Überreste aus Dreißigjährigem Krieg Skelette auf Magdeburger Tunnelbaustelle gefunden

Auf der Tunnelbaustelle am Magdeburger Hauptbahnhof haben Archäologen fast 30 menschliche Skelette gefunden. Sie zeigen Hieb-, Stich- und Schussverletzungen und könnten aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges stammen. Nun werden die Knochen im Labor untersucht. Am Fundort wurden die Bauarbeiten unterbrochen.

Stephan Schulz
Bildrechte: Maja Liebrucks

von Stephan Schulz, MDR SACHSEN-ANHALT

Hand hält ausgegrabenen Schädel.
Von wann die Knochen stammen, wird nun im Labor untersucht. Bildrechte: MDR/Stephan Schulz

Auf der Magdeburger Tunnelbaustelle schweißen Arbeiter an einer Stahlkonstruktion. Gleich daneben haben Archäologen mit Spachtel und Pinsel mehrere Skelette freigelegt. Dabei handelt es sich vermutlich um die sterblichen Überreste von Soldaten und Zivilisten, die bei der Zerstörung Magdeburgs im Jahr 1631 ums Leben gekommen sind.

Die Skelette zeigen Hieb-, Stich- und Schussverletzungen. Es könnte sich in der Tat um Opfer des Dreißigjährigen Krieges handeln.

Juliane Huthmann, Grabungsleiterin

Damals, im Jahr 1631, legte der Feldherr Tilly mit seinen kaiserlichen Truppen die Stadt Magdeburg in Schutt und Asche. Binnen kürzester Zeit starben mehr als 20.000 Menschen. Die Zerstörung der Stadt ging unter dem Begriff "Magdeburgisieren" in die Militärsprache ein. Der Begriff wurde immer dann verwendet, wenn eine Stadt bis auf die Grundmauern zerschossen oder gebrandschatzt wurde.

Knochen werden im Labor untersucht

Ob die gefundenen Skelette tatsächlich stumme Zeitzeugen des Dreißigjährigen Krieges sind, das soll in den kommenden Wochen mit Hilfe von wissenschaftlichen Laboruntersuchungen geklärt werden. Sollte der Fund tatsächlich auf das Jahr 1631 zurückgehen, dann hätten die Menschen, deren Knochen jetzt entdeckt wurden, laut Grabungsleiterin Juliane Huthmann die "Hölle auf Erden" erlebt.

Tunnelbaustelle Magdeburg Archäologen legen Knochen frei

Freigelegtes Skelett in Grube
Archäologen haben auf der Magdeburger City-Tunnelbaustelle rund 3 Jahrhunderte alte Skelette gefunden. Bildrechte: MDR/Stephan Schulz
Freigelegtes Skelett in Grube
Archäologen haben auf der Magdeburger City-Tunnelbaustelle rund 3 Jahrhunderte alte Skelette gefunden. Bildrechte: MDR/Stephan Schulz
Frau in Warnweste steht zwischen Menschen und hält Schädel in der Hand
Grabungsleiterin Juliane Huthmann erklärte, die Funde wiesen Schuss-, Hieb-, und Stichverletzungen auf. Bildrechte: MDR/Stephan Schulz
Knochen in Grube
Vermutlich handele es sich um die sterblichen Überreste von Soldaten oder Zivilisten. Bildrechte: MDR/Stephan Schulz
Mann steht in Grube und hält Tafel und kleine Vase in der Hand.
Möglicherweise sind sie bei der Zerstörung Magdeburgs 1631 ums Leben gekommen. Zwischen ihren Knochen wurde auch ein kleines Gefäß gefunden, das als Grabbeilage gedient haben könnte, so Dr. Götz Alper vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie. Bildrechte: MDR/Stephan Schulz
Drei Männer stehen in Baugrube und betrachten freigelegte Knochen.
Den Angaben zufolge können durch die Arbeit der Archäologen am Fundort in dieser Woche keine Bauarbeiten für den City-Tunnel stattfinden. Bildrechte: MDR/Stephan Schulz
Mann legt Skelett mit Pinsel frei.
Ob die gefundenen Skelette tatsächlich aus dem Dreißigjährigen Krieg stammen, soll in den kommenden Wochen im Labor untersucht werden.

