Eine Straßenbahn-Haltestelle in der Halberstädter Straße Magdeburg. Hier soll sich ein Angriff auf eine Schülerin und einen Studenten ereignet haben.
In einer Magdeburger Straßenbahn sind eine Schülerin und ein Student angegriffen worden. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Syrer ist tatverdächtig Schülerin und Student in Straßenbahn angegriffen: Das sagen die Beteiligten

Der Angriff auf eine Schülerin und einen Studenten vor Ostern in einer Magdeburger Straßenbahn sorgt für Diskussionen. Tatverdächtig ist ein Syrer. Die Polizei, die Angegriffenen und das Innenministerium äußern sich zu dem Fall.

Eine Straßenbahn-Haltestelle in der Halberstädter Straße Magdeburg. Hier soll sich ein Angriff auf eine Schülerin und einen Studenten ereignet haben.
In einer Magdeburger Straßenbahn sind eine Schülerin und ein Student angegriffen worden. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Was ist passiert?

Bereits am Donnerstag vor Ostern soll ein 34-jähriger Syrer in einer auf der Halberstädter Straße fahrenden Straßenbahn zuerst eine 18-jährige Schülerin ins Gesicht geschlagen haben. Das teilte die Polizei mit. Die Schülerin kannte den Angreifer nicht. Ein 28-jähriger Medizinstudent war der 18-Jährigen zu Hilfe gekommen. Er wurde ebenfalls geschlagen. Beide Opfer trugen schwere Verletzungen davon und mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Erst acht Tage nach der Tat kam der mutmaßliche Angreifer in Untersuchungshaft: Auf Drängen der Familie der Schülerin ist der Fall noch einmal beleuchtet worden.

Warum kam der Tatverdächtige nicht gleich in Untersuchungshaft?

Der 34-Jährige konnte nach dem Angriff noch in der Bahn festgenommen werden. Die Polizei ging zunächst von einer einfachen Körperverletzung aus. Dieser Tatbestand reichte nicht als Haftgrund. Der Angreifer kam aber für einen Tag in die Psychiatrie. Dann entließ er sich selbst.

Im Zuge der Ermittlungen ist dann aber die Schwere der Verletzungen bekannt geworden, teilte die Polizei am Donnerstag mit. Die Auswertung des Videomaterials der Straßenbahn zeigte, dass der Tatverdächtige nach einem der Opfer getreten hatte. Daher sei die Tat durch die Staatsanwaltschaft neu klassifiziert worden: Sie wurde als gefährliche Körperverletzung eingeordnet. Gegen den Tatverdächtigen wurde daraufhin Haftbefehl beantragt. Der Syrer sitzt seit vergangener Woche Freitag in Burg in Untersuchungshaft.

Was sagt die Polizei?

Wie ein Sprecher der Polizei MDR Sachsen-Anhalt sagte, habe die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen in dem Fall aufgenommen. Details könnten aus Ermittlungsgründen nicht genannt werden.

Was sagt das Innenministerium?

Inzwischen hat sich das Innenministerium in den Fall eingeschaltet. Ein Ministeriumssprecher sagte MDR SACHSEN-ANHALT, man nehme den Fall sehr ernst und lasse sich detailliert über die Polizeimaßnahmen berichten.

Was sagen die Angegriffenen und ihre Angehörigen?

Die 18-jährige Schülerin erklärte MDR SACHSEN-ANHALT, sie habe mit dem Angreifer kein Wort gewechselt. Sie sei aus heiterem Himmel ins Gesicht geschlagen worden. Daraufhin habe sie sich zum Ausgang der Straßenbahn geschleppt und um Hilfe gerufen, woraufhin der Medizinstudent einschritt. Der Straßenbahnfahrer habe nicht geholfen, auch alle anderen Fahrgäste nicht. Sie seien stattdessen ausgestiegen.

Die Mutter der Schülerin beklagt im Interview mit MDR SACHSEN-ANHALT auch, dass die Türen der Straßenbahn verschlossen worden seien. So habe der Täter auf den jungen Mann eingeprügelt, bis die Polizei kam. Nur einer engagierten Polizeibeamtin sei es zu verdanken, dass der Fall nicht zu den Akten gelegt wurde. "Sie hat nachgeforscht und sie hat gesehen, dass der Täter in Nordrhein-Westfalen gesucht wurde. Sie hat dann veranlasst, dass die Rechtsmedizin endlich ins Krankenhaus geht, beziehungsweise die beiden dorthin gehen und sich untersuchen lassen. Dann wurde Haftbefehl erlassen, er wurde gesucht und am nächsten Tag festgenommen."

Der Medizinstudent kritisiert, dass er zu einer Aussage aufs Revier zitiert wurde, obwohl er doch im Krankenhaus lag. Vor Ort sei man dann gar nicht richtig über den Fall informiert gewesen. "Die mussten ein paar Mal nachfragen, sind dann am Computer verschwunden, haben da ein bisschen gesucht und haben gesagt, ich solle erst mal wieder nach Hause gehen und mir keine Sorgen machen und mich erst einmal erholen", so der 28-Jährige.

Zuerst hatte die Volkstimme mit den Betroffenen und Angehörigen der Schülerin gesprochen und so den Fall öffentlich gemacht.

Was sagen die Magdeburger Verkehrsbetriebe?

Die Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) zeigten sich schockiert von dem Vorfall in ihrer Straßenbahn. Geschäftsführerin Birgit Münster-Rendel sprach den Betroffenen im Interview mit MDR SACHSEN-ANHALT ihr Bedauern aus. Sie verwies darauf, dass Bus- und Straßenbahnfahrer jederzeit mit der Leitstelle verbunden seien, um Vorfälle jeglicher Art zu melden. Dies sei auch in diesem Fall geschehen. Innerhalb weniger Minuten seien weitere Mitarbeiter vor Ort gewesen.

Die Aussage der Betroffenen, dass die Türen der Straßenbahn geschlossen worden seien, wollte die Geschäftsführerin nicht kommentieren. Sie sagte aber, dass für die MVB das Sicherheitsempfinden ihrer Fahrgäste im Mittelpunkt stehe. Mittlerweile seien 60 Prozent der Fahrzeuge mit Videokameras ausgestattet. Das Personal werde in Deeskalation und Erster Hilfe geschult. Außerdem informiere das Unternehmen regelmäßig zum Thema Zivilcourage. "Zivilcourage ist ein gesellschaftliches Problem, das kann die MVB nicht alleine lösen", so Münster-Rendel.

Quelle: MDR/mh,ap

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 02. Mai 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Mai 2019, 20:20 Uhr

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52 Kommentare

04.05.2019 19:33 der_Silvio 52

@51 Auf zum letzten Gefecht; "liegen da jetzt Mordmerkmale vor?"
Nein...Multikulti, also bitte etwas mehr Rücksicht für die fremden Kulturen! Sarkasmus/off

04.05.2019 19:14 Auf zum letzten Gefecht! 51

bei Focus Online steht es etwas ausführlicher:
"Eine 18-jährige Schülerin erleidet eine Nasenfraktur und einen Bruch des linken Augenhöhlenrings, ein 28-jähriger Student drei Platzwunden am Kopf und einen Bruch der Vorderwand der Stirnhöhle, der mit einer Titanplatte geflickt werden musste. So lautet die haarsträubende Bilanz eines völlig grundlosen Angriffs eines 34 Jahren alten Mannes auf zwei Fahrgäste einer Magdeburger Straßenbahn am Gründonnerstag."

liegen da jetzt Mordmerkmale vor?

04.05.2019 15:39 Auf zum letzten Gefecht! 50

@47 + 48

sie haben leicht reden aus der Ferne,

sie haben ja gesehen was dem Studenten passiert ist und dabei hat er den Syrer nicht mal angesprochen, sondern sich um um die Verletzte gekümmert.

Vielleicht könnte ich ja die Polizei anrufen, aber das machen bestimmt schon andere.
Und ich will dem Syrer und seiner Familie auch nicht im Gerichtssaal begegnen.

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