Tierschutz Giraffenzucht verbieten? Zoo Magdeburg weist Kritik von Tierschützern zurück

Innerhalb weniger Wochen sind im Magdeburger Zoo drei Giraffen gestorben. Jetzt will die Tierschutzorganisation PETA ein Zuchtverbot für die Tiere erwirken. Der Grund: Die Giraffen sollen schlecht gepflegt worden sein. Das Gesundheits- und Veterinäramt und der Zoo selbst weisen die Kritik als unberechtigt zurück.

Giraffen: Johannes, Giraffenkalb und Femke v.l.n.r.
Im Zoo Magdeburg sind kurz nacheinander mehrere Giraffen gestorben (v.l.n.r. Bulle Johannes, Giraffenkalb und Femke). Bildrechte: Zoo Magdeburg

Der Magdeburger Zoo soll keine Giraffen mehr züchten dürfen. Das will die Tierschutz-Organisation PETA erreichen, teilte sie MDR SACHSEN-ANHALT mit. Hintergrund ist der Tod von drei Giraffen innerhalb weniger Wochen.

Vorwurf: Mangelhafte Ernährung und Pflege

Nach Angaben der Tierschutz-Organisation PETA sind die Tiere mangelhaft gepflegt worden. So sei die Blutarmut bei Giraffenkuh Femke nicht vom Pflegepersonal festgestellt worden. Auch dass Giraffenkuh Shani trächtig gewesen sei, sei lange unerkannt geblieben. Die Geburt von Giraffenkalb Johannes sei dann für den Zoo überraschend gekommen. Nach Ansicht von PETA gab es auch Mängel in der Ernährung und Pflege des Giraffenjungen. Die Tierschützer verlangen deshalb vom Zoo einen umgehenden Zuchtstopp von Rothschild-Giraffen.

Die Tierschutz-Organisation lehnt grundsätzlich eine Haltung von Giraffen in Zoos ab. Nach ihrer Einschätzung kommt es wegen der unnatürlichen Haltungsbedingungen gerade bei Giraffen häufig zu Unfällen und Stürzen, etwa wegen der engen Boxen und rutschigen, harten Böden.

Die Bild-Zeitung hatte zuerst darüber berichtet.

Stadt weist Kritik zurück

Das Gesundheits-und Veterinäramt in Magdeburg weist die Kritik von PETA als unberechtigt zurück. Stadtsprecher Michael Reif sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Behörden hätten geprüft, ob sich der Zoo an das Tierschutzgesetz halte.

Dabei geht es konkret darum, ob die Tiere genug Platz haben und die Verantwortlichen sachkundig und zuverlässig sind. Im Zoo Magdeburg liegen laut Reif alle diese Voraussetzungen vor. Ob ein Zoo Giraffen züchten dürfe, entscheide die Europäische Vereinigung für Zoos und Aquarien.

Der Zoo selbst teilte am Dienstagnachmittag mit, er halte die Vorwürfe von PETA für unhaltbar. "Ferndiagnosen sind fehl am Platze", sagte Zoochef Kai Perret einer Mitteilung zufolge. Im Zoo seien seit 1996 acht Giraffenjungtiere erfolgreich aufgewachsen. "Die Tierpfleger, Zoologen und Tierärzte des Zoo Magdeburg besitzen jedes fachliche Wissen zur Handaufzucht von Huftieren – auch von Giraffenkälbern", so Perret weiter. Giraffenkuh Femke etwa habe keine Anzeichen einer Krankheit erkennen lassen. Die Giraffenzucht im Zoo werde fortgesetzt, sagte Perret.

Giraffenzucht in Zoos

Im Magdeburger Zoo werden Rothschild-Giraffen nach dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) aufgezogen. Das EEP ist Teil der Europäischen Vereinigung für Zoos und Aquarien (EAZA). Laut Zoo gehören Rothschild-Giraffen zu den seltensten Giraffen-Arten im Freiland mit einem Bestand von 1.671 Tieren. Sie werden von der Weltnaturschutzunion (IUCN) auf der Roten Liste für gefährdete Tier- und Pflanzenarten als "bedroht" (vulnerable) geführt.

Tierschützer kritisieren, der Artenschutzgedanke in Zoos sei keine Rechtfertigung für das Einsperren der Tiere, da selten bis gar nicht ausgewildert würden.

Rothschild-Giraffen können in Gefangenschaft mehr als 35 Jahre alt werden.

Drei tote Giraffen in wenigen Wochen

Am 24. Mai 2019 hatte Giraffenkuh Femke im Magdeburger Zoo eine Totgeburt erlitten. Einen Tag darauf starb die elfjährige Giraffe selbst. Am 1. Juli kam das Giraffenkalb Johannes auf die Welt. Es starb sechs Wochen später an einer Blutvergiftung.

Im September 2018 war der elfjährige Zuchtbulle Yoda an Kreislaufversagen gestorben. Und im Dezember 2017 musst die Giraffendame Fleur eingeschläfert werden. Das Tier war vermutlich ausgerutscht und dann zusammengebrochen.

Laut PETA sind insgesamt zwischen 2007 und 2019 mehr als 40 Giraffen in deutschen Zoos oder beim Transport zwischen den Zoos gestorben. Die meisten sollen an Verletzungen und gesundheitlichen Problemen gestorben sein.

Quelle: MDR/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 01. Oktober 2019 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Oktober 2019, 17:00 Uhr

12 Kommentare

Giraffen in Magdeburg vor 10 Wochen

Bei sieben verstorbenen Giraffen innerhalb der letzten Jahre, finde ich schon, dass ein Verbot der Giraffenzucht in Magdeburg geprüft werden sollte. Vielleicht liegt es auch an dem Giraffenhaus. Ich erinnere mich auch an den Schimmelbefall vom Affenhaus. Nachdem zwei Tiere (Anzahl wurde der Öffentlichkeit bekannt gegeben) verstorben waren, wurde es komplett umgebaut. Auf jeden Fall, glaube ich nicht, dass alle Todesfälle "natürlich" waren. Irgendetwas stimmt nicht und wird vertuscht.

aus Elbflorenz vor 10 Wochen

Wir sollten froh sein, Natur mit all unseren Sinnen (sehen, hören, riechen, fühlen) erleben zu dürfen, u. a. in Zoos, statt dass wir bzw. unsere Kinder die ganze Zeit am Bildschirm kleben.

Wir sind Steimle. vor 10 Wochen

In diesem Zoo scheint einiges im Argen zu liegen. Zoodirektor Kai Perret hat im Mai 2008 drei Tigerbabys töten lassen, weil sie ihm nicht gut genug für die Zucht waren. Er und drei seiner Mitarbeiter sind daraufhin vor Gericht mit einer Verwarnung davongekommen. Diese Menschen sollten ein lebenslanges Berufsverbot bekommen.
Vielleicht waren die Giraffen ja auch nicht gut genug ?

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