Sexistische Kommentare im Netz Junge Frau aus Magdeburg macht auf Sexismus im Reitsport aufmerksam

Sexismus im Reitsport ist ein zunehmendes Problem. Darauf macht eine junge Magdeburgerin auf Instagram aufmerksam. Sie wehrt sich gegen anzügliche Kommentare, die sie wegen ihrer Fotos erhält – und bekommt dafür von anderen Usern viel Zuspruch.

Eine Reiterin mit ihrem Pferd
Lisa Marie Kreutz bei einem Wettkampf Bildrechte: Rudolph Hindelang

Lisa Marie Kreutz reitet seit der Grundschulzeit. Pferdesport ist ihre Leidenschaft, die sie auch gern mit anderen in sozialen Netzwerken teilt. Ihr Pferd ist ihr ans Herz gewachsen und so zeigt sie sich auch auf Instagram oft zusammen mit ihrem Schimmel "Iceman". Immer wieder bekommt Lisa Marie Kreutz allerdings sexistische Nachrichten, wenn sie Fotos postet. "Reite doch auch mal auf mir", war nur eine von vielen privaten Nachrichten, die sie auf ihrem Instagram-Account bekommen hat.

Das wollte sie nicht länger hinnehmen. Nach langen Gesprächen mit Freunden und ihrer Familie hat sie einen Hashtag ins Leben gerufen, der auf das Problem aufmerksam machen soll – denn es gibt Sexismus, Diskriminierung und Mobbing im Reitsport. Nicht nur bei Lisa Marie Kreutz.

Unter dem Hashtag #uyvequestrian hat sie ihrem Ärger Luft gemacht. Die Reaktionen waren überwältigend für die 21-Jährige. Innerhalb weniger Tage bekam Lisa Marie Kreutz mehr als 500 Nachrichten von anderen Betroffenen – aber auch von denen, die ihr Mut zusprechen wollen. Ihre Story wurde unzählige Male geteilt.

Lisa Marie Kreutz sagt: "Ich bin laut geworden, weil ich finde, dass es einfach ein Unding ist, dass dieses Thema noch nie aufgegriffen wurde, obwohl so viele davon betroffen sind und vielleicht auch darunter leiden. Da musste jetzt einfach mal was getan werden."

Altbekanntes Problem

Sexismus im Reitsport sei schon lange bekannt, erzählt auch der Präsident des Pferdesportverbandes Sachsen-Anhalt, Jürgen Mund. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT, er freue sich, dass Lisa Marie Kreutz jetzt öffentlich darauf aufmerksam macht. Sein Verband habe zusammen mit dem Landessportbund außerdem beschlossen, dass es künftig eine Plattform für Betroffene geben soll. Das soll vor allem ein Schutz für Kinder und Jugendliche sein. Außerdem sagte Mund jegliche Unterstützung zu, wenn es zu Sexismus-Problemen oder Diskriminierung kommen sollte.

Anwältin: Rechtliche Schritte sind möglich

Julia Hartwig in ihrem Büro
Julia Hartwig hat bei ihrer Arbeit regelmäßig mit hasserfüllten Inhalten im Netz zu tun. Bildrechte: MDR/Alisa Sonntag

Auch juristisch können sich Betroffene gegen sexistische Nachrichten wehren. Rechtsanwältin Julia Hartwig aus Magdeburg sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "In solchen Fällen ist ein zivilrechtlicher Unterlassungsanspruch möglich und es kann natürlich auch der Straftatbestand der Beleidigung erfasst werden. Das sollte man auch auf jeden Fall tun. Dafür ist allerdings Voraussetzung, dass sich das Opfer durch die Aussage sexuell herabgesetzt fühlt. Das geht auch, wenn Sie unaufgeforderte Bilder bekommen, die einen sexuellen Hintergrund haben."

Auf die Frage, warum diese Nachrichten gerade im Netz immer häufiger vorkommen, meint die Magdeburger Rechtsanwältin, dass der Umgang mit dem Internet und die vermeintliche Anonymität oft zur Selbstdarstellung genutzt werde. Die Hemmschwelle sei im Internet geringer, hat sie beobachtet und fügt an: "Man sollte aber nicht vergessen, das Internet vergisst nie. Bilder, aber auch Artikel, sind für die Ewigkeit."

