Bauvorhaben Schüler stellen Visionen für Grünen Stadtmarsch in Magdeburg vor

Daniel Tautz vor einer grauen Wand
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Vegane Restaurants, Gemeinschaftsgärten und Wasserstoffautos: Das wünschen sich die Schüler des Internationalen Stiftungsgymnasium für den Stadtmarsch der Zukunft. Ob ihre Ideen für die Fläche an der Elbe aber überhaupt Wirklichkeit werden könnten, entscheidet sich kommende Woche im Stadtrat.

MWG-Vorstandssprecher Thomas Fischbeck lässt sich die Ideen der Schülerinnen und Schüler erklären.
Schülerinnen und Schüler erklären ihre Ideen für den Magdeburger Stadtmarsch. Bildrechte: MDR/Daniel Tautz

Die geplante Bebauung des Stadtmarschs stößt bei einigen Magdeburgern auf Kritik. Doch im Internationalen Stiftungsgymnasium löste das Thema am Dienstag Begeisterung aus. "Hier soll ein richtig leckeres Restaurant hin", sagt Merle und zeigt mit dem Finger auf einen kleinen Würfel aus Pappkarton. "Da können sich alle Nachbarn treffen und kennenlernen", ergänzt ihre Mitschülerin Yasmen. Die beiden Sechstklässlerinnen ernten lautstarken Applaus für ihr Modell, das den "Grünen Stadtmarsch" ihrer Träume zeigt.

Besonders kräftig klatscht Thomas Fischbeck, Vorstandssprecher der Magdeburger Wohnungsgenossenschaft (MGW), in die Hände. Denn auch für ihn haben 21 Schüler des Internationalen Stiftungsgymnasiums in den vergangenen Wochen gegrübelt, gezeichnet und gebastelt. Zu dem Schülerwettbewerb hatte die MWG gemeinsam mit der Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg (WOBAU) aufgerufen. Die Idee: Der Stadtmarsch soll auch von jenen mitgestaltet werden, die in Zukunft dort wohnen sollen.

Das Modell von Merle und Yasmen für den Stadtmarsch mit Strand, einen Bootsanleger und einen großen Springbrunnen.
Der Entwurf von Merle und Yasmen von oben: Es gibt einen Strand und einen großen Springbrunnen. Bildrechte: MDR/Daniel Tautz

Modelle der Schüler setzen auf Nachhaltigkeit

Und Gestaltungideen haben die Schüler der fünften und sechsten Klasse reichlich. Bei der Präsentation ihrer Modelle und Zeichnungen zeigt sich schnell: Wenn es nach ihnen ginge, dürfte der "Grüne Stadtmarsch" gerne noch deutlich grüner werden.

Eine Schülerin will dort eine Imkerei bauen. "Gegen das Bienensterben", wie sie sagt. Eine Gruppe will vegane Restaurants und Unverpackt-Läden – "gegen all den Plastikmüll". Ein Schüler spricht über ökologische, gesellschaftliche und ökonomische Nachhaltigkeit und regenerative Energie.

Im Traumviertel von Merle und Yasmen soll es viele Treffpunkte geben.
Im Traumviertel von Merle und Yasmen soll es viele Treffpunkte geben. Bildrechte: MDR/Daniel Tautz

Die Präsentationen der Schüler stecken voll durchdachter Visionen, lobt MWG-Vorstandssprecher Fischbeck. Doch ob Teile davon schließlich auch in die Bauplanung einfließen, möchte er zunächst nicht versprechen. "Ich muss all die Ideen jetzt erstmal sacken lassen", sagt er. Auch zum Zeitplan für die nächsten Projektschritte äußert sich Fischbeck nicht. Klar ist aber: Schnell muss es nicht gehen. "Dieser Standort ist so wichtig und einmalig, dass wir uns dafür Zeit nehmen müssen."

Die Zukunft des Stadtmarschs entscheidet sich im Stadtrat

Fischbeck bleibt bei seinen Äußerungen zu den nächsten Projektschritten aus gutem Grund recht vage. Denn die Bebauungspläne könnten in der kommenden Woche noch platzen. Am 23. Januar steht der Stadtmarsch erneut beim Stadtrat auf der Tagesordnung.

Anlass ist ein Antrag der Gartenpartei, alle Bauvorhaben abzubrechen. Sie kritisiert unter anderem die Verdrängung von Grünflächen und befürchtet, dass die Wohnanlage vor allem für Reiche konzipiert wird. Der Ausgang der Abstimmung ist ungewiss.

"Ich hoffe, dass uns die Stadträte eine Chance geben"

Merle und Yasmen (v.l.) mit ihrem Projekt.
Merle und Yasmen (v.l.) mit ihrem Entwurf für den Stadtmarsch. Bildrechte: MDR/Daniel Tautz

Fischbeck blickt gespannt, aber zuversichtlich auf den Termin im Stadtrat. "Ich bin mir natürlich nicht sicher, wie das ausgeht. Aber ich hoffe, dass uns die Stadträte eine Chance geben." Zunächst einmal sei er aber froh, dass keiner der Schüler vorschlug, den Stadtmarsch unbebaut zu lassen.

Merle und Yasmen befürworten das neue Wohngebiet neben dem Stadtpark – wenn es denn nachhaltig und fair geplant wird. Zwei Wochen haben sie an ihrem Modell gearbeitet und hoffen, dass zumindest ein paar ihrer Ideen umgesetzt werden. Denn für sie ist klar: In ihren ganz persönlichen Stadtmarsch der Zukunft würden sie auf jeden Fall einziehen.

Daniel Tautz vor einer grauen Wand
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor Daniel Tautz volontiert an der electronic media school in Potsdam. Für seine Hörfunk-Station ist der gebürtige Hallenser aber zu MDR SACHSEN-ANHALT gekommen. Bevor er das Radio für sich entdeckte, war er vor allem online unterwegs: Bei Zeit Online kümmerte er sich um die Nachrichten, bei der dpa um Geschichten aus Berlin und Brandenburg. Seine Kernthemen: Medienjournalismus und der Osten Deutschlands.

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 15. Januar 2020 | 12:59 Uhr

2 Kommentare

Machdeburjer vor 35 Wochen

Ich überlege gerade, wann der Stadtmarsch das letzte Mal überflutet war? Hat man da schon in Häusern gewohnt?
Haben Chirurgen kein Recht auf schönen Wohnraum, wenn es ihr Portemonnaie erlaubt?
Jahrelang das lag Areal brach mit alten Gartenhäusern und einen Haufen Müll, welcher dort entsorgt wurde.
Das hat niemanden gejuckt. Aber jetzt, wo heute doch alle so modern und umweltbewusst sein wollen, da kommen sie raus gekrochen.
Es wird nicht der Stadtpark bebaut. Also locker bleiben.
Und auch besser verdienende Menschen haben ein Recht auf Wohnraum. Wenn es für ihre Börse nicht reicht, dann ist das ihr Problem. Ich kann auch nicht am Central Park in New York wohnen, jammere aber keinem die Ohren voll deswegen. Mein Herren

Wenzel vor 35 Wochen

Da haben sich die Kinder aber Mühe gegeben. Die Bauherren von MWG und WoBau geben sich sehr große Mühe ihr exklusives Wohngebiet in die Grüne Lunge Magdeburgs schön "grün" anzustreichen. Das macht das ganze Vorhaben aber nicht besser. Die nächste Jahrhundertflut kommt. Ob die 600 Chirurgen auch schwimmen können?

Mehr aus Magdeburg, Börde, Salzland und Harz

Mehr aus Sachsen-Anhalt