Laden im Zentrum Wegen Verkehrschaos: Magdeburger Künstler entwickeln neue Idee

Der Magdeburger Stadtteil Buckau ist akuell wegen vieler Baustellen nur schwer zu erreichen. Künstler aus dem Viertel haben deswegen eine Alternative entwickelt und einen Laden im Stadtzentrum eröffnet.

Vor einem Ladengeschäft mit Aufschrift Buckau singt ein Mann am Mikro und mit Gitarre, neben ihm Oberbürgermeister von Magdeburg Lutz Trümper.
Musik, Kunst und Reden vom Vorstandsvorsitzenden Ingmar Schwan und Oberbürgermeister Lutz Trümper Bildrechte: MDR/Hanna Lohoff

"Fahrverbot Tag und Nacht. Wer soll schlafen bei dem Krach?" mit diesen Zeilen besingt der Musiker Hausfreund Semanski die Eröffnung des Buckau-Ladens in der Magdeburger Innenstadt, während ein Dutzend Gäste darauf warten, dass sich die Tore öffnen. Mit seinem Lied trifft der Musiker wohl den aktuellen Nerv vieler Buckauerinnen und Buckauer.

Denn das Viertel, das für seine lebendige Kunst- und Gewerbeszene bekannt ist, zeichnet sich momentan vor allem durch eines aus: eine riesengroße Baustelle. Die Sperrung der Schönebecker Straße macht einen Besuch in Buckau zur Herausforderung – den kleinen Läden und Ateliers bleibt dadurch die Kundschaft weg.

Um das zu ändern, ist Buckau jetzt temporär in die Innenstadt gezogen – in Form eines Stadtteilladens in der Ernst-Reuter-Allee. Hinter diesem Projekt steckt ein Anfang des Jahres gegründeter Verein.

Der Vereinsvorsitzende Ingmar Schwan betont: "Wie viele Gewerbetreibende und Künstler es in diesem Stadtteil gibt, das ist uns selbst erst bei den Vereinstreffen aufgefallen. Den vielen Kleinstunternehmen wollen wir eine Möglichkeit bieten, sich zu präsentieren und der Stadt zu zeigen, dass in Buckau in den letzten Jahren viel passiert ist."Finanzielle Unterstützung gab es von der Stadt, den Magdeburger Verkehrsbetrieben und den Städtischen Werken Magdeburg.

Buckau auf 89 Quadratmetern

Zur Eröffnung am Dienstag gibt es neben Live-Musik und Live-Kunst dann natürlich auch die Möglichkeit, die 89 Quadratmeter Ladenfläche zu bestaunen. Die sind aufgeteilt in einen Regalbereich mit allerlei Produkten aus Buckau, einen Raum für Workshops, Lesungen oder Konzerte, sowie einen Pop-Up-Store für stets wechselnde Gewerbetreibende aus Buckau.

In einem Laden zeigt eine schwarzgekleidete, blonde Frau Lutz Trümper ein T-Shirt mit Aufschrift Buckau.
Die Designerin Susanne Klaus versorgt Lutz Trümper mit Merchandiseartikeln. Bildrechte: MDR/Hanna Lohoff

Den Anfang macht die Designerin Susanne Klaus mit ihrem Modelabel "Ludisia".

Sie verkauft ihre Kleidung normalerweise im Buckauer "Engpass", ist nun aber für zwei Wochen in den Innenstadtladen gezogen. "Buckau hat jetzt eine Zweigstelle", freut sich Klaus. "Viele wissen gar nicht, was in Buckau alles Tolles los ist. Darauf wollen wir aufmerksam machen."

Aufmerksamkeit ist dem Projekt bei der Eröffnung sicher. Oberbürgermeister Lutz Trümper ist gekommen, ebenso wie andere Vertreterinnen und Vertreter der Stadt, die Presse ist da und die Vereinsmitglieder posieren stolz vor dem Schaufenster des Ladens.

Projekt soll für das Viertel begeistern

Trümper weist darauf hin, dass das Projekt nicht nur Buckau in die Innenstadt holen, sondern auch dazu anregen soll, trotz der Baustelle nach Buckau zu fahren:

16 Menschen, darunter Lutz Trümper, vor einem Ladengeschäft mit Aufschrift Buckau
Der Buckau e.V. gemeinsam mit Lutz Trümper vor dem neuen Innenstadtladen. Bildrechte: MDR/Hanna Lohoff

"Das Signal soll sein, dass man Buckau nicht vergisst. Wir wollen darauf hinweisen, dass die Läden immer noch angefahren werden können."

Der Buckau-Laden bleibt bis Ende des Jahres in der Ernst-Reuter-Allee und öffnet dienstags bis freitags von 10 bis 18 sowie samstags von 10 bis 14 Uhr seine Türen. Interessierte können während der Öffnungszeiten Kunst, Kleidung oder Getränke Made in Buckau kaufen und sich von der Kreativität des Viertels begeistern lassen – vielleicht sogar so sehr, dass der eine oder die andere trotz Großbaustelle und Krach die Fahrt nach Buckau wagt.

Quelle: MDR/jh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 10. Juni 2020 | 09:30 Uhr

1 Kommentar

wolter108 vor 14 Wochen

Hochachtung, tolle Idee die Imagekampagne
und jetzt der Laden, Klasse!!!

In Stadtfeld haben wir durch den Tunnelbau genau
die gleichen Probleme, nur unser steuerfinanziertes
Geschäftsstraßenmanagement
(Stadtplanungsamtes der LH Magdeburg) kümmert
sich lieber um eigene Projekt wie Meta-Architekten,
Freiraumlabor, Magdeburg 2025 etc. Dabei nimmt
der Leerstand nicht nur von Ladengeschäfte immer
mehr zu und durch eine verfehlte Werbekampagne
„Mein Kiez“ (Graffiti/Dreck/Leerstand etc.) wird dieses
noch forciert. Des Weiteren spricht man auch nur ein
gewisses Klientel an, das Ergebnis sieht man leider.

Das schönste Haus in Stadtfeld ist die wunderschöne
Villa wo unser steuerfinanziertes Geschäftsstraßen-
management residiert.

Durch Missmanagement seit 2016 haben wir den
Anschluß an andere Stadtteile verpaßt, vielleicht
ist an diese Stelle mal ein Wechsel nötig.

Super Idee, Buckau!!!

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