Blick auf den  Magdeburger Domplatz mit dem Dom im Hintergrund. Auf dem Platz sind eine Bühne und eine Tribüne aufgebaut.
Open-Air-Veranstaltungen auf dem Magdeburger Domplatz ziehen viele Gäste an – sind aber umstritten. Bildrechte: Theater Magdeburg/Andreas Lander

Streit um Standort Musical am Domplatz – OB Trümper gesprächsbereit

Jedes Jahr im Sommer veranstaltet das Theater Magdeburg auf dem Domplatz ein Open-Air-Musical. Das lockt nach Theaterangaben zwar etwa 22.000 Besucher jährlich an, allerdings wird der Platz durch die Auf- und Abbauarbeiten für etwa drei Monate blockiert. Das stört die Anwohner und Café-Besitzer am Domplatz. Eine nicht repräsentative Umfrage von MDR SACHSEN-ANHALT, wonach fast 70 Prozent gegen Musicals auf dem Domplatz sind, hat eine Diskussion in der Stadt ausgelöst. Die Reaktionen im Überblick.

Blick auf den  Magdeburger Domplatz mit dem Dom im Hintergrund. Auf dem Platz sind eine Bühne und eine Tribüne aufgebaut.
Open-Air-Veranstaltungen auf dem Magdeburger Domplatz ziehen viele Gäste an – sind aber umstritten. Bildrechte: Theater Magdeburg/Andreas Lander

Trümper: Thema ab 2019 neu entscheiden

Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) zeigt sich offen, über den Domplatz als Veranstaltungsort für Musicals zu diskutieren. Trümper sagte MDR SACHSEN-ANHALT, das Thema sei auch im Stadtrat umstritten gewesen, vor allem, weil der Domplatz längere Zeit blockiert werde. Die Alternative vor zehn Jahren sei aber gewesen, die Veranstaltung im Elbauenpark zu machen. Trümper weiter: "Wir haben aber gesagt, wir wollen, so ähnlich wie in Erfurt die Domfestspiele, mit dem Dom als Hintergrund Musical und damit den Musicalstandort Magdeburg etablieren." Man könnte die Aufbauzeit verkürzen, indem man eine private Firma engagiere. Damit würde aber das ganze Musical unwirtschaftlich.

Der aktuelle Vertrag mit dem Theater läuft Trümper zufolge bis 2019, danach müsse neu entschieden werden, wie mit dem Thema umgegangen wird. Es zeichnet sich laut Trümper aber eine mögliche Lösung ab: "Wir haben mit den Planungen für die Freiflächen zwischen Stadthalle und MDR-Gebäude genau die Absicht, da auch eine Möglichkeit zu schaffen, dass man solche Open-Air-Veranstaltungen dort machen kann. Aber die müssen wir ja erstmal baulich gestalten und das dauert ein paar Jahre." Die aktuelle Debatte um den Domplatz müsse man aber führen.

Innenstadt-Vertreter wollen Vor- und Nachteile diskutieren

Und die Debatte wird geführt. Fast 5.300 Stimmen wurden bei einer nicht repräsentativen Umfrage auf MDR SACHSEN-ANHALT.de abgegeben. Der Sprecher der IG Innenstadt, Arno Frommhagen, zeigte sich überrascht von der hohen Umfragebeteiligung und auch vom Ergebnis: Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT, er hätte mit einem Unentschieden gerechnet.

Eine Bühne auf dem Magdeburger Domplatz. Davor steht ein Fahrzeug.
Auf- und Abbauarbeiten sorgen für Einschränkungen in der Innenstadt. Bildrechte: MDR/Sören Thümler

Eine Befragung unter 46 der 323 IG Innenstadt Mitglieder habe aber ein ähnliches Ergebnis gebracht: Dabei sprachen sich laut Frommhagen die Mehrheit (65 Prozent) für einen anderen Veranstaltungsort aus, zum Beispiel im Stadtpark. Die IG Innenstadt hoffe auf eine gemeinsame Lösung mit dem Theater. Schließlich profitierten die Mitglieder auch von der guten Arbeit des Theaters, die Touristen anlocke. Einen konkreten Termin für ein Gespräch der IG Innenstadt mit Anrainern gibt es laut Frommhagen noch nicht. Der könne frühestens nach den Sommerferien stattfinden.

Vorschläge aus den Kommentarspalten

Magdeburger Dom bei Sonnenuntergang
Auch von der anderen Seite des Elbufers bietet der Dom eine beindruckende Kulisse. Bildrechte: Sebastian Mokross

Die Reaktionen auf die Berichterstattung spiegeln zum großen Teil das Ergebnis der Umfrage wider. Nutzer "Carsten Klatt" schreibt: "Magdeburg hat unendlich viele Veranstaltungsorte. Warum der für Touristen wichtigste Platz monatelang durch einen Wanderzirkus belegt wird, ist wohl das Geheimnis der Stadtverantwortlichen..." Auch "Michael Rohr" sagt, es gebe genug Alternativen zum Domplatz. Hier würden für viel Geld renovierte historische Gebäude verschandelt. Und das Geld für die eigentlich schönen Wasserspiele sei zum Fenster herausgeworfen. Der Nutzer "Autobahnraser" meint zu dem Thema: "Die Menschen wollen immer nur alles in Erinnerung behalten, in der Erinnerung, die ihnen die einzig liebste ist, die Einsamkeit der Straßen und Plätze; die gibt es zu verteidigen. Alles soll genau so bleiben, wie es ist. Veränderung bringt sie um."

