anzubieten.

Ich glaube, guter Stil kennt kein Alter.

Betsy Peymann

Nachhaltige Mode von Betsy Peymann auch auf der Modavision

Im November wird Betsy Peymann die nachhaltige Kleidung aus ihrer Boutique auch auf der Modavision, der größten Modenschau Sachsen-Anhalts, präsentieren: "Weil bei der Modavision die Modewelt Magdeburgs präsentiert wird und da gehören wir einfach dazu." Holger Salmen, Veranstalter der Modavision, findet: "Das Thema Nachhaltigkeit in der Mode ist in Magdeburg noch nicht 100 Prozent angekommen. Darum möchten wir das Thema groß machen und die Leute mit einem Umweltbewusstsein schärfen, dass sie zukünftig eventuell schauen, wo kommt die Mode her. Da ist Betsy eine sehr gute Partnerin."

Die Modenschau, bei der auch andere kleine Läden aus Magdeburg ihre Mode in einer Show präsentieren, findet am 9. November im Maritim Hotel in Magdeburg statt.

Kleidung in einem Geschäft
Mit viel Liebe zum Detail und Gefühl für Stil hat Betsy Peymann ihren Store gestaltet. Bildrechte: MDR/Olga Patlan
Olga Patlan im MDR Landesfunkhaus Magdeburg
Bildrechte: Gaby Conrad

Über die Autorin Olga Patlan ist seit 2015 freie Redakteurin und Reporterin bei MDR SACHSEN-ANHALT. Hier schreibt sie Online-Artikel, betreut die Social Media-Kanäle und moderiert Interviews und Videos auf dem Facebook- und Instagram-Kanal von MDR SACHSEN-ANHALT. Seit zehn Jahren lebt sie in Magdeburg. Hier studierte sie an der Otto-von-Guericke Universität Germanistik und Psychologie, spezialisierte sich aber bereits früh im Studium auf Medien.

Erste journalistische Erfahrungen sammelte sie bei Radio SAW. In ihrer Freizeit bereist sie gern die Welt und entdeckt Neues. Daher rührt auch ihre Leidenschaft für den Beruf als Journalistin, sich immer wieder in neue Inhalte zu denken, Menschen und Inhalte darzustellen.

Quelle: MDR/pat

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 08. November 2019 | 08:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. November 2019, 19:47 Uhr

2 Kommentare

Wenzel vor 7 Tagen

Cool und sexy! Genau! Toller Laden mit einer wunderbar stimmigen Atmosphäre. Die junge Frau Peymann ist einfach echt. Ich wünsche ihr viel Freunde und Erfolg.

RoTroBu vor 5 Tagen

Bravo, ein tolles Geschäftskonzept, genau auf der Linie welche Magdeburg mit Blick auf die Kulturhauptstadt Bewerbung braucht. Wünsche gutes Gelingen

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