Semesterstart in Magdeburg Wie eine Neu-Studentin die Großstadt kennenlernt

Kevin Poweska
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Loreen ist 19 Jahre alt und kommt aus Oberfranken in Bayern. Ihre neue Heimat: Magdeburg. An der hat die Studentin der "Sozialen Arbeit" schnell Gefallen gefunden. MDR SACHSEN-ANHALT hat Loreen an ihren ersten beiden Tagen in Magdeburg begleitet, beim Streifzug durch die Stadt und am ersten Uni-Tag. Eine Geschichte über viele Eindrücke aus ihrer neuen Großstadt – und einen Neuanfang in Corona-Zeiten.

Eine junge Frau steht vor dem Magdeburger Dom.
Genießt es, nun etwas mehr Großstadt um sich zu haben: Loreen Frobin. Bildrechte: MDR/ Kevin Poweska

"Groß" und "beeindruckend" – so beschreibt Loreen Frobin den Magdeburger Dom. Sie kommt aus Coburg, das liegt im nördlichen Bayern und gleichzeitig nah an der Grenze zu Thüringen. Etwas mehr als 40.000 Einwohner leben in ihrer Heimatstadt. "Eine Umgewöhnung ist das schon", erklärt Loreen mitten auf dem Domplatz in Magdeburg. Die 19-Jährige ist eine von rund 1.200 Studienanfängern der Hochschule Magdeburg-Stendal und erst vor wenigen Tagen hier angekommen. Die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts, in der damit ihr neuer Lebensabschnitt beginnt, ist daher noch eine "große" Unbekannte.

Viele von denen, die neu nach Magdeburg kommen, schließen die Stadt nicht unbedingt direkt ins Herz. Der in die Jahre gekommene Bahnhof, zahlreiche Baustellen, die mitunter doch harte Schale der Eingeborenen – da weiß die Stadt nicht jeder sofort zu schätzen. Bei Loreen Frobin ist das anders. Sie schwärmt von der Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel. "In Coburg haben wir gar keine Straßenbahn", erklärt die 19-jährige. Für sie ist das hier schon eine Art "Luxus".

Der große Unterschied komme aber nicht von irgendwo, meint Loreen, schließlich hätte Coburg ja nur knapp 40.000 Einwohner. Seit nicht einmal einer Woche ist die Oberfränkin in Magdeburg. Auf die Frage, was ihr sonst noch gleich aufgefallen ist, erwidert die Neu-Magdeburgerin: "Die freundlichen Menschen." Auch das Stadtbild findet sie sehr interessant und so beschließt sie schnell eine kleine Entdeckungstour durch Magdeburg zu unternehmen.

In Magdeburg gibt es einfach viel mehr Restaurants und Geschäfte. Und das auch gleich noch viel größer.

Nach kurzer Fahrt in die Innenstadt hat Loreen auch gleich auf den ersten Blick etwas für sich entdeckt: Das Hundertwasserhaus. Loreen hat sich auf Anhieb in das Bauwerk auf dem Breiten Weg verliebt. "Ich war sehr neugierig, als ich das Hundertwasserhaus das erste Mal gesehen habe. Das war so völlig anders in diesem Stadtbild." Besonders gefalle ihr die Architektur: "Die ist einfach total verrückt und bunt – das sticht so richtig raus."

Bevor es so richtig ernst wurde mit dem Studienstart im Bachelor "Soziale Arbeit" an der Hochschule Magdeburg-Stendal, war sie nur kurz in Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt. "Einmal war ich für die WG-Besichtigungen da", erzählt sie. Von der Stadt hätte sie da aber nicht so viel mitgenommen, zu sehr sei sie dabei auf die Wohnungssuche fokussiert gewesen.

Die Elbe – das Highlight

Für die Oberfränkin ist neben dem Hundertwasserhaus und dem Magdeburger Dom vor allem die Elbe das Highlight. Auf den Elbtreppen fühlt sich die 19-Jährige gleich wohl. Generell habe ihr Wasser schon immer gefallen, erklärt sie. In Coburg gebe es jedoch keinen so großen Fluss. "Nur so einen kleinen Mini-Fluss – aber das kann man nicht vergleichen mit der Elbe." Für sie steht fest, an der Elbe wird sie in ihrer Studienzeit sehr oft die Zeit verbringen.

Elbufer am trockengelegten Domfelsen in Magdeburg am 24. Juli 2018.
Die Elbtreppen – schöne Aussichten für das Semester in Magdeburg, findet Loreen Frobin. Bildrechte: Michael Beyer, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)

Ein Stückchen weiter geht es für Loreen über die historische Hubbrücke, wo sie die vielen Namen und Bezeichnungen von Spender-Paten auf den Holzbohlen neugierig machen. Die Brücke führt sie zum Rothehorn-Park. Loreen spaziert gern, sagt sie, und ist ziemlich sicher, dass diese Route auch in Zukunft interessant für sie wird. Der Adolf-Mittag-See inmitten des Parks mit dem zentralen Pavillon und der Fontäne inmitten des Sees bringen ihre Augen zum Strahlen. "Schön, wirklich sehr schön."

Erste Schritte auf dem Campus

Der nächste Morgen, der 01. Oktober – für Loreen der Tag der Immatrikulation. Sie ist etwas angespannt und fährt früh mit der Straßenbahn zur Hochschule. Sie ist neugierig, das merkt man ihr beim Aussteigen an. Aufmerksam schaut sie sich um. Dann geht es für Loreen auf dem Campus gleich in Richtung des ersten größeren Gebäudes: Haus 1. Dort ist ihr Studiengang "Soziale Arbeit" angesiedelt. Nach kurzem Fragen findet sie schnell Anschluss bei den anderen aus ihrem Studiengang.