Diskussionen um Verlegung des Ereignisses

"Frida Freiberger" kritisiert bei Facebook die Umfrage: "Ein tolles Beispiel dafür, warum Volksentscheide nicht zielführend sind. Die große Mehrheit der Magdeburger nutzt die kulturellen Angebote der Stadt leider nicht und hat wahrscheinlich noch nie ein Theater von innen gesehen. Wenn man eine Abstimmung durchführen würde, ob man alle Theater der Stadt schließen sollte, würde wohl auch die 'Mehrheit' dafür stimmen." Sie schreibt auch: "Der Domplatz wurde schon immer für Kultur und Veranstaltungen genutzt. Eine Landeshauptstadt sollte leben und mit Kultur erfüllt sein!"

"Sebastian Wilke" gibt zu bedenken, dass der Domplatz den Magdeburgern am Herzen liegt. Dass zeige die rege Umfragebeteiligung. Alle hätten ein Anrecht auf "ihren" Platz und wollten nicht ausgezäunt sein, so "Sebastian Wilke". Und "Stefan Müller" schreibt: "Nur weil sich viele User gegen die Spielstätte Domplatz aussprechen, heißt das ja noch lange nicht, dass sie sich gegen das Open-Air-Kultur-Event an sich wenden. Im Gegenteil! Die Mehrheit sprach sich ja für das "Open Air an anderer Stelle" ... aus. Ich mag den Domplatz samt Dom sehr gern, ich würde ihn deshalb auch im Sommer gern sehen - und so mancher Tourist wohl auch."

Wasserspiele auf dem Domplatz in Magdeburg.
Einige Nutzer kritisieren, dass die Wasserspiele auf dem Domplatz in der Zeit des Domplatz Open Airs nicht genutzt werden können. Bildrechte: Burkhard Pitschmann

Facebook-Nutzer wie "Janette Götzel" sowie "Syzzo Zenobius de Courmoulinier" regen an, eine erneute Umfrage zu starten – unter repräsentativen Kritierien. Sie stellen die Frage in die Runde, ob die Veranstaltung an anderer Stelle ebenso erfolgreich wäre und ob die Besucher auch an einen weniger zentralen Veranstaltungsort kommen würden. Auch "Doreen Sölter" fragt sich, wie Lebendigkeit und Kultur in der Innenstadt funktionieren sollen, wenn die Veranstaltung an den Stadtrand verlegt würde, wo es niemand mitbekommt.

Premiere am Freitag

Am 15. Juni ist es trotz aller Kritik so weit. Dann startet das Domplatz Open Air. In 18 Aufführungen läuft das Rock-Musical "Jesus Christ Superstar".

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 13. Juni 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Juni 2018, 10:48 Uhr

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2 Kommentare

14.06.2018 12:16 Dave Gööck 2

Ich kann auch nicht verstehen, wie eine private Veranstaltung einen derart zentralen öffentlichen Platz über so lange Zeit besetzen kann. Der Domplatz ist für die Stadtbevölkerung im Sommer defacto nicht nutzbar. Die Wasserspiele können Kindern keinen Spaß bereiten und die Cafés und Sitzgelegenheiten verlieren massiv an Attraktivität. Es gibt in Magdeburg aus meiner Sicht auf jeden Fall diverse andere Plätze, auf denen das Theater ihr Spektakel aufführen kann. Die Gäste würden sicher auch an einem anderen Ort kommen, um das Schauspiel zu genießen.

14.06.2018 11:23 böse-zunge 1

Umfrage (risikoo) - Ergebnis (alarmierend)
Resultat ... einem aufgeschreckten Hühnerhaufen nahe

Und nun? Relativismus..
Neue Orte - die noch Jahre bis zur Nutzung vergehen lassen, Stimmungen - Kulturnichtnutzer würden bestimmen, da hätte es schon immer (!) Kultur und Veranstaltungen gegeben.

Hier hake ich mal ein - die Wasserspiele "visualisieren" Wehrgräben einer Pfalzanlage, Erzbischöfe nutzten den 'Neuen Markt' und preuß. Besatzungstruppen dies als Parade- und Exerzierplatz - davon rührt bis heute die "gähnende Leere" - Kultur und Veranstaltungen, nuja wohl ne Definitionsfrage von selbsternannten Kulturbürgern.

Die Auslastung von Magistratsstrecke und Fort12 sollte das Theater selbst beantworten können.
Meine Erinnerung: sehr gut besucht.
Die Bestuhlung, im Gegensatz zum Bild oben, atemberaubend anders. Ein Erlebnis - statt großes Haus mal 'oben ohne'.