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 19. März 2019 | 16:00 Uhr

Quelle: MDR/agz
Bildrechte: MDR/Stephan Schulz
Alle (6) Bilder anzeigen
Hand hält ausgegrabenen Schädel.
Bildrechte: MDR/Stephan Schulz

30 menschliche Skelette

Die ersten Knochen waren vor einiger Zeit bei Schachtarbeiten entdeckt worden. Seither haben die Archäologen auf der Tunnelbaustelle fast 30 menschliche Skelette ausgegraben. Zwischen den Knochen sei auch ein kleines Gefäß gefunden worden, das aus dem 16. oder 17. Jahrhundert stamme, sagt Dr. Götz Alper vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie. Wertvolle Grabbeilagen werden die Archäologen vermutlich nicht finden. Denn zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges wurden den Toten kaum noch Wertgegenstände ins Grab gelegt.

Mann steht in Grube und hält Tafel und kleine Vase in der Hand.
Bildrechte: MDR/Stephan Schulz

Kleine Dinge, die dem Verstorbenen zu Lebzeiten etwas bedeutet haben, finden wir aber öfter. Ich gehe daher auch davon aus, dass dieses kleine Gefäß hier dem Toten bewusst mit ins Grab gelegt wurde.

Dr. Götz Alper, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie

Die Umrisse der Holzsärge, die damals ins Erdreich eingelassen wurden, sind durch schwarze Schatten noch gut erkennbar. Auch Sargnägel konnten von den Archäologen freigelegt werden.

An der Grabungsstelle ruhen die Bauarbeiten für den Magdeburger Tunnel jetzt für einige Wochen. "Das ist aber nur ein kleiner Bereich", sagt Dr. Götz Alper. "Ansonsten kann weiter gebaut werden."

Stephan Schulz
Bildrechte: Maja Liebrucks

Über den Autor Stephan Schulz, geboren 1972, wuchs in Burg bei Magdeburg auf. Er studierte Germanistik, Soziologie und Politikwissenschaften und stellte fest, dass das Hörsaalwissen nicht weit führt, weil sich die Politik so selten an die Wissenschaft hält. Deswegen schreibt und spricht er so gern darüber.
Stephan Schulz ist seit 2001 festangestellter Redakteur bei MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir. Außerdem ist er einer der beiden Gastgeber des MDR SACHSEN-ANHALT-Podcasts "Digital leben".

Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 19. März 2019 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. März 2019, 17:47 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

3 Kommentare

20.03.2019 08:27 Leser 3

Prof. Boerne und seine Kleine dran lassen, dann geht's schneller und die Bauarbeiten schreiten voran.

20.03.2019 06:52 Profikator 2

hallo mdr,

bei der Bildunterschrift steht 30 Jahrhunderte... das sollte bestimmt nur 3 Jahrhunderte heissen ;)

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT:
Vielen Dank für den Hinweis. Wir haben die entsprechende Stelle korrigiert.

19.03.2019 21:57 böse-zunge 1

Im Gegensatz zu dem Massengrab im Süden des Landes - hier Beisetzung im Sarg. Aber Kampfspuren.
Könnten es also Bürger gewesen sein?
Bei der Untersuchung der Überreste der Königin Edith war die Analyse von Zähnen hilfreich - könnte es hier auch sein ... 30 Menschen, mehrheitlich aufgewachsen und schon wüsste man mehr.
Also warten wir mal ab welchen Umfang man bei der Untersuchung anzuwenden bereit ist.

Mehr aus Magdeburg, Börde, Salzland und Harz

Mehr aus Sachsen-Anhalt