Reisejournalistin Geld verdienen mit Reisen: Wie eine Magdeburgerin diesen Traum lebt

André Strobel
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Mady Host ist eine Weltenbummlerin. Eine Träumerin. Eine Aussteigerin. Eine, die auszieht und dann darüber schreibt. Die Magdeburgerin ist Reisejournalistin. Ein Traumjob, der unglaublich viel Selbstdisziplin erfordert.

Mady Host sitzt an einem See und schreibt in ein Notizbuch.
Notizen für den nächsten Vortrag machen: Mady Host während einer Finnland-Reise. Bildrechte: Cornelia Reinhold

An Tagen wie diesen stellt Mady Host ihr Smartphone aus, alle Geräte off. Volle Konzentration auf das Buch. Sie sitzt zu Hause vor ihrem Rechner. Es geht um ihre Radreise quer durch Europa auf dem Eurovelo 6. 5.000 Kilometer – von der Atlantikküste bis zur rumänischen Schwarzmeerküste. Durch zehn Länder führte sie ihr Weg im letzten Jahr, eine Reise mit Höhen und Tiefen, wie sie heute sagt. Und eine Reise, die sie seit langer Zeit unbedingt machen wollte. Nun versucht sie, ihre unzähligen Notizen und Erinnerungen in einem Buch niederzuschreiben.

Die Reise durch Europa war für Mady Host bei weitem nicht die erste solcher Reisen. Seit vielen Jahren ist die junge Magdeburgerin unterwegs, ob zu Fuß, auf dem Rad oder in der Bahn. Nur mit dem Auto mag sie nicht reisen, aus ökologischen Gründen. Alles fing an, als sie auf dem Jakobsweg unterwegs war. 2008 war das. Zwölf Jahre später hat sie Dutzende Länder bereist. Auf ihrer Webseite schreibt sie:

Mady Host mit ihrem vollgepackten Fahrrad.
Bildrechte: Cornelia Reinhold

Unter meinen Wanderschuhen kleben isländischer Vulkanstaub, schottischer Whisky, Braunbärenkot und Meeressand.

Mady Host, Reisejournalistin

Neugier als Antrieb

Es ist die innere Neugier, die Mady Host nach draußen treibt. Sie will Menschen treffen, deren Geschichten hören und sie dann aufschreiben. Sie will Orte erkunden, die Welt sehen, Fotos machen, Erinnerungen sammeln.

Mady Host auf einem Podium vor einem Mikro.
Mady Host bei einem ihrer Vorträge im OLi-Kino in Magdeburg. Bildrechte: Gert Fiedler

Ich habe nach meinen ersten Reisen gemerkt, dass es mir Spaß macht, meine Erlebnisse aufzuschreiben. Und dann den Menschen zu erzählen. Ich halte Vorträge und habe seit langem auch einen Podcast, bei dem es um das Aussteigen geht.

Mady Host, Reisejournalistin

Das Leben als Reisejournalistin ist nicht immer leicht, denn im Endeffekt ist es doch ein Job, mit dem Mady Host Geld zum Leben verdienen muss. Nach und nach hat sie sich ein Standbein nach dem anderen aufgebaut: Ihre Bücher vertreibt sie über einen Verlag in Mettmann, sie hält Reisevorträge und hat Werbe- und Ausrüstungspartner.

Aussteiger-Podcast

"Reiselust mit Mady Host – der Podcast für Ein- und Aussteiger", so heißt Madys Podcast, von dem es bereits 112 Folgen gibt. In regelmäßigen Abständen stellt Mady darin Menschen vor, die ihren Traum vom Aussteigen wahr gemacht haben: Wanderer, andere Reisejournalisten, Reiseleiter oder Weltreisende. In der letzten Folge beispielsweise spricht Mady mit Samira Mousa. Die Berlinerin leidet unter Multipler Sklerose und befindet sich trotzdem derzeit auf einer Reise durch die Welt und zu sich selbst. Sie will damit anderen MS-Patienten Mut machen. Es sind diese Geschichten, die Mady Host immer wieder inspirieren.

Nächste Pläne noch ungewiss

Wohin sie als nächstes reisen möchte, weiß Mady noch nicht. Das entscheide im Endeffekt ihr Bauchgefühl, sagt sie. Aber es muss ein Land sein, das nur wenige auf dem Schirm haben, wo sich Touristen eher selten hin verirren. Die Vorbereitung auf die meist wochenlangen Reisen ist übrigens immer gleich und gar nicht so umfangreich: Reiseführer und Internetseiten.

Mady Host schaut aus einem fahrenden Zug.
Bildrechte: Cornelia Reinhold

Ich bereite mich nicht besonders vor. Ich möchte mich auch überraschen lassen. Ich nehme mir einfach eine bestimmte Route vor und was ich mir dann in den jeweiligen Orten anschauen möchte.

Mady Host, Reisejournalistin

Mady freut sich auf die Zeit vor der nächsten Reise, dann steigt langsam die Vorfreude und Aufregung. Doch die Zeit bis dahin wird sie größtenteils in ihrer Wohnung verbringen, am Schreibtisch sitzen und ihr Buch fertig schreiben. Bis Anfang 2021 hat sie sich dafür Zeit genommen, dann möchte sie das Buch bei der Leipziger Buchmesse vorstellen.

André Strobel
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor André Strobel wurde 1984 in Schönebeck geboren, aufgewachsen ist er in Barby an der Elbe. Seit 2010 arbeitet er für MDR SACHSEN-ANHALT, wo er vor allem über Kultur, Gesellschaft und Sport berichtet. Bevor Strobel zu MDR SACHSEN-ANHALT kam, hat er in Hamburg Angewandte Medienwirtschaft studiert – und in dieser Zeit viele Praktika gemacht, unter anderem bei Sport1, RTL Nord und sportdigital.tv. Anschließend hat er bei einer Münchner TV-Produktionsfirma volontiert.

Er mag das Wandern im Harz, die Abgeschiedenheit der Altmark und ist besonders großer Fan der Elbauen – vor allem in seiner Heimatstadt Barby.

Quelle: MDR/ff

MDR SACHSEN-ANHALT

0 Kommentare

Mehr aus Magdeburg, Börde, Salzland und Harz

Mehr aus Sachsen-Anhalt