Eine Schülerin meldet sich in einem Klassenzimmer.
Auch wenn Kinder in Sachsen-Anhalt auf ihre Sprachkenntnisse getestet werden – große Auswirkungen haben die Ergebnisse nicht. Bildrechte: dpa

Schulbeginn Sprachkenntnisse: Wie Sachsen-Anhalt seine Vorschüler testet

Anfang August regte der CDU-Politiker Carsten Linnemann eine Diskussion über die Sprachkompetenzen von Grundschulkindern an. Auch in Sachsen-Anhalt werden Vorschulkindern auf ihre Sprachkenntnisse getestet – große Auswirkungen der Ergebnisse auf die Einschulung gibt es hier aber nicht. Ein Überblick.

Eine Schülerin meldet sich in einem Klassenzimmer.
Auch wenn Kinder in Sachsen-Anhalt auf ihre Sprachkenntnisse getestet werden – große Auswirkungen haben die Ergebnisse nicht. Bildrechte: dpa

Wer in Deutschland eine Grundschule besuchen wird, sollte über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen. So forderte es der Unions-Fraktionsvize Carsten Linnemann Anfang August. Seine Bemerkungen erregten bundesweit großes Aufsehen. Kurz vor Beginn des neuen Schuljahres hat MDR SACHSEN-ANHALT geschaut, wie die Sprachkompetenzen von angehenden Grundschulkindern in Sachsen-Anhalt getestet werden.

Prüfung der Sprachkenntnisse

In Sachsen-Anhalt werden Kinder knapp ein Jahr vor der Einschulung auf ihre Sprachkenntnisse geprüft. Diese Schuleingangsuntersuchung wird hier im Land vom Kinder- und Jugendärztlichendienst des Gesundheitsamtes durchgeführt. Dabei wird jedoch nicht nur die Sprachkompetenz untersucht, sondern die generelle körperliche, geistige, soziale und emotionale Entwicklung des Kindes.

Ab dann müssen Kinder zur Grundschule

Laut Schulgesetz des Landes Sachsen-Anhalt werden alle Kinder, die bis zum 30. Juni eines Jahres das sechste Lebensjahr vollendet haben, zum folgenden Schuljahr hin schulpflichtig. Darüber hinaus besteht diese Möglichkeit auch für Kinder, die bis 30. Juni das fünfte Lebensjahr vollendet haben. Hier müssen die Erziehungsberechtigten einen Antrag stellen. Voraussetzung ist, dass sie die für den Schulbesuch erforderlichen körperlichen und geistigen Voraussetzungen besitzen und in ihrem sozialen Verhalten ausreichend entwickelt sind.

Erstklässler mit ihren Schultüten auf dem Weg zur Einschulung in die 1. Klasse.
In Sachsen-Anhalt findet die Einschulung in diesem Jahr am 17. August statt. Bildrechte: dpa

Sollten bei der Prüfung Defizite festgestellt werden, so leitet das Gesundheitsamt die Erkenntnisse an die zuständige Grundschule weiter. Nach Angaben des Landesamts für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt waren in den letzten Jahren ca. 20 Prozent der Kinder auffällig im Artikulationstest und etwa acht Prozent auffällig im Grammatiktest. Ein Ausschlusskriterium zur Einschulung stellt dies in Sachsen-Anhalt jedoch nicht dar. Allerdings können die Sorgeberechtigten der Kinder einen Antrag beim Landesschulamt stellen, die Schulpflicht um ein Jahr zu verschieben – dieser muss von Fall zu Fall gesondert begründet werden.

Freiwillige Vorschulbildung

Eine Verpflichtung von Grundschulen, im Vorfeld Angebote zur Sprachförderung anzubieten, besteht in Sachsen-Anhalt nicht. Eltern können selbst entscheiden, entsprechende weiterführende Lösungen wie logopädische Behandlungen für ihre Kinder in Anspruch zu nehmen – hier können die Ärzte nur Empfehlungen aussprechen. Auch den Schulen steht es frei, selbst eigene Konzepte zu entwickeln. Diese können unterschiedlich ausfallen. In Magdeburg bietet die Grundschule "Am Westring" zum Beispiel ein eigenes Angebot zur vorschulischen Bildung an.

Grundschulleiterin Stefanie Gregull erklärt MDR SACHSEN-ANHALT, dass ihre Schule ein freiwilliges Programm anbietet, welches gut angenommen werde. Rund ein Dreivierteljahr vor der Einschulung hätten die Kinder hier die Möglichkeit, ein Mal pro Woche vormittags für zwei Stunden an einem Vorbereitungskurs teilzunehmen. Hier würden den Kindern unter pädagogischer Aufsicht naturwissenschaftliche, musikalische, motorische und auch sprachliche Förderungen angeboten.

Eine ausländische Schülerin füllt am 24.05.2013 in der Georg-Elser-Hauptschule in Garbsen (Niedersachsen) während eines Deutschkurses ein Arbeitsblatt aus.
Den Schulen steht es frei, selbst Programme zur vorschulischen Bildung anzubieten. Bildrechte: dpa

Gregull ist froh und auch überrascht, wie gut dieses Angebot angenommen werde. "Für uns hat es sich bewährt". Allerdings weist sie auch darauf hin, dass es an den Eltern liege, ob die Kinder daran teilnehmen könnten. "Nicht allen Eltern ist es möglich, ihre Kinder vormittags zu uns zu bringen", so Gregull. Nicht alle Schulen böten solche Angebote wöchentlich an, aber dafür zum Beispiel ein Mal im Monat sogenannte "ABC-Clubs", in denen die Sprachkompetenzen der Kinder verbessert werden sollen. Aber auch hier stehe immer die Frage im Raum, ob eine Schule ausreichend pädagogisches Personal habe.

Anstrengungen von KiTas

Das Land will die Sprachkompetenzen von Kindern auch schon vor der Einschulung fördern. Dafür hat das Land im Jahr 2004 das Bildungsprogramm "Bildung: elementar – Bildung von Anfang an" für Kindertageseinrichtungen vorgelegt. Aber auch hier handelt es sich um keine verpflichtende Maßnahme im Sinne eines Bildungsplans mit expliziten Handlungsvorschriften. Das Programm soll vielmehr Eigenkompetenzen der pädagogischen Fachkräfte fördern.

Mangel an Fachkräften

GEW-Fahnen
Die GEW bemängelt seit Jahren einen Ressourcen- und Lehrerkräftemängel. Bildrechte: MDR/Falko Wittig

Nach Aussagen von Alexander Pistorius von der Bildungsgewerkschaft "GEW Sachsen-Anhalt" berichten Lehrkräfte von "nachlassender Vielfalt in den Bereichen Wortarten, Lexik, Grammatik" von Kindern – auch, wenn diese Erfahrungsberichte nicht repräsentativ seien. So scheinen die Entwicklungen einer korrekten Aussprache, ihrer Erfahrung nach, rückläufig zu sein. Pistorius weist aber auch darauf hin, dass sich die Kinder in diesem Alter noch in einer sprachlichen Entwicklungsphase befinden, die sich nicht mit einer verbindlichen Skala messen ließe.

Laut GEW Sachsen-Anhalt gibt es immer wieder Mitteilungen von Grundschullehrern, dass Ressourcen fehlten, um sprachliche Defizite frühzeitig und gezielt abbauen zu können. Der Lehrkräftemangel mache sich dahingehend bemerkbar, dass vielerorts "Zeit und Kraft für solche wichtigen aber zusätzlichen Vorfeld-Aufgaben" fehlten. Dabei kritisiert die GEW, dass das Land "bremse", wenn es um bessere und verbindliche Ausstattung der Schulen mit pädagogischen Mitarbeitern, Schulsozialarbeitern oder auch Sprachlehrkräften gehe.

Quelle: MDR/fl

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 13. August 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. August 2019, 17:33 Uhr

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