Traktoren in der Innenstadt Streit über Rückgang der Artenvielfalt: Bauern demonstrieren in Magdeburg

In Magdeburg haben sich am Donnerstag rund 40 Landwirte zu Protesten gegen die Agrarpolitik des Bundes getroffen. Konkret ging es um Vorwürfe, die Bauern seien die Hauptschuldigen für den Rückgang der Artenvielfalt auf Äckern und Feldern.

Landwirte stehen mit ihren Traktoren bei einer Demo vor der Staatskanzlei in Magdeburg.
Protest gegen die Vorwürfe: Um ihrem Unmut Luft zu machen, fuhren die Landwirte am Donnerstag auch an der Magdeburger Staatskanzlei vorbei. Bildrechte: MDR/Stefan Bauerschäfer

In der Innenstadt von Magdeburg protestieren seit Donnerstagmorgen 40 Landwirte mit ihren Traktoren. Viele fühlen sich zu Unrecht dafür verantwortlich gemacht, dass die Artenvielfalt in Deutschland rapide zurückgeht. Zu dem Protest hatte die Vereinigung "Land schafft Verbindung" in zahlreichen deutschen Städten aufgerufen, darunter in Münster, Bonn oder Berlin.

Martin Dippe von "Land schafft Verbindung" sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Landwirte würden das "permanente Bauern-Bashing" nicht mehr auf sich sitzen lassen. Sie wollten ihren Beitrag zum Artenschutz beitragen. Das müsse aber entsprechend belohnt werden. In erster Linie sei wichtig, nun mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium ins Gespräch zu kommen.

420 Millionen Euro EU-Fördergeld für Landwirte

Anlass für die Demonstration am Donnerstag ist der Beginn einer Sonderkonferenz zur geplanten Reform der EU-Agrarsubventionen. Sachsen-Anhalts Umweltministerin Claudia Dalbert (Grüne) sagte MDR SACHSEN-ANHALT vor Beginn der Konferenz, Europa müsse eine ökologische Wende der Landwirtschaft hinbekommen. Es brauche eine Reform bei der Auszahlung der Subventionen. Wer Geld von der Europäischen Union für seine Äcker bekomme, müsse im Gegenzug etwas für Umwelt-, Natur- und Klimaschutz tun, sagte Dalbert. 2019 waren insgesamt knapp 420 Millionen Euro EU-Fördergelder an Landwirte in Sachsen-Anhalt geflossen.

Vereinigung verlangt Rücktritt von Bundesumweltministerin

Die neueste Kritik der Landwirte ist eine Folge von Äußerungen der Bundesumweltministerin. Svenja Schulze (SPD) hatte in einem Bericht zur Lage der Natur jüngst konstatiert, dass das Artensterben auf landwirtschaftlichen Nutzflächen unvermindert anhält – und dafür die industrielle Landwirtschaft verantwortlich gemacht. Die Landwirte wehren sich gegen diese Darstellung und betonen, nicht sie allein seien für den Rückgang der Artenvielfalt verantwortlich.

Rückgang der Artenvielfalt Demo in Magdeburg: Landwirte verlangen Rücktritt von Bundesumweltministerin

Zwei Landwirte tragen ein Protestplakat bei einer Demo vor der Staatskanzlei in Magdeburg.
In der Innenstadt von Magdeburg protestieren am Donnerstag zahlreiche Landwirte. Bildrechte: MDR/Simon Köppl
Zwei Landwirte tragen ein Protestplakat bei einer Demo vor der Staatskanzlei in Magdeburg.
In der Innenstadt von Magdeburg protestieren am Donnerstag zahlreiche Landwirte. Bildrechte: MDR/Simon Köppl
Landwirte stehen mit ihren Traktoren bei einer Demo vor der Staatskanzlei in Magdeburg.
Sie sind unzufrieden mit der Agrarpolitik der Bundesregierung – insbesondere mit jüngsten Äußerungen von Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Bildrechte: MDR/Stefan Bauerschäfer
Landwirte demonstrierten mit Traktoren in Magdeburg.
Die SPD-Politikerin hatte die Schuld im dramatischen Rückgang der Artenvielfalt in Deutschland hauptsächlich bei den Landwirten gesucht. Bildrechte: MDR/Stefan Bauerschäfer
Ein Protestschild an einem Traktor erklärt den Begriff "Landwirtschaft" mit den Worten "Die Kunst, Geld zu verlieren während man 400 Stunden pro Monat arbeitet, um Menschen zu ernähren, die denken dass man sie vergiften will".
Auf einer Tafel der Protestierenden stand: "Landwirtschaft: Die Kunst Geld zu verlieren während man 400 Stunden pro Monat arbeitet, um Menschen zu ernähren, die denken, dass man sie vergiften will." Bildrechte: dpa
Ein Landwirt steht mit seinem Traktor bei einer Demo auf dem Schleinufer in Magdeburg.
Die Bauern kritisieren, dass nicht sie allein für den Rückgang der Artenvielfalt verantwortlich seien. Man werde das "permanente Bauern-Bashing" nicht mehr akzeptieren, sagte Martin Dippe von der Vereinigung "Land schafft Verbindung" am Donnerstag MDR SACHSEN-ANHALT. Bildrechte: MDR/Stefan Bauerschäfer
Landwirte stehen mit ihren Traktoren bei einer Demo auf dem Schleinufer in Magdeburg.
Der Zusammenschluss kritisiert, dass das Ministerium bislang nicht auf Gesprächsangebote eingegangen ist. Einen Dialog gebe es nicht. Bildrechte: MDR/Stefan Bauerschäfer
Auf einem Transparent an einem Fahrzeug demonstrieren Bauern dafür, Klimaschutz funktioniere nur mit ihnen.
Das müsse sich dringend ändern, verlangten die Landwirte unter anderem vor der Landeszentrale der Sachsen-Anhalt-SPD. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Landwirte gehen mit einem Sarg und einem Plakat auf dem "Frau Schulze, Landwirte sind keine Umweltsünder. Wer lügt, muss gehen! Wir fordern ihren Rücktritt" zu lesen ist über den Domplatz der Landeshauptstadt zum Landtag.
Auch auf dem Domplatz vor dem Landtag wurde demonstriert. Bildrechte: dpa
"Ein Herz für Bauen" steht auf der Rückseite eines Plakates, das eine Landwirtin an einer Mistgabel befestigt hat.
An dem Protest beteiligten sich Bäuerinnen und Bauern mit rund 40 Traktoren. Bildrechte: dpa
Landwirte stehen mit ihren Traktoren vor dem Landtag.
Neben Magdeburg wurde auch in anderen zahlreichen Städten demonstriert.

Dieses Thema im Programm:
MDR um 11 | 28.05.2020 | 11:00 Uhr

Quelle: MDR/ld,ahr
Bildrechte: dpa
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Von der Vereinigung "Land schafft Verbindung" hieß es im Vorfeld der Demonstrationen am Donnerstag, das Bundesumweltministerium habe bislang keinen Dialog ermöglicht und Kontaktaufnahmen ignoriert. Auch deshalb habe man sich entschieden, wieder auf die Straße zu gehen.

Wir Landwirte wehren uns gegen die Diffamierung durch die Politik. Wir fordern eine sachliche und nicht ideologische Betrachtung der Sachlage.

Vereinigung "Land schafft Verbindung"

Die Vereinigung forderte Umweltministerin Schulze zum sofortigen Rücktritt auf. Deshalb demonstrierten die Landwirte am Donnerstag in Magdeburg auch vor der Zentrale der SPD.

"Land schafft Verbindung" hatte in diesem Jahr bereits zu mehreren Demos gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung aufgerufen. Auch Landwirte aus Sachsen-Anhalt hatten sich daran beteiligt.

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR-Fernsehen | MDR um 11 | 28. Mai 2020 | 11:00 Uhr

17 Kommentare

Hans Frieder leistner vor 5 Wochen

Vor ein paar Jahren war ich mal vor Saison -im Juni - in Südstirol im Urlaub. Da noch kein Betrieb war, erlaubte mir ein Bauer nach einem Gespräch über seine noch blühende Gebirgswiese zu gehen und die Blumenvielfalt zu bewundern. Das war ein einmaliges Erlebnis. Nur kann man diese Wiesen für Viehhaltung nutzen. Getreideanbau ist nicht möglich. Und das braucht der Mensch auch zum Leben.

Werner Original vor 5 Wochen

Eigentlich wollte ich zum Lob heute was Sinnvolles zum Thema schreiben, aber manche schreiben auch nur noch Blödsinn: "@GrueneBundestag 17 Std. Ein Grund für diese Pandemie war die falsche Art & Weise, wie wir unsere Nahrungsmittel produzieren, Landwirtschaft betreiben und dabei mit unserer Umwelt umgehen. Jetzt müssen wir die Krise umgekehrt nutzen, um endlich die Ernährungswende auf den Weg zu bringen! - @RenateKuenast"
"WolfgangLhdt 14 Std... Der krankhafte Wahn negative Ereignisse für die eigene Ideologie zu instrumentalisieren.. dreiste Behauptungen...."
"Darth Monchichi 3 Std... @RenateKuenast Sag ich seit Jahren. Weil wir hier nicht mit Ochsen, sondern mit Maschinen pflügen entstehen Vibrationen, die sich durch den Erdkern fortpflanzen und davon wird in China den Fledermäusen so schlecht, dass sie ihre Viren auskotzen. Aber mir glaubt man ja nicht."
"...unsere Fledermäuse vor dem Verzehr besser durchzubraten. Ein Gesetz zur Mindestbrattemperatur jetzt!" Ja, mit 3 BT-Hanseln.

aus Elbflorenz vor 5 Wochen

@C.T.
"Und soweit ich weiß, backt man mit Mais kein Brot..."

Zöliakiekranke Personen essen wegen Glutenunverträglichkeit ihr Leben lang Maisbrot. Maisbrot ist im Übrigen traditionelle Speise auf dem amerikanischen Kontinent.

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