Frau sitzt neben einem Pferd.
"Ich habe ein gutes Recht, diese Bilder zu posten", sagt Lisa Marie Kreutz. Bildrechte: Nathalie Pruß

Einige Fotos der jungen Reiterin auf Instagram entsprechen aber auch einem Klischee. Lisa Marie Kreutz meint dazu: "Ich poste diese Bilder, weil das für mich etwas ganz normales ist und das ist auch mein gutes Recht. Ich kann nichts dafür, wenn das andere Leute triggert. Viele triggern auch schon nackte Füße, aber wenn sich jemand dann sexuelle Gedanken dabei macht, soll er diese bitte für sich behalten."

Rechtspsychologe Dr. Steffen Dauer aus Halle rät auf alle Fälle von allzu freizügigen Posts ab. Seiner Meinung nach muss aber jeder jederzeit mit blöden Kommentaren in den sozialen Netzwerken rechnen – egal, wie harmlos oder unbedeutend ein Foto auch sei.

"Reitsport sollte ausschließlich als Sport wahrgenommen werden"

Lisa Marie Kreutz jedenfalls will als Sportlerin wahrgenommen werden und nicht als Sexobjekt. Sie ist seit 2019 in der Weltrangliste der Juniorinnen vertreten und hat dort bereits erste Weltranglistenpunkte bekommen. Sie ist unter den jungen Reitern amtierende Hallenlandesmeisterin in Sachsen-Anhalt und auch auf den Außenplätzen amtierende Vizelandesmeisterin.

"Wir betreiben ja die einzige olympische Sportart, bei der Männer und Frauen gleichberechtigt gegeneinander antreten. Darum sollten wir stolz sein, Reitsportler zu sein und unsere Stimme erheben. Wir verdienen den gleichen Respekt wie andere Sportler auch."

Quelle: MDR/jw,ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 06. November 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. November 2019, 14:26 Uhr

18 Kommentare

MaP vor 1 Wochen

Die Überschrift ist völlig falsch: es geht nicht um Sexismus im Reitsport, sondern es geht um Sexismus in den sozialen Medien. Das was der Reitsportlerin passiert nach dem Posten von Fotos, kann und wird jeder anderen gutaussehenden Frau, egal ob Sportlerin oder nicht, egal ob sie mehr oder auch weniger freizügige Fotos postet, geschehen. Das ist kein Alleinstellungsmerkmal im Reitsport.

C.T. vor 1 Wochen

Hier geht es aber nicht darum was Unrecht ist und was nicht oder hier sexuelle Belästigung . Unrecht war und wird immer Teil der menschlichen Gesellschaft sein. Hier geht es darum, wie man Kinder und Jugendliche vor unrechtmäßigem Verhalten schützt. Und zwar, indem man ihnen in diesem Fall von kleinauf beibringt, privates nicht öffentlich zu machen - in einer Welt die nur strotzt vor kranken Typen. Sie können nicht immer nur von Verboten reden und damit hoffen Unrecht abzuwenden - das wird niemals geschehen ...eventuell im Phantasialand. Ich bleibe dabei, wer Bilder veröffentlicht muss damit rechnen auch unrechtmäßige Kommentare zu bekommen.

Monazit vor 1 Wochen

"Rechtspsychologe Dr. Steffen Dauer aus Halle rät auf alle Fälle von allzu freizügigen Posts ab."

Auch mit dieser Meinung bin ich nicht einverstanden. Es wäre das Eingeständnis, dass das Recht auf persönliche Unversehrtheit (und die fängt ja schon bei allzu sexistischen Kommentaren an) davon abhängt, wie man sich kleidet.

Es stimmt, sie müssen sich für nichts rechtfertigen. Aber sie dürfen es im Rahmen der Diskussion tun. Und wenn sie vier Posts eigentlich nur dazu nutzen, ein potenzielles Problem, von dem sie nicht betroffen sind, zu verharmlosen und das potenzielle Opfer zu diskreditieren dann werde ich sie immer wieder für kritisieren, wenn sie mir keine guten Gründe nennen, sondern nur rumpöbeln.

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