Weggehen oder Bleiben? Lehrprojekt zeigt: Magdeburger Studenten wünschen sich attraktivere Stadt

In Magdeburg gibt es rund 18.000 Studenten. Einige engagieren sich, damit die Stadt attraktiver wird und beleben das kulturelle Leben. Das zeigt auch ein Lehrprojekt der Fachhochschule Magdeburg-Stendal. Entstanden ist ein Film, der die Wünsche und Vorstellungen der jungen Magdeburger thematisiert.

Junge Menschen sitzen an einem Tisch vor einem Lokal und unterhalten sich.
Im in.takt im Magdeburger Breiten Weg versuchen Studenten, Magdeburg neu zu denken. Bildrechte: Franziska Gutkäse

Amelie Höcker, Rebecca Kupfner und Simeon Laux studieren Journalismus an der Hochschule Magdeburg-Stendal. In erster Linie haben sie sich aufgrund des Studiengangs für Magdeburg entschieden, aber auch die günstigen Lebensbedingungen in der Landeshauptstadt haben dazu beigetragen. Sie haben hier ein angenehmes Leben, sagen sie, jedoch planen sie derzeit nicht, nach dem Studium in Magdeburg zu bleiben.

Die Gründe sind vielfältig. Ihnen fehlt eine zusammenhängende Innenstadt mit verkehrsberuhigtem Bereich, auch gebe es noch mehr Bedarf an kulturellen Angeboten für junge Leute. Viel Geld werde zwar in Hochkultur gesteckt, aber das mache eine Stadt nicht unbedingt lebendig. Das größte Problem für viele Studenten sind aber fehlende gut bezahlte Jobs.

Projekt zu Magdeburger Stadtkultur

Aus vielen Gesprächen mit Freunden und Kommilitonen wissen die drei, dass es vielen anderen Studenten in Magdeburg ähnlich geht. Bei einem ihrer Lehrprojekte haben sie sich daher die Frage gestellt:

Wie attraktiv ist Magdeburg für junge Menschen, wo hakt es noch und wie kann die Stadt sie langfristig an sich binden?

Entstanden ist ein Film, der die Probleme der Stadt deutlich aufzeigt. Da ist etwa Studentin Lea. Ihr fehlen Menschen auf den Straßen. Außerdem wünscht sie sich mehr Cafés und kulturelle Angebote. Auch eine Begrünung der Innenstadt fände sie gut. Ihrer Ansicht nach geht es in der Innenstadt ausschließlich um Konsum. Zum Schlendern werde niemand angeregt, das sei schade. Am meisten vermisst sie aber eine freundlichere Atmosphäre.

Auch Architekt und Dozent Hendrik Weiner vom Studiengang Cultural Engineering an der Otto-von-Guericke-Universität beschreibt die Probleme der Studenten im Film ähnlich. Seiner Ansicht nach bewegt sich aber etwas. Er selbst initiierte gemeinsam mit seinen Studenten das Projekt in.takt im Breiten Weg. Hier wollen junge Leute das kulturelle Leben der Stadt selbst voranbringen und dem bisherigen Leerstand ein wenig Leben einhauchen.

Vor allem bei der Bewerbung um die Kulturhauptstadt 2025 sei so viel möglich, meint Weinert.

Magdeburg stützt sich zu sehr auf prestigeträchtige Allgemeinplätze bei der Kulturhauptstadtbewerbung. Dabei müsste es vielmehr darum gehen, unterschiedliche Kulturansätze zu fördern.

Hendrik Weiner, Architekt und Dozent an der Magdeburger Universität

Stadt wird Ansprüchen nicht gerecht

Auch einige junge Politiker wollen etwas ändern. Nadja Lösch (Linkspartei) ist bei der Kommunalwahl frisch in den Stadtrat eingezogen. Sie glaubt, dass Magdeburg auf einem guten Weg ist, attraktiver zu werden, findet aber auch, dass die Stadt dem Anspruch junger Menschen oft nicht entspricht.

Andreas Schumann von der CDU sieht das Problem am Arbeitsmarkt. Er sagt im Film der Studenten: "Was wir brauchen, damit wir junge Leute hier halten, sind mehr attraktive und gut bezahlte Arbeitsplätze."

Quelle: MDR/jw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 28. Juni 2019 | 08:30 Uhr

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