#MDRklärt Was man über Corona-Quarantäne wissen muss

Im Falle einer Infizierung mit dem Corona-Virus wird für die Betroffenen Quarantäne verordnet. Wir erklären Ihnen, wer genau in Quarantäne muss, wie lange und welche Regeln für die Quarantäne gelten. Schon jetzt bereiten sich einige Menschen mit Hamsterkäufen auf eine Zeit in Quarantäne vor. Warum das nicht notwendig ist.

Quarantäne Corona-Virus
Ein Arztbogen zum Coronavirus (Symbolbild) Bildrechte: Colourbox.de

Vierzehn Tage Quarantäne sind Pflicht

Eine häusliche Quarantäne dauert laut Robert-Koch-Institut bei einem Verdacht auf Infektion mit dem Coronavirus 14 Tage. Das entspricht der maximalen Dauer der Inkubationszeit. In dieser Zeit haben die isolierten Personen täglich Kontakt mit dem zuständigen Gesundheitsamt, "um den Gesundheitszustand zu beobachten und rasch zu handeln, falls Symptome auftreten sollten."

Das bedeutet laut Ute Albersmann, Sprecherin des Sozialministeriums in Sachsen-Anhalt, dass die Betroffenen ihr Haus oder ihre Wohnung wirklich nicht verlassen. Das Infektionssschutzgesetz bietet den Landesgesundheitsbehörden die rechtliche Grundlage dafür, Betroffene zur Quarantäne zu verpflichten. "Die Durchsetzung von Quarantäne-Anordnungen erfolgt durch die Polizeibehörden vor Ort", schreibt das Bundesgesundheitsministerium auf seiner Webseite. Wirklich kontrolliert werden könne die Einhaltung aber nicht, sagt Ute Albersmann.

Verdacht auf Infizierung muss gemeldet werden

In häusliche Quarantäne geschickt werden neben den Infizierten auch sogenannte Kontaktpersonen der Coronavirus-Infizierten. Das sind Personen, die mit Coronavirus-Infizierten in engerem Kontakt waren, zum Beispiel Körperkontakt hatten. Sie müssen sich beim zuständigen Gesundheitsamt melden. Es besteht eine vom Bund verordnete Meldepflicht.

Die gilt – so der Wortlaut der Verordnung – wenn "der Verdacht nach dem Stand der Wissenschaft sowohl durch das klinische Bild als auch durch einen wahrscheinlichen epidemiologischen Zusammenhang begründet ist", wenn man sich also in einer Risikoregion aufgehalten hat oder Kontakt mit Infizierten hatte.

#MDRklärt Daher kommt der Ausdruck "Quarantäne"

Daher kommt der Ausdruck "Quarantäne"  Ein Segelschiff im Abendrot
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Daher kommt der Ausdruck "Quarantäne"  Ein Segelschiff im Abendrot
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Im 14. Jahrhundert breitete sich die Pest aus, vor allem über Ratten in Segelschiffe.  Ein Segelschiff und eine Ratte
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Schiffe aus Pest-Gebieten mussten in Venedig und Ragusa 40 Tage warten, bis sie anlegen durften.  Venedig Markusdom
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"40 Tage" heißt auf Italienisch "quaranta giorni" – der Ursprung der Quarantäne.  Ein Segelschiff im Abendrot.
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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 04. März 2020 | 06:00 Uhr

Quelle: MDR/mx
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Gesundheitsamt entscheidet über Quarantäne

Das zuständige Gesundheitsamt bespricht mit Betroffenen die notwendigen Maßnahmen. Die Sprecherin des Landessozialministeriums erklärte MDR SACHSEN-ANHALT: "Das wird für den Einzelfall vom Gesundheitsamt festgelegt." Die individuelle Entscheidung hänge von zahlreichen Faktoren ab.

Als Beispiel nannte Albersmann den Fall, dass bekannt wird, dass eine Person infiziert ist, die zuvor ein Flugzeug genommen hatte. Alle Mitfliegenden würden kontaktiert – aber die Maßnahmen zum Infektionsschutz wären unterschiedlich und abhängig davon, ob die Kontaktperson neben der infizierten gesessen hat oder sehr weit weg.

Keine Ausnahmen von der Quarantäne

Häusliche Quarantäne bedeutet, den ununterbrochenen Aufenthalt zuhause. Für Einkäufe oder sonstige Erledigungen sollten Familie, Freunde oder Nachbarn mobilisiert werden, so das Sozialministerium in Sachsen-Anhalt. Körperkontakt sollte dabei vermieden werden. Einkäufe könnten vor die Tür gestellt werden.

Das Sozialministerium Sachsen-Anhalts geht nach Angaben einer Sprecherin nicht davon aus, dass es notwendig wird, größere Flächen unter Quarantäne zu stellen. Es sei auch nicht geplant, Großveranstaltungen abzusagen oder Einrichtungen wie Schulen zu schließen. Sie verwies darauf, dass zum Zeitpunkt im Land keine Infektion nachgewiesen wurde. Auch das Bundesgesundheitsministerium schreibt: "Die Notwendigkeit, aber auch die Verhältnismäßigkeit der Abriegelung ganzer Städte und Gemeinden ist derzeit nicht gegeben."

Keine Notwendigkeit für größere Vorräte

Voller Einkaufswagen
Das Bundesgesundheitsministerium empfiehlt Bürgerinnen und Bürgern, einen Vorrat für die Notfallvorsorge zuhause zu haben. Die Empfehlung gelte aber "unabhängig von Covid-19". Bildrechte: IMAGO

Das Landessozialministerium sieht nach Angaben der Sprecherin keine Notwendigkeit große Vorräte anzulegen. Die Ministerin Petra Grimm-Benne hatte am Montag davon abgeraten, Lebensmittel und Desinfektionsmittel zu horten.

Das Bundesgesundheitsministerium empfiehlt in einem Ratgeber für Notfallvorsorge das Anlegen von Vorräten, weist aber darauf hin, dass diese Empfehlungen "unabhängig von Covid-19", also dem Coronavirus, gelten.

Familie und WG in Quarantäne

Besteht der Verdacht, dass sich jemand mit dem Coronavirus angesteckt hat, sollten möglichst alle Menschen, die im Haushalt leben, zunächst zuhause bleiben, sagt Albersmann. Es gelten auch dabei die individuellen Empfehlungen des Gesundheitsamtes. Aber auch innerhalb des Haushaltes sollte sich die erste Kontaktperson isolieren, also allein im Raum bleiben, Mahlzeiten getrennt von der Familie oder den Mitbewohnern einnehmen.

Hände waschen
Regelmäßiges Händewaschen gehört zu den wichtigsten Maßnahmen. um die Verbreitung des Coronavirus zu vermeiden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Wohnung oder das Haus sollte regelmäßig gelüftet werden. Besteck und Geschirr sowie Hygieneartikel sollten nicht geteilt werden. Utensilien und Geschirr sollten regelmäßig und gründlich abgewaschen werden, Kleidung ebenfalls. Normale Spül- und Waschmittel reichen aus.

Einzuhalten sei – unabhängig von der Quarantäne – die Husten- und Nies-Etiquette, um die Verbreitung des Virus einzudämmen.

Quelle: MDR/jh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 03. März 2020 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

Nordharzer vor 38 Wochen

Man kann sich nur noch wundern, Bundesministerien und -ämter empfehlen Notfallvorsorge und wenn Bürger das machen, werden sie wegen angeblichen Hamsterkäufen verunglimpft.

Steffen 1978 vor 38 Wochen

Hart durchgreifen müssten Ämter und Behörden bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist und nicht erst wenn es zu spät ist. Jetzt nachdem das Virus eingeschleppt wurde nutzen diese Maßnahmen nichts mehr auch das jetzt erst ein Notfallplan erstellt wird ist der Witz des Jahrhunderts

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