"Das ist eine coole Atmosphäre"

Für das erste Kennenlernen waren zwei Stunden vorgesehen. Einmal damit sich die Studierenden untereinander vernetzen, aber auch die Dozenten konnte man direkt im Gespräch kennenlernen. Eine Art Kaffeeklatsch. "Das ist eine coole Atmosphäre", erklärt Loreen unter ihre Maske.

Die Maske ist an der Hochschule hier Pflicht, und zwar dort, wo der Mindestabstand nicht sicher eingehalten werden kann – zum  Beispiel auf vollen Fluren oder beim Warten vorm Hörsaal. Für Doreen geht es gleich rein zu einem Dozenten. Gerade erzählt er noch zu seinem Laptop gewandt ein paar Worte, ehe die Studentin und zwei weitere Kommilitonen eintreten können. Theoretisch könnte man die Dozenten heute nämlich online treffen, um mit ihnen zu reden. Für Loreen war das aber kein Thema und so tritt sie entschlossen ein.

Schnell entwickelt sich ein lockeres, angenehmes Gespräch. Nach einiger Zeit ist es auch schon wieder vorbei und die kleine zusammengewürfelte Gruppe zieht los zu einer weiteren Dozentin.

Kennenlernen auf dem Campus

Nach den ersten Gesprächen mit den Dozenten zieht es die junge Studentin dann weiter Richtung Mensa. Der Weg führt quer über den Campus. Es ist warm, knapp 20 Grad – und so fühlt sich auch die Atmosphäre für Loreen an. Sie hat gute Laune. Der Großteil der Leute lernt sich hier gerade kennen. Auch Loreen ist schnell in Gespräche verwickelt. Es dauert ein bisschen und die jungen Studenten fangen immer mehr an, sich auszutauschen.

Im Gebäude unter den Masken war das alles noch etwas anders. Auch Loreen findet es draußen, ohne Maske, angenehmer, um ihre Kommilitonen kennenzulernen. "Ohne Maske ist schon schöner – aber wir haben uns die letzten Monate eigentlich an diese Situation gewöhnt", erklärt sie. Einige tragen auch im Freien weiter ihre Masken.

Die auf einer Tafel aufgeschriebenen Hygieneregeln auf dem Campus der Hochschule Magdeburg-Stendal.
Die Hochschule Magdeburg-Stendal hat ein Hygienekonzept erarbeitet. Bildrechte: MDR/Kevin Poweska

Ansage durchs Mikrofon: "Es können nur 180 Leute rein"

Dann ist es soweit: Loreens Begrüßung durch den Fachbereich kann losgehen. Schnell gehen Loreen und ihre neuen Begleiter in Richtung Hörsaal. "Es können durch Corona nur 180 Leute rein", heißt es durch ein Mikrofon. Loreen schaut sich suchend um – doch für sie und ihre Gruppe finden sich noch freie Plätze im Audimax, dem größten Hörsaal auf dem Campus. Die übrigen konnten sich die Begrüßung via Livestream in einem anderen Hörsaal angucken. In beiden Sälen galt: Zwischen den neuen Studierenden muss jeweils ein Platz leer bleiben.

Studierende sitzen in einem großen Hörsaall. Sie tragen alle einen Mund-Nasen-Schutz
Maske auf – Begrüßung im Hörsaal. Bildrechte: MDR/Kevin Poweska

Aufgrund der Fülle der Menschen wird kurzerhand beschlossen, dass auch im Hörsaal, also auf dem Platz, die Maske zu tragen ist. Etwas zögerlich ziehen die Studierenden die Masken wieder auf und die Begrüßung kann beginnen. Nach einigen Reden ist es dann soweit: Loreen und die anderen sind nun ganz offiziell Studenten an der Hochschule Magdeburg-Stendal.

Kevin Poweska
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Kevin Poweska arbeitet trimedial im Funkhaus von MDR SACHSEN-ANHALT. Aktuell ist er im fünften Semester seines Bachelor-Studiengangs Journalismus an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Während seines Studiums absolvierte er bereits ein Praktikum bei der Braunschweiger Zeitung. In seiner Freizeit ist Kevin gerne sportlich aktiv: Seine Hauptambitionen liegen in den Sportarten Basketball, Tennis und Fußball - aber auch da probiert er sich gerne immer wieder neu aus. Zudem ist er journalistisch sportlich voll dabei: Kevin führt einen Blog zu den Deutschen Tennisherren und steht dabei mit den Spielern für Postgame-Interviews in regem Kontakt.

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Quelle: MDR/mg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 01. Oktober 2020 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

Tasty vor 7 Wochen

Die Wahrheit liegt wohl eher darin, dass Sie ein wenig Geld sparen wollte und hat sich ein billiges Pflaster gesucht. Hier ist Md ganz brauchbar. Im Vergleich mit einem 40k Einwohner gibt es dann natürlich auch mehr zu entdecken aber wenn Doreen die Wahl hätte, dann wäre Sie sicher nach Nürnberg, Leipzig oder Frankfurt gegangen. Großstadt Flair kommt in Magdeburg sicher nicht auf. Zumal eine intakte Innenstadt komplett fehlt. Als richtige Studentenstadt leider nicht wirklich zu gebrauchen. Dafür fehlt einfach ein cooles Bar und Kneipenviertel und nein, der Hassel ist es sicher nicht. Für 3 Jahre günstig Studieren wird es Doreen sicher reichen aber danach geht es zurück in den Westen. Traurig aber ist leider so.

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