Sondersitzung Stadtrat berät Zukunft von Magdeburgs Zoodirektor Perret

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Vorwürfe gegen Magdeburgs Zoodirektor Kai Perret. Jetzt scheint das Maß voll. Der Stadtrat muss entscheiden, ob Perrets Vertrag als Geschäftsführer fristlos gekündigt wird. Der Zoo-Aufsichtsrat jedenfalls empfiehlt das. Die Sitzung ist nicht öffentlich.

Dr. Kai Perret
Für Zoochef Kai Perret entscheidet sich am Dienstag seine Zukunft im Zoo Magdeburg. Bildrechte: imago/Christian Schroedter

In Magdeburg kommt am Dienstag der Stadtrat zu einer Sondersitzung zusammen. Einziges Thema: die Zukunft von Zoochef Kai Perret. Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) ist gleichzeitig Chef des Zoo-Aufsichtsrates. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Es gibt eine ganze Reihe von Vorwürfen gegen den derzeitigen Zoochef, die dazu geführt haben, dass der Aufsichtsrat zwei Sondersitzungen abgehalten hat. Zum Ende der zweiten Sitzung hat es eine einstimmige Empfehlung an den Stadtrat gegeben, Kai Perret zu kündigen."

Nach Aussage von Trümper kennt sich der Aufsichtsrat mit den internen Vorgängen im Zoo bestens aus und hat zwei Mal den Zoochef selbst als auch die Zoo-Mitarbeiter zu den Vorwürfen befragt. Da der Stadtrat für Abberufungen zuständig ist, finde diese Sondersitzung statt. Sie ist nicht öffentlich.

Wenn ein Aufsichtsrat so viele Anlässe sieht, einstimmig eine Empfehlung zu geben, wenn das Vertrauensverhältnis so gestört ist, dass keine weitere Zusammenarbeit möglich ist, dann ist Handlungsbedarf da.

Lutz Trümper, Oberbürgermeister Magdeburg

Die Vorwürfe gegen Perret

Laut Oberbürgermeister Trümper gibt es eine ganze Reihe von Vorwürfen, über die er vor der Sondersitzung nicht sprechen dürfe. Es gehe in zwei Fällen um den Vorwurf der Untreue. Trümper geht davon aus, dass Perret als Geschäftsführer Verträge mit sich selbst als Privatperson abgeschlossen hat, was verboten sei. Als Beispiel nennt er den Kauf eines Gewehres sowie den Abschluss von Rechtsschutzversicherungen für Zoomitarbeiter. Diese Vorwürfe seien alle im Aufsichtsrat geprüft worden. Am Ende habe es die Empfehlung der Kündigung gegeben, um Schaden vom Zoo abzuwenden.

Kai Perret ist seit Ende Januar beurlaubt und durfte das Zoogelände nicht mehr betreten. Für ihn gilt Hausverbot. Auslöser war eine Strafanzeige, wegen des Verdachts der Tierwohlgefährdung. Seitdem ermittelt die Staatsanwaltschaft, ob es einen Anfangsverdacht gibt. Ein Ergebnis liegt noch nicht vor.

Seit Ende Januar hat der kaufmännische Leiter und Prokurist Dirk Wilke kommissarisch die Amtsgeschäfte des Zoodirektors übernommen,

Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper bei einer Veranstaltung in der Staatskanzlei in Magdeburg, 2016.
Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper sorgt sich um das Ansehen des Zoos. Bildrechte: IMAGO

Allein der Fakt, dass die Staatsanwaltschaft wegen Tierwohlgefährdung ermitteln könnte, da war es höchste Eisenbahn die Freistellung vorzunehmen.

Lutz Trümper, Oberbürgermeister Magdeburg

Trümper ist sicher, dass Perret ein sehr faires Verfahren bekommt. "Wir machen keine Intrigen", sagt er mit Nachdruck. Ihm gehe es darum weiteren Schaden abzuwenden. Der Zoo sei durch das Handeln des Direktors in eine schwierige Situation geraten. Mit den Tieren sei einiges schief gelaufen, außerdem sei der Magdeburger Zoo aus einer renommierten europäischen Vereinigung rausgeschmissen worden, weil unerlaubt mit Tieren gehandelt worden sei. Die derzeitige Situation sei für Trümper "unerträglich."

Online-Petition für Perret

Ein faires Verfahren wünscht sich auch der Magdeburger Zoo-Fan Fabian Zinke. Er hat eine Online Petition gestartet und fordert damit ein faires Vefahren für Perret. Zinke teilte MDR SACHSEN-ANHALT mit: "Ich habe die Entwicklung des Magdeburger Zoos über viele Jahre mitverfolgt und gehe gern in den Zoo. Was Herr Perret in den Jahren alles verändert hat, finde ich echt super. Warum soll der Mann von jetzt auf gleich den Zoo verlassen?" Seine Petition hatten bis Montagnachmittag 1186 Menschen unterzeichnet. Zinke ist damit zufrieden. Er schreibt an MDR SACHSEN-ANHALT: "Auch wenn ich die 2.000 Unterschriften nicht zusammen bekommen werde. Aber für die kürze der Zeit, ist es ein super Ergebnis."

Bereits 2018 massive Vorwürfe gegen Perret

Eine ähnliche Situation hatte es nach Angaben von Trümper bereits vor anderthalb Jahren gegeben. Schon damals habe es massive Vorwürfe gegeben. Sogar ein Mediator sei eingesetzt worden, um das Problem im Zoo zwischen den Mitarbeitern und dem Zoodirektor zu lösen. Damals habe der Aufsichtsrat etliche Festlegungen getroffen, um eine Besserung herbeizuführen. Vieles sei nicht umgesetzt worden. Um welche Maßnahmen es sich handelte, dazu wollte Trümper nichts sagen.

Die Vorwürfe haben mich so erschüttert im Vertrauen für den Zoodirektor, dass ich keinen Grund mehr sehe, dass man das noch heilen kann.  

Lutz Trümper, Oberbürgermeister Magdeburg

Auch der ehemalige und langjährige Tierarzt im Zoo, Klaus Kutschmann, der bis 2019 auch Vorsitzender des Zoo-Aufsichtsrates war, zeigte sich erschüttert. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT, es seien über die Jahre immer mehr Versäumnisse aufgelaufen und der Zoodirektor habe sich "beratungsresistent" gezeigt. Er habe mehrfach versucht mit Perret zu reden. Er habe jedoch keine Ratschläge angenommen.

Perret glaubt an ein gutes Ende

Der beurlaubte Zoochef Kai Perret selbst zeigt sich optimistisch. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT, er habe für Vorwürfe Erklärungen und habe alle Fraktionen im Stadtrat schriftlich über seine Sicht der Dinge informiert. Er gehe von einem guten Ende aus, "wenn alles vom Tisch ist." Sollte er dennoch fristlos gekündigt werden, wolle er mit seinem Anwalt über weitere Schritte beraten. Perret ist bereits 17 Jahre Zoochef in Magdeburg. Sein Vertrag gilt noch bis Ende 2021.

 

Quelle: MDR/jw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | MDR SACHSEN-ANHALT | 03. März 2020 | 06:30 Uhr

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