Pressekonferenz zur Demo am Samstag Was "Querdenker" in Magdeburg unter Pressefreiheit verstehen

Am Mittwoch haben die Veranstalter der "Querdenken"-Demo zu einer Pressekonferenz geladen. Welche Fragen gestellt werden dürfen, haben die Veranstalter direkt eingeschränkt: Nur zur Organisation, nicht zum Inhalt. Auch was zitiert wird, wollten die "Querdenker" vor Veröffentlichung prüfen – obwohl sie die gesamte Pressekonferenz selbst gefilmt und veröffentlicht haben.

Ein Tisch mit fünf Perosnen, die in eine Richtung blicken, davor ein KAmeramann in Warnweste und daneben Bänke mit etwa 20 Personen
Eine Pressekonferenz mit klatschendem Publikum, das ist ungewöhnlich. Bildrechte: MDR/Julia Heundorf

Um für eine Demonstration am Samstag in Magdeburg einzuladen, hat die Gruppe "Querdenken-391" am Mittwoch eine Pressekonferenz veranstaltet. Fragen über den Inhalt der Demo waren aber nicht gewünscht. Zitate der Veranstalter sollten die Medienvertreter noch mal freigeben lassen – obwohl sie die Konferenz als Video selbst ungekürzt ins Netz gestellt haben.

Eigener Kameramann und klatschendes Publikum

Etwa 20 Menschen versammeln sich am Mittwoch um 11 Uhr in Magdeburg auf einer Wiese neben dem Rathaus. Eine gelbe Warnweste mit Aufschrift "Presse" ist bereits von weitem erkennbar. Beim Näherkommen wird auch das kleiner gedruckte "Querdenken-391 Magdeburg" sichtbar. Als "Presse" gekennzeichnet, ist der eigene Kameramann der Vereinigung.

Als Ansprechpartner für die Medien präsentiert sich dann ein Mann in weißem Hemd, der zwischen vier anderen Personen an einem kleinen Tisch in der Mitte Platz nimmt und sich als Andreas Martin vorstellt. Zudem ist zur Pressekonferenz im Freien Publikum anwesend – offensichtlich Freunde und Bekannte der Veranstalter, die die aufgestellten Bierbänke besetzen. Vor Beginn der Pressekonferenz werden Bussis ausgetauscht. Am Ende klatschen die Zuschauer, wie bei einer Kundgebung.

"Querdenker" wollen bestimmen, was berichtet wird

Andreas Martin liest im Wortlaut das Statement vor, das er vorher aufgeschrieben hat. Mehrfach weist er im Laufe der Veranstaltung darauf hin, dass Medienvertreter nur zitieren dürften, was die Veranstalter – also er und sein Team – noch einmal zur Freigabe vorgelegt bekämen.

Abfotografiertes Blatt Papier mit Schrift
Die Organisatoren versuchen, die Berichterstattung zu lenken. Bildrechte: MDR/Julia Heundorf

Nur einen Satz – eine Art Kalenderspruch, der in die zweiseitige Mitteilung aufgenommen wurde – wollen die Veranstalter der Presse als Zitat ohne Freigabe erlauben. Darunter schreiben sie auf dem Handout sogar:  "Zitat, welches gern 1:1 übernommen werden darf". Spätestens damit ist klar: Die "Querdenker" laden nicht zur unabhängigen Berichterstattung, sondern zu einer Belehrung für die Medien, was sie zur Demo sagen dürfen oder nicht.

Auch welche Fragen gestellt werden dürfen, legt Andreas Martin fest: Man werde Fragen zur Veranstaltung beantworten, aber nicht zum Inhalt. Und: Die Journalisten sollen die anderen Personen am Tisch bitte nicht ansprechen, sondern Fragen immer an ihn richten. Seine Podiumskollegin und -kollegen könnten selbst entscheiden, ob sie auf eine Fragen antworten wollen oder nicht.

Namentlich vorgestellt werden die anderen Personen nicht, auch welche Rolle sie spielen, bleibt unklar. Alle Journalisten werden hingegen aufgefordert, vor dem Fragestellen Name und Medium zu nennen, während der Kameramann filmt – eine Verdrehung des Prinzips Pressekonferenz und Berichterstattung.

Veranstalter können und wollen inhaltlich nicht viel sagen

Viel zu sagen haben die Veranstalter auch nicht. Die Demo findet am Samstag auf dem Alten Markt in Magdeburg statt. Erwartet werden laut Andreas Martin 800 Personen aus Magdeburg und anderen Städten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Im Anschluss sei ein Protestzug geplant. Als ein Journalist nach dem Hygienekonzept fragt, erntet er Gelächter aus den Bierbankreihen. Andreas Martin antwortet, man warte noch auf die Auflagen von der Verwaltung.

Auf die Bitte, das Motto der Demo, "Recht auf Leben", näher zu erläutern, antwortet er: Diejenigen, die bereits auf Veranstaltungen der Organisation "Querdenken" dabei gewesen seien, wüssten, um welche Themen es da ginge. Er zählt einige Stichworte auf: Impfen, Einschränkung der Grundrechte, Selbstbestimmung, Corona-Maßnahmen – "Und all diese Themen eint eins: Die finden sich wieder im eigenen Recht auf Leben. Daher das Motto", so Martin.  

Die Frage einer Journalistin "Wie stehen Sie denn konkret zu den Corona-Maßnahmen?", blockt Martin ab. Er habe bereits zweimal darauf hingewiesen, dass inhaltliche Fragen zur Veranstaltung am Samstag beantwortet würden.

Quelle: MDR/jh

92 Kommentare

Britta.Weber vor 6 Wochen

Karl Schmidt, "bei der heute-show bekommen alle ihr Fett weg". Nein, das ist eine üble Hetzsendung mit einem klaren Feindbild, unwürdig dem Sendeauftrrag der Öffentlich Rechtlichen. Das kann man machen, aber nicht von GEZ-Gebühren. Wer Welcke-Hetze sehen will, sollte dafür bezahlen müssen.

Paule vor 6 Wochen

@ Britta Weber: Herr Schröder ist kein Angestellter des ÖRR, oder Beamter des Staates! Er ist freiberuflich tätig. Er produziert selbst und sagt das, was er denkt! Er nimmt den hoch, den er hochnehmen will. Ist man nur mutig, wenn man etwas gegen den Staat sagt? Nein! Er hat eine klare Position und die vertritt er auch in der Öffentlichkeit. Er hat
in Stuttgart niemanden beleidigt, er niemanden bloßgestellt und er niemanden lächerlich gemacht. Er hat das gemacht, was die Querdenker wollten. Er ist ihnen mit respektvoll begenet und hat seine Meinung gesagt. Genauso, wie Sie hier unzensiert Ihre Meinung in einem Portal eines ÖRR-Senders sagen können. Machen Sie das mal auf einem öffentlichen Portal der Querdenker, oder der AFD, oder von Pegida. Da werden Sie nämlich einfach gelöscht, oder blokiert, wenn sie Kontra-Beiträge liefern! Das kann ich Ihnen aus Erfahrung sagen.

Britta.Weber vor 6 Wochen

Paule, da darf ich an die Legende D. Hildebrand erinnern, der das sinngmäss gesagt hat. Er sagte, als Brandt an die Regierung kam, hatte das Münchner Kabarett große inhaltliche Probleme, weil er als Anhänger von Brand nun kaum die Politik der Mächtigen krisitieren konnte.
Ich habe Schröder oft erlebt (auf 3sat und im ARd-Talk). Er hat sich immer einseitig pc-gerecht positioniert (im Unterschied zu Nuhr), hat nie etwas Mutiges gesagt. Im DDR-Sprech würde man sagen, er ist ein systemtreuer Künstler. Er wollte wohl seinen Sendeplatz behalten oder gar aufsteigen. Das ist aus seiner Sicht okay, ich bevorzuge Menschen mit echtem Mut und Rückgrat